Alle Artikel in: Frauenbloggerin

Kolumnen, Biografien, Meinungen

„Flügel in Flammen“ von Dagny Juel

Es kommt sehr selten vor, dass ich mich an einen Lyrikband wage. Für „Flügel in Flammen“ habe ich jetzt aber eine ganz seltene Ausnahme gemacht. Allerdings muss ich zugeben, dass es hauptsächlich die Frau dahinter war, der der Übersetzer Lars Brandt im zweiten Teil des Buchs in einem Essay näher zu kommen versucht, die mich dazu bewog. In Deutschland ist die norwegische Schriftstellerin Dagny Juel weitestgehend unbekannt. Das erstaunt nicht nur deshalb, weil sie den Großteil ihres Werks in Deutschland verfasste, sondern auch weil sie eine sehr schillernde Persönlichkeit war, die großen Künstlern wie Edward Munch den Kopf verdrehte. Sie war zugleich die Muse und eine zentrale Person der Berliner Boheme. Um Dagny Juel ranken sich viele Legenden und Mythen. Dies mag auch mit ihrem Tod zu tun haben, denn Juel wurde 1901 mit nur 34 Jahren von einem Anhänger ihres Mannes, einem polnischen Dichter und Satanisten, ermordet. Mit Hilfe ihres Werks, dass im ersten Teil von „Flügel in Flammen“ erstmals komplett in deutscher Sprache veröffentlicht ist, begibt sich Lars Brandt dennoch auf die Suche …

Brauchen wir den Frauentag wirklich als gesetzlichen Feiertag?

Der heutige Weltfrauentag ist etwas besonders. Zum allerersten Mal ist er auch in einem deutschen Bundesland – nämlich Berlin – gesetzlicher Feiertag. Und das ausgerechnet in dem Jahr, in dem wir in Deutschland 100 Jahre Frauenwahlrecht feiern. Endlich am Ziel! Also herrscht künftig am 8. März allgemeine Partystimmung und es regnet rote Rosen für alle Frauen?! Schon gegen die Tradition, Frauen am 8. März eine Rose (alternativ auch eine Nelke) zu schenken, habe ich eine regelrechte Allergie entwickelt. Auf mich wirkt diese Geste überhaupt nicht respektvoll, wie sie wohl eigentlich gemeint ist,  sondern beschwichtigend, fast schon herablassend. Ich kann mir einfach nicht helfen. Mir kommt dabei immer ein Kind in den Sinn, dem man einen Keks in die Hand drückt, damit sich „die Großen“ noch etwas weiter ungestört unterhalten können. Die Einführung eines gesetzlichen Feiertags potenziert diese Wirkung um ein Vielfaches. Dabei war das ursprüngliche Ziel des Frauentags ein ganz anderes. Es sollte ein Tag sein, an dem Frauen laut sind, auf die Straße gehen und für ihre Rechte kämpfen. Ein Frauenkampftag. Als solcher wurde …

Elisabeth Selbert – Mutter des Grundgesetzes

Während meines Besuchs der Ausstellung „Damenwahl“ im Historischen Museum in Frankfurt (Main) hatte ich auch Gelegenheit, Susanne Selbert kennenzulernen. Die SPD-Politikerin erzählte von ihrer berühmten Großmutter Elisabeth Selbert, die – zusammen mit drei weiteren Frauen – als „Mutter des Grundgesetzes“ gilt. Durch ihren Vortrag konnte ich einige spannende Details über Elisabeth Selberts Lebensweg erfahren. Den Titel „Mutter des Grundgesetzes“ bekam Elisabeth Selbert, weil sie eine der vier Frauen war, die zusammen mit 61 (!) Männern 1948 Mitglied des Parlamentarischen Rates war. Dieser erstellte des Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, das – wenn auch wiederholt aktualisiert – noch heute gilt. Besondere Anerkennung findet vor allem ihr Einsatz für die Aufnahme der Gleichberechtigung von Mann und Frau in den Grundrechteteil des Grundgesetzes. Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Artikel 3 des Grundgesetzes Ursprünglich sollte dieser Artikel lauten: „Männer und Frauen haben die gleichen staatsbürgerrechtlichen Rechte und Pflichten.“ Elisabeth Selbert ging diese Formulierung aber nicht weit genug. Zwar hätte sie den Frauen das (aktive und passive) Wahlrecht gesichert, sich aber nicht auf den Bereich des Familienrechts ausgewirkt. In zähen Verhandlungen …

„Großmama packt aus“ von Irene Dische

„Großmama packt aus“ ist eine tragische deutsch-jüdische Familiengeschichte des 20. Jahrhunderts, über die man sich herrlich amüsieren kann. Inhaltlich bietet der Roman nur wenig neues; gleichzeitig ist er aber doch erfrischend originell. In ihrem sehr persönlichen Roman gelingt es Irene Dische scheinbar unvereinbare Gegensätze auf sehr unterhaltsame Weise nicht einander zu verbinden. Über drei Frauengenerationen erzählt Irene Dische in „Großmama packt aus“ die eigene Familiengeschichte. Sie schildert die Ehe ihre Großmutter mit einem deutschen Juden und die daraus entstehenden Schwierigkeiten in Nazideutschland, die Flucht der jungen Familie in die USA und die anschließenden Anstrengungen, um dort Fuß zufassen. Dem Weg der Familie folgt sie schließlich weiter über die nachfolgenden beiden Frauengenerationen bis in die heutige Zeit. So entsteht im Kleinen gleichzeitig ein Porträt des 20. Jahrhunderts. Wie fand ich … … den Einstieg? Selten konnte mich ein Buch bereits mit dem allerersten Satz so sehr für sich einnehmen wie „Großmama packt aus“. Dass meine Enkeltochter so schwierig ist, hängt vor allem mit Carls geringer Spermadichte zusammen. 1. Satz aus „Großmama packt aus“ von Irene Dische …

„Rebellinnen. Hannah Arendt, Rosa Luxemburg und Simone Weil“ von Simone Frieling

Anfang des kommenden Jahres gibt es gleich zwei Mal Anlass, sich an große deutsche Sozialrevolutionärinnen zu erinnern: eine davon ist Rosa Luxemburg, die am 15. Januar 1919 ermordet wurde. Die andere ist Simone Weil, die am 3. Februar 110 Jahre alt geworden wäre. Ihnen und Hannah Arendt widmet die Künstlerin und Schriftstellerin Simone Frieling ihr neues Buch. Hannah Arendt, Simone Weil und Rosa Luxemburg beschäftigten sich mit den großen politischen Fragen ihrer Zeit, in der so viele Weichen für unsere heutige Gesellschaft und Demokratie gelegt wurden. In drei aufschlussreichen Porträts verwebt die Künstlerin und Schriftstellerin Simone Frieling ihre Leben und Werke auf sehr geschickte Weise zu einem stimmigen Gesamtbild und verhilft so zu einem besseren Zugang zu diesen faszinierenden Frauen. Wie fand ich … … die Auswahl der porträtierten Frauen? Mit Rosa Luxemburg, Hannah Arendt und Simone Weil stellt Simone Frieling drei große Denkerinnen des 20. Jahrhunderts vor. Die kompromisslose Radikalität, mit der sie für ihre Überzeugungen einstanden, faszinieren und inspirieren auch fast 100 Jahre nach ihrem Wirken. Dass sie sich damit nicht (nur) der …

„Damenwahl“ im Historischen Museum im Frankfurt (Main)

In diesem Monat gibt es Grund zum Feiern: Das Frauenwahlrecht in Deutschland wird 100 Jahre! Bis dahin war es ein langer Weg. Im Historischen Museum in Frankfurt (Main) kann man ihn derzeit nachgehen. Mit dem Arbeitskreis „Sozialdemokratische Frauen Hessen Süd“ hatte ich vor zwei Wochen die Gelegenheit, von der Kuratorin Dorothee Linnemann durch die Sonderausstellung „Damenwahl“ geführt zu werden. Ich gebe zu, dass ich nicht viel Zeit in Museen verbringe. Allerhöchstens im Urlaub kann ich mich zu einem Besuch überwinden. Und auch das nur an einem regnerischen Tag, an dem man sonst ohnehin nicht viel unternehmen kann. Als ich aber von der Sonderausstellung „Damenwahl“ erfuhr, war ich sofort begeistert. Nur selten widmen sich Museen der weiblichen Perspektive auf die Geschichte. Und tatsächlich fand ich den Besuch der Sonderausstellung sehr inspirierenden. In fünf Bereichen wird die / der Besucher_in präsentiert das Historische Museum Frankfurt den Weg zum Frauenwahlrecht in Deutschland. Angefangen vom Kaiserreich bis hin zur Geburtsstunde unseres heutigen Grundgesetzes zeigt es die wichtigsten Stationen und deren bedeutendsten Mitstreiterinnen. Jedem Bereich sind drei Frauen mit je einem Ausspruch …

Warum eine Gleichberechtigung der Frau nicht genug ist

Als ich am Wochenende von der Führung durch die Ausstellung „Damenwahl – 100 Jahre Frauenwahlrecht“ twitterte, erhielt ich den Kommentar, dass die Gleichberechtigung heute bis auf das Gehalt doch erreicht sei. Ich sehe das anders und je älter ich werde, umso deutlicher wird es für mich. (Wow, wie altersweise das klingt. So alt komme ich mir eigentlich gar nicht vor.) Da ist z. B. die Erwartungshaltung in Bezug auf Ehe und Familienplanung. Zuerst fragte man mich, wann ich heiraten wolle. Als ich mich dann doch dazu entschied, wurde ich gefragt, warum ich es nicht in weiß und mit rauschendem Fest tue. (Auch dass wir uns zunächst gegen Ringe entschieden, war für einige ein Problem.) Interessanter Weise war einige gleichzeitig enttäuscht, dass ich meinen Nachnamen ablegte. Und jetzt werde ich ständig gefragt, wann ich denn ein Kind plane. Schön, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine dastehe: „Auf allen drei Schlachtfeldern, der Körperebene, der Familienplanung und der Sexualität, gilt: Macht euch klar, was ihr wollt. Und was andere gegen eure Freiheit haben könnten. Und dann reißt …

Neulich im Zug: menspreading par excellence

Wenn man wie ich jeden Tag mehr als 2 Stunden mit dem Zug unterwegs ist, erlebt man eine ganze Menge. Zu meinen „Lieblingen“ gehören Mitreisende, die mehr als einen Sitzplatz in Anspruch nehmen und vollkommen ignorieren, dass sie nicht alleine im Zug sitzen. In dieser Woche hatte ich  einen besonders hartnäckigen Fall. Üblicher Weise mache ich mich in solchen Fällen ganz bewusst auch etwas breiter. Die meisten verstehen den nonverbalen Hinweis auch und Schränken sich etwas mehr ein. Bei diesem Beispiel war das aber vergebens. Dieses Exemplar war für subtile Hinweise leider gar nicht empfänglich. Und für große Diskussionen war es mir zu früh. Im Nachhinein ärgere ich mich aber über mich selbst, dass ich die Szene – eigentlich waren es ja sogar zwei – unkommentiert stehen ließ. Mein Erlebnis (eines von vielen dieser Art) An diesem Morgen erwische ich ein Abteil für sechs Personen, in dem bereits 3 Männer sitzen. Genau in der Mitte einer einer der beiden Dreier-Sitzgruppen sitzt ein Typ nicht nur breitbeinig da; er hat die Füße auch soweit im Raum, dass …