Alle Artikel in: Rezension

Rezension #146: „Untenrum frei“ von Margarete Stokowski

Es fällt schwer, Untenrum frei in ein bestimmtes Genre einzuordnen. Am ehesten ist es wohl ein Sachbuch, in dem Margarete Stokowski beschreibt, wie Frauen schon früh weibliche Rollenbilder internalisieren und wie schwierig es ist, diese später abzulegen. Dass sie dies mit einer gehörigen Portion Humor und anhand persönlicher Erlebnisse schildert, lässt jedoch auch eine andere Lesart. Letztlich – und das ist auch gleich eine Kernaussage Stokowski (wenn auch in einem anderen Kontext) – ist das Etikett gar nicht so entscheidet. Wichtiger ist, dass „Untenrum frei“ mich dazu anregte, über mich selbst nachzudenken. Margarete Stokowski wurde 1986 geboren und ist damit der Jahrgang meines jüngeren Bruders. Während unserer Schulzeit trennten uns nur drei Klassen. Wir beide wuchsen – wie alle Kinder der 90er – im Geiste von Gameboy, Bravo, Backstreet Boys und Space Girls auf. Der Umstand, dass wir zur gleichen Generation gehören, machte es mir leicht, die persönlichen Erlebnisse, die Margarete Stokowski in Untenrum frei beschreibt, auf mein eigenes Leben zu übertragen. Dieser neue Blick auf die eigene Vergangenheit ist eine sehr spannende Reise. Mich hat …

Rezension #145: „City on fire“ von Garth Risk Hallberg

Über Garth Risk Hallbergs „City on fire“ wurde bereits vor dem Erscheinen der deutschen Übersetzung viel geschrieben. Die sagenhafte Summe von 2 Millionen US-Dollar bekam der Autor für diesen Roman als Vorschuss. Als dann das Hardcover auch bei uns erschien, waren nahezu alle Literaturkritiker aus dem Häuschen. Mich schreckten jedoch zunächst die mehr als 1.000 Seiten ab, die das Werk umfasst. Das änderte sich erst, als ich im November das Taschenbuch und die ungewöhnliche Gestaltung des Romans entdeckte. Wenn auf dem Klappentext gleich zwei Lieblingsautoren zu finden sind – nämlich Stephen King, der den Roman mit Dickens` Werken vergleicht -, spricht vieles dafür, dass man ein zukünftiges Lieblingsbuch in den Händen hält. Tatsächlich war ich so neugierig auf „City on fire“, dass ich dafür sogar – Stephen King möge es mir nachsehen – meine aktuelle Lektüre („Insomnia“) unterbrach. Bereut habe ich es nicht. Worum geht es? Beschreibung des Verlags: Neujahr 1977. Ein Schneesturm zieht über New York, Feuerwerk erleuchtet den Himmel und im Central Park fallen Schüsse. Die Ereignisse der Nacht bringen eine Gruppe unvergesslicher Menschen …

Rezension #144: „Mit Vivienne Westwood an der Nähmaschine. Revolution auf dem Laufsteg“ von Gernot Uhl

Gernot Uhls Biografienblog „Eulengezwitscher“ ist schon seit langem ein von mir gerne und oft besuchter Blog. Wir teilen die Liebe zu außergewöhnlichen Lebensläufe. Daher war ich sofort begeistert, als ich erfuhr, dass mit der „Bibliothek der Wagemutigen“ ein paar von Gernot Uhls Texten nun als E-Book erscheinen. In seiner E-Book-Reihe erzählt Gernot Uhl von Menschen, die Geschichte machten, indem sie ihren inneren Überzeugungen folgten und so nicht selten auch einmal unbequem oder unverstanden waren. Mich faszinieren solche Lebensgeschichten, weil sie dazu inspirieren, weniger auf andere zu schauen. Vor allem außergewöhnliche weibliche Lebensentwürfe finde ich spannend. Daher habe mich als erste E-Book von Gernot Uhls „Bibliothek des Wagemutigen“ die Biografie über Vivienne Westwood vorgenommen. „Mit Vivienne Westwood an der Nähmaschine“ ist eine spannend und flüssig zu lesende Biografie über die Erfinderin des Punk-Looks. Obwohl das E-Book in einem für Biografien typischen eher nüchternen Sachbuchton geschrieben ist, überzeugten mich vor allem Gernot Uhls Beschreibungen der von Vivienne Westwood entworfenen Outfits. Diese sind so präzise und detailliert wiedergegeben, dass ich ein deutliches Bild davon vor Augen hatte, obwohl …

Rezension #143: „Happy Birthday, Türke“ von Jakob Arjouni

Im Mai hatte ich das seltene Glück ein Buch mehr oder weniger an eine Stück zu lesen. Das lag nicht nur am eher geringen Umfang des Werks sondern auch an der packenden, (zu meiner Überraschung und Freude) mit reichlich derbem Humor garnierten Geschichte und den tollen Illustrationen, die diesen Detektivroman, der im Frankfurter Bahnhofsviertel spielt, zu etwas Besonderem machen. Happy Birthday, Türke erschien erstmals bereits 1985. Jakob Arjouni, der damals gerade einmal 21 Jahre alt war, lässt Privatermittler Kemal Kayankaya in drei Tagen einen Mordfall im Frankfurter Bahnhofsviertel aufklären. Sieben Jahre später – 1992 – erhielt Arjouni, dessen bürgerlicher Name Bothe ist, für Ein Mann, ein Mord den Deutschen Krimipreis. Mittlerweile sind seine Romane sogar Schullektüre. (Schade, dass ich so etwas nicht in der Schule lesen musste.) Sie wurden in 23 Sprachen übersetzt. Der gebürtige Frankfurter starb im Januar 2013 in Berlin. Worum geht es? In einem Bordell im Frankfurter Bahnhofsviertel wird ein Türke ermordet. Die Polizei scheint das nur wenig zu interessieren. Daher beauftragt die Witwe Privatdetektiv Kemal Kayankaya mit der Aufklärung des Mordes. Der handelt …

Mein Kalender/Notizbuch-System von X17

Nach dem für mich passenden Kalender/Notizbuch-System habe ich lange gesucht und nicht nur die Erkenntnis gewonnen, dass ich für ein Bullet Journal zu unkreativ und faul bin. Mit X17 habe ich nun das passende Notizsystem gefunden. Meine Suche nach dem passenden Kalender/Notizbuch-System Nach dem für passenden Kalender/Notizbuch-System habe ich lange gesucht und etliche Varianten ausprobiert. Dabei habe ich zu meiner eigenen Überraschung feststellen müssen, dass digitale Versionen so gar nichts für mich ist. Ich dachte immer, besonders internetaffin zu sein; aber wenn es um Termine und Notizen geht, muss ich einfach ganz Oldschool von Hand auf Papier schreiben. So kann ich besser strukturieren und sortieren, ohne mich einem von außen vorgegebenen System unterwerfen zu müssen. Eine Zeit lang habe ich diesen Moleskin Kalender/Notizbuch genutzt und an sich gute Erfahrungen damit gemacht. Dann aber kam zuerst mein Blog und danach mein Engagement in der SPD dazu und plötzlich trug ich zwei, zeitweise sogar drei Notizbücher – zusätzlich zum Kalender – mit mir herum. Das nervte, weil die Handtasche eigentlich immer voll war und mir trotzdem häufig das …

Rezension #142: „Das Unglück anderer Leute“ von Nele Pollatschek

Es ist ein weit verbreitetes Phänomen, dass trotz aller guter Absichten und freudiger Erwartungen aus der vermeintlich besinnlichen Zeit des Jahres plötzlich ein handfester Familienstreit wird. Wenn man gleich mehrere Tage hintereinander mit den lieben Verwandten verbringt, werden aus kleinen Macken schnell ausgewachsene Probleme und man fragt sich „Wieso sind in meiner Familie eigentlich alle bekloppt?“ Wem über die Weihnachtsfeiertage genau diese Gedanken kamen, empfehle ich Das Unglück anderer Leute von Nele Pollatschek, nach dessen Lektüre – das garantiere ich – einem die eigene Familie plötzlich als die normalste der Welt vorkommt. Worum geht es? Thene ist Mitte 20, studiert in Oxford Literatur und verbringt die Semesterferien am liebsten bei ihrem Freund in Heidelberg, von wo aus sie gemeinsam in den Odenwald fahren, um den Tag auf Klappstühlen auf einer Waldlichtung zu verbringen. In dieser friedlichen Idylle gelingt es Thene, den nötigen Abstand von ihrer anstrengenden Patchwork-Familie zu finden. Nun aber steht die Abschlussfeier in Oxford an und natürlich sind ihre manipulative Mutter Astrid, die über ihren unermüdlichen Versuchen, die Welt zu retten, gerne die …

Rezension #141: „Das Paket“ von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek ist derzeit wohl der beliebteste deutsche Thriller-Autor. Für Das Paket gewann er gleich vier Mal den Leserpreis von Lovelybooks. Fitzek wurde zudem mit dem Europäischen Preis für Kriminalliteratur ausgezeichnet. Bereits seit 2006 veröffentlicht er jährlich mindestens einen neuen Roman und landet damit in schöner Regelmäßigkeit auf der Spiegel Bestsellerliste. Natürlich ist auch Das Paket dabei keine Ausnahme. Wenn man sich den Aufwand anschaut, den Verlag und Autor darum machten, ist dies sicher auch kein Wunder. Allein die Aufmachung des Buchs ist sehr gelungen und originell. Sie erinnert tatsächlich an ein Paket. Auf dem „Adressaufkleber“ sind auf dem Romantitel und Autor zu finden. Zudem wurde Fitzeks 10. Buch-Jubiläum entsprechend groß angekündigt und von einigen Veranstaltungen begleitet. Das sorgte für zusätzliche Aufmerksamkeit. Leider konnte der Inhalt von Das Paket dann aber doch nicht halten, was die Präsentation versprach. Fitzek erzählt darin die Geschichte von Psychologin Emma, die durch eine Vergewaltigung, bei der ihr anschließend der Kopf rasiert wird, nicht mehr das Haus verlässt. Als der Postbote sie bittet, das Paket für einen ihr unbekannten Nachbarn …

Rezension #140: „Die Spionin“ von Paulo Coelho

Paulo Coelho ist ein Autor, von dem ich bis vor kurzem noch nichts gelesen hatte, obwohl ich es mir immer wieder vorgenommen habe. Mit seinem kürzlich erschienenen Roman Die Spionin über das Leben von Mata Hari hat er nun genau meine Lesevorliebe getroffen. Und dank Vorablesen und dem Diogenes Verlag durfte ich das Buch sogar bereits vor dem offiziellen Erscheinungstermin lesen. So begleitete es mich in der letzten Woche nach Hong Kong. Warum ich Die Spionin dann in einem Rutsch durchgelesen habe und so angetan davon bin, verrate ich Euch in diesem Beitrag. Worum geht es? Paulo Coelho verleiht in Die Spionin Mata Hari eine eigene Stimme. In einem (fiktiven) Brief, den sie kurz vor ihrer Hinrichtung aus dem Gefängnis an ihren Anwalt schreibt, lässt er Mata Hari ihr Leben noch einmal revuepassieren: ihre unglückliche Ehe in Niederländisch-Ostindien, ihre Erfolge als exotische Tänzerin und wie es in den Wirren des Ersten Weltkriegs zur Anklage wegen Spionage und als Doppelagentin kam. Wie fand ich … … den Einstieg? In einem Prolog stellt Paulo Coelho dem eigentlichen …