Frauenleserin, Rezension
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„Emma“ von Jane Austen

Schon in meinem Leserückblick auf das erste Quartal 2020 habe ich kurz von „Emma“ von Jane Austen berichtet. Nicht nur die Geschichte sondern auch die schöne Marjolein Bastin Schmuckausgabe des Coppenrath Verlags haben es mir angetan.

Die 21jährige Emma lebt mit ihrem Vater auf einem Landsitz in der Nähe von London. Die Familie gehört einem alten Landadel an und wird im Ort noch immer hoch geschätzt. Obwohl Emma sich selbst vorgenommen hat, nie zu heiraten, hat sie sich das Ehestiften zur Aufgabe gemacht. Sie meint dafür ein besonderes Talent zu haben, nachdem sie ihre ehemalige Erzieherin erfolgreich mit einem verwitweten Kaufmann am Ort verkuppelt. Von einem guten Freund der Familie wird ihr Anteil zwar stark bezweifelt, dennoch sucht sich Emma nur kurze Zeit später ein neues „Projekt“. Ihr „Opfer“ ist eine etwa gleichaltrige Waise aus dem örtlichen Mädchenpensionat, der sie einredet, nach besserem zu streben und sich nicht mit dem wohlhabenden Bauern, der sie umwirbt, zufrieden zu geben. Natürlich geht dies jedoch gründlich schief und mit jedem weiteren Versuch um Schadensbegrenzung stiftet Emma nur noch größere Unruhe. So richtig perfekt wird das Chaos aber erst, als Emma bemerkt, dass sie scheinbar selbst einen Verehrer hat.

Jane Austen zeigt in „Emma“ ihren feinen Sinn für Humor und ihren bissig, satirischen Unterton.

Wer meinem Blog oder meinen Social Media Kanälen länger folgt, weiß, dass ich kein Fan von romantischen Komödien bin. Diese Schlüsselworte lösen bei mir eher ein reflexhaftes Fluchtverhalten aus. Jane Austens „Emma“ habe ich aber sehr gerne und mit großem Genuss gelesen. Das liegt hauptsächlich an ihrem feinen Sinn für Humor und ihrem bissigen, sarkastischen Unterton. Ein nettes Detail ist beispielsweise, dass Emmas Vater, der innerhalb der Geschichte eine Nebenrolle einnimmt, zur Hypochondrie neigt und ständig um sein eigenes Wohl aber auch um das aller anderen besorgt ist, eine geschwätzige ältere Dame, die kein Geheimnis für sich gehalten kann, und eine selbst ernannte Dame von Welt, die dem zurückgebliebenen Landadel um jeden Preis und notfalls auch gegen deren Willen in die Moderne verhelfen will. In ihnen zeigt sich nicht nur Jane Austens feine Beobachtungsgabe sondern auch ihre satirische Ader. Fast ist es manchmal ein bisschen gemein, wie sie mit diesen Charakteren umspringt, aber genau das machte den Roman für mich so unterhaltsam.

Auch Emma als Hauptfigur ist keine durchweg angenehme Person. Sie ist besserwisserisch, unbelehrbar und sehr von sich selbst überzeugt. Dass ich sie nicht besonders mochte, gab der Geschichte noch einmal einen besonderen Reiz. So empfand ich auch immer etwas Schadenfreude, wenn Emma wieder einmal mit einem ihrer gut gemeinten Versuche scheiterte. Allerdings muss man ihr auch zu Gute halten, dass sie aus ihren Erfahrungen lernt und im Laufe das Romans eine gewisse Entwicklung durchmacht. Wirkt sie zu Beginn noch sehr kindlich hat sie am Ende ihren Platz in der Gesellschaft – und selbstverständlich an der Seite eines Mannes – gefunden.

Besonders hilfreich fand ich die gezeichnete „Karte“ der wichtigsten Häuser.

Ein weiterer großer Pluspunkt war natürlich die tolle Schmuckausgabe aus dem Coppenrath Verlag. Die an sich sehr schönen Blumen- und Naturillustrationen von Marjolein Bastin sind mir zwar eine Spur zu kitschig und werden dem Charakter des Romans meines Erachtens nicht ganz gerecht. Toll gemacht sind aber die vielen kleinen Beilagen. Sie sorgen nicht nur für ein besonderes Leseerlebnis- beispielsweise wenn einer Seite, auf der ein Dinner beschrieben wird, eine entsprechende Rezeptkarte zu finden ist – sie trugen bei mir auch sehr zum leichteren Verständnis bei.

Besonders hilfreich fand ich eine Darstellung der wichtigsten Häuser des Orts, in dem „Emma“ spielt. Wie für die Zeit üblich haben die einzelnen Häuser der besseren Gesellschaft eigene Namen, die nicht mit den Nachnamen der dort wohnenden Familien übereinstimmen. Die Herren des Hauses werden meist mit Nachnamen angesprochen. Ist die gesamte (Groß-)Familie gemeint, spricht man in der Regel vom entsprechend Haus, in dem diese wohnt. Gerade zu Beginn des Romans, wenn die ganzen Figuren noch „neu“ sind fällt es mir schwer Nachnamen und Hausnamen zusammenzubringen. (Das betrifft nicht nur „Emma“ sondern leider viele Romane aus dieser Zeit.) So verliere ich schnell den Überblick, wer nun zu wem gehört, und muss zurückblättern um die Paarung und Zusammenhänge wieder zu entwirren. Dank der „Karte“ der wichtigsten Häuser des Romans war der Einstieg in den Roman deutlich wenig zäh und mühsam. Ich fand deutlich schneller in die Geschichte, als bei anderen Jane Austen Romanen, ohne eine solche Hilfe.

♥♥♥♥ Buchtipp

Vollkommen zu Recht ist „Emma“ von Jane Austen ein Literaturklassiker. Der Roman hat deutlich mir zu bieten, als die meisten Hollywood-Verfilmungen daraus gemacht haben. Vordergründig mag Jane Austens Welt der Teegesellschaften und des Lustwandeln für heutige Leser sehr kitschig erscheinen. Dahinter zeigt sich jedoch ein bissiger, satirischer Humor, mit dem Jane Austen mit der eigenen „besseren“ Gesellschaftsschicht abrechnet, für die sich nicht allzu viel übrig zu haben scheint. In Kombination mit den vielen Verwicklungen und Verwechslungen und der schönen Gestaltung des Coppenrath Verlags wird „Emma“ ein unterhaltsames Leseerlebnis, bei dem ich mich gut amüsiert habe.

Emma • Jane Austen (Marjonlein Bastin) • Coppenrath Verlag • Hardcover • 416 Seiten • ISBN: 978-3-649-63477-5 • 34,00 €

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