Frauenleserin Rezension

„Toni und Moni – oder: Anleitung zum Heimatroman“ von Petra Piuk

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Keine Angst! Ich bin durch den Corona-Lockdown nicht plötzlich rührselig geworden und auf der Suche nach einem Ort, an dem die Welt noch in Ordnung ist. (Obwohl mich in schwachen Momenten tatsächlich ganz kurz eine gewisse Sehnsucht überkommt.) Aber bei „Toni und Moni“ wäre ich da auch ohnehin vollkommen falsch aufgehoben.

Dabei beginnt alles zunächst so schön harmonisch in Schöngraben an der Rauscher. Schon allein der Name des Orts verspricht eine wahre Idylle. Wer hat da bitte kein atemberaubendes Bergpanorama mit einem klaren Gebirgsbach im Kopf?! – Na, gut. Bis auf die Autorin. Die hat eigentlich anderes im Sinn. Aber das stört nicht einmal den Verlag, der kurzerhand ein Bergmotiv für das Cover auswählt und diese so zwingt, zumindest eine Bergszene einzubauen. Und überhaupt macht sich das, was doch eigentlich so friedlich angelegt war, schnell selbstständig. Irgendwann will sich nicht einmal mehr die Erzählerin an den vorgesehenen Handlungsverlauf halten. Kein Wunder also, dass aus dem netten Schöngraben an der Rauscher schnell Soddom und Gomorrha wird.

Eine Zeitlang hatte ich meinen Spaß daran, mitzuverfolgen wie aus der „Anleitung zum Heimatroman“ schließlich ein Antiheimatroman entsteht. Ich bin bekanntlich keine besondere Freundin von Klischees und fand es daher umso schöner je mehr diese auseinandergenommen wurden. Dass „Toni und Moni“ dabei auch noch in Ratgeberform angelegt ist, hat einen zusätzlichen Reiz. Die typischen Mechanismen und Strukturen eines „guten Heimatromans“ werden – natürlich mit einem ironischen Unterton – angesprochen. Der Versuch diese sodann auf die Geschichte von Toni und Moni anzuwenden, scheitert jedoch ein ums andere Mal.

Im letzten Drittel geriet mir die Geschichte dann aber leider doch zu sehr zum reinen Klamauk. Die Konsequenz, mit der wirklich jedes Heimatromanklischee ins Gegenteil verkehrt wird, befördert letztlich neue Klischees. Die Dorfbewohner werden zu ungebildeten Trampeln, bei denen Inzest und ähnliches an der Tagesordnung sind. Ein Klischee schlicht durch das Gegenteilige zu ersetzen, ist nur wenig originell.

Auch was die Gestaltung betrifft, bin ich gerade von der Büchergilde Gutenberg mehr gewohnt. Natürlich wird das Coverbild im Roman selbst thematisiert. Trotzdem wäre ein kreativerer Umgang möglich gewesen.

♥♥ lesbar

Toni und Moni – Anleitung zum Heimatroman • Petra Piuk • Büchergilde Gutenberg • Hardcover • 208 Seiten • Artikelnummer: 170817 • 19,00 € Mitgliederpreis • Leseprobe: >>klick<<

Neben der besprochenen Ausgabe ist der Roman auch als Taschenbuch bei Kein & Aber erschienen (ISBN: 978-3-0369-6013-5; Preis: 12,- €).

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