Frauenzählerin
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Halbjahreslesebilanz 2020

Eine alte Blogger:innen-Weisheit besagt: „Solange es noch Juli ist, kann man auch noch Halbjahresrückblicke schreiben.“ Ich hatte also Glück, denn genau darauf habe ich jetzt so richtig Lust.

Statistik

Das Lesehalbjahr 2020 verlief bisher vollkommen anders, als ich es erwartet hatte. Zu Beginn des Jahres hatte ich mir für 2020 ein Ziel von 50 Büchern und 12 Hörbüchern gesetzt. Tatsächlich habe ich im ersten Halbjahr 20 Bücher gelesen und 18 Hörbücher gehört. Damit habe ich mein Hörbuchziel schon jetzt deutlich übertroffen; hinke bei den Büchern dafür aber etwas hinterher.

Auch hier zeigen sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Als Beamtin hatte ich zwar weder Homeoffice noch Kurzarbeit. In der Zeit von Ende März bis Juni bin ich aber von der Bahn auf das Auto umgestiegen. Damit fehlte mir meine tägliche Lesezeit. Dafür habe ich während der Autofahrten jede Menge Hörbücher gehört.

Dass ich zufällig kurz vorher meinen Büchereiausweis erneuern ließ, kam mir dabei sehr entgegen. So konnte ich das große Angebot der Onleihe nutzen.

Meine Frauenquote kann sich bisher sehen lassen. Nur 5 Bücher und 3 Hörbücher von Autoren waren dabei. Das macht eine Frauenquote von rund 80%.

Lesehighlight

In besonders guter Erinnerung blieb mir „Emma“ von Jane Austen. Schon allein die toll gestaltete Schmuckausgabe des Coppenrath Verlags ist ein Highlight. Und auch die Geschichte selbst hat einen hohen Unterhaltungswert. Sie lebt nicht nur von den vielen amourösen Verwechslungen. Jane Austen schreibt auch mit einer ordentlichen Portion Sarkusmus. Meine Rezension findest du >>hier<<.

Autorinnen-Entdeckung

Außerdem habe ich die „Das Leben des Vernon Subutex“-Reihe von Virginie Despentes gerne gelesen. Die Bücher handeln von dem ehemaligen Schallplattenhändler Vernon Subutex. Nachdem er seinen Laden aufgeben musste, verliert er zuerst seine Freundin und dann seine Wohnung. Danach kommt er jeweils für ein paar Nächte auf den Sofas verschiedener Freunde und Bekannte unter (Teil 1). Schließlich landet er auf der Straße (Teil 2), bis er als eine Art Guru entdeckt wird (Teil 3). Dabei besitzt er von Anfang an den Schlüssel zum Erfolg: einige Videoaufzeichnungen seines besten Freundes, des Popsängers Alex Bleach. Das ganze ist ein wilder, ungewöhnlicher Ritt auf der Popkulturwelle durch alle gesellschaftlichen Schichten. Es geht um Obdachlosigkeit, Prostitution und Drogensucht. Aber auch Freundschaft, Macht, Geld und verschiedene Beziehungsmodelle. Ebenso bunt und vielfältig wie die Themen sind auch die Figuren und Erzählstränge, die Virginie Despentes entwirft. Dass es ihr über drei Bände gelingt, das alles zu einer ebenso unterhaltsamen wie intelligenten Story zu verweben und dabei auch noch ein sehr rasantes Erzähltempo beizubehalten, hat mir sehr imponiert. Es werden nicht meine letzten Bücher von Virginie Despentes gewesen sein.

Biografie

Die Biografien habe ich etwas vernachlässigt, muss ich gestehen. Da habe ich gerade einmal zwei Stück gelesen. Und beide waren auch keine große Offenbarung.

Ich bin zwar Heidi Hetzer-Fangirl und habe ihre Weltfahrt im Oldtimer gerne verfolgt. Ihr Buch „Umgebremst leben“ ist aber nur ein schwacher Abklatsch der mehrteiligen Reportage und bot mir nur wenig neues. Meine Rezension gibt es >>hier<<.

 

Und von „Die Diva“ von Michelle Marly war schlicht enttäuscht. Das konnte meine Erwartungen gar nicht erfüllen. Mehr dazu gibt es >>hier<< nachzulesen.

Ausblick

Das zweite Halbjahr verspricht in diesem Punkt besser zu werden. Am 5. August erscheint „Die Dirigentin“ von Maria Peters im Atlantik Verlag. Darin geht es um Antonia Brito, eine der ersten Dirigentinnen, die ihren Durchbruch mit einem Orchester, das nur aus Frauen bestand, feiern konnte.

Zu Beginn des zweiten Halbjahres steht aber – mittlerweile ja fast schon traditionell – das Dicke-Bücher-Camp an. Aktuell lese ich endlich „Vom Wind verweht“ von Margaret Mitchell in der Neuübersetzung von Andreas Nohl und List Himmelheber. Die eBook-Ausgabe hat 1306 Seiten, von denen mir noch 150 Seiten fehlen. Ich bin mehr als angetan. Ich hatte ja eine ziemliche Schnulze erwartet und war daher positiv überrascht, dass deutlich mehr als Herzschmerz zu bieten hat. Tatsächlich habe ich schon eine ganze Menge über den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und die ersten Nachkriegsjahre sowie die damalige Gesellschaftsordnung im Süden der USA gelernt. Außerdem haben die Dialoge zwischen Scarlett und Rhett immer so einen schönen boshaft sarkastischen Unterton. In irgendeiner Form werde ich das Buch auch noch besprechen. Ich weiß nur noch nicht so genau, wie die aussehen wird.

 

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