Frauenleserin, Rezension
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„Alles, was geschieht, hat einen Grund“ von Arantza Portabales

Zugegeben: der Titel ist schrecklich. Aber lass dich davon bitte nicht abschrecken! Du würdest nämlich echt etwas verpassen. „Alles, was geschieht, hat seinen Grund“ habe ich im Urlaub quasi inhaliert. Und das obwohl wir eigentlich die Zimmertüren neu streichen wollten. Das musste der Mann dann aber alleine erledigen. (Ich habe noch immer ein schlechtes Gewissen.)</p class=“intro“>

Was mich so in den Bann zogen war vor allem der ungewöhnliche Erzählstil. Aber vielleicht fange ich besser vor an, also mit dem Inhalt.

„Alles, was geschieht, hat seinen Grund“ spielt in Madrid und handelt von vier Frauen, die alle auf sehr unterschiedliche Art und Weise gezwungen werden, ihr Leben zu überdenken und neu zu sortieren. Carmela erfährt, dass sie an einer unheilbaren Krankheit leidet und nicht mehr lange zu leben hat. Sara zweifelt an ihrer geplanten Hochzeit. Marina wird von ihrem Mann verlassen. Und Viviana trägt ein dunkles und belastendes Familiengeheimnis mit sich herum. Sie wollen zwar mit jemandem darüber reden, haben aber gleichzeitig nicht den Mut, mit jemandem persönlich darüber zu reden. Deshalb sprechen Sie ihre Gedanken auf Anrufbeantworter bzw. Mailboxen.

Am Anfang laufen die Geschichten, die sie auf diese Weise erzählen, noch unzusammenhängend nebeneinander her. Mit der Zeit jedoch entdeckt man als Leserin zunächst nur zarte Berührungspunkte zwischen den Leben der vier Frauen. Nach und nach verweben sich diese losen Fäden zu einem immer dichteren Netz.

Dem Roman merkt man deutlich die literarische Herkunft von Arantza Portabales an. Zum ersten Mal auf sich aufmerksam machte sie sich nämlich mit sogenannter flash fiction. Wie ich dank Wikipedia erfuhr, handelt es sich hierbei um extrem kurze Geschichten, die in der Regel aus weniger als 2.000 Wörtern bestehen. (Zum Vergleich: die klassische Kurzgeschichte hat im Schnitt zwischen 2.000 und 20.000 Wörter.)

Auch die einzelnen Nachrichten der vier Frauen sind in der Regel nicht länger als 1,5 Seiten. (Die Wortanzahl habe ich nicht gezählt; sie dürfte sich wohl aber im Bereich einer flash fiction bewegen.) Was Portabales aber alles dort hineinpackt, ist sehr beeindruckend. Jede Mitteilung ist gleichzeitig eine eigene kleine Geschichte und vermittelt doch jedes Mal auch ein weiteres Puzzlestück für ein größeres Ganzes. So entrollen sich nach und nach die vollständigen Geschichten der einzelnen Frauen und verweben sich gleichzeitig mit einen anderer an unterschiedlichen Wegstellen.

Ich hatte meinen Spaß daran, genau diese feinen Schnittstellen zu entdecken und gleichzeitig dem jeweiligen Geheimnis der einzelnen Frauen auf die Spur zu kommen.

Die Sprache, die Portabales verwendet, ist sehr filigran, ja fast schon poetisch. Jedes Wort wirkt sorgfältig ausgewählt und gesetzt. Trotzdem wirken die einzelnen Nachrichten ungekünstelt und authentisch. Es sind Wort, die tatsächlich genauso gesprochen worden sein könnten. So lässt sich der Roman unangestrengt lesen und hinterlässt doch dieses ganz besondere Gefühl sprachlicher Schönheit.

Kontrastiert wird dies durch den Inhalt. Denn die Lebensgeschichten aller vier Frauen haben eine sehr ernste und in einigen Fällen dramatische Komponenten mit schweren Schicksals Schlägen.

Dieser Kontrast hatte für mich einen ganz besonderen Reiz.

Ich habe „Alles, was geschieht, hat seinen Grund“ von Arantza Portabales sehr gern gelesen. Es ist ein Buch, dass zügig lesen lässt – ja, dass man zügig lesen muss. Einmal begonnen zieht einen Geschichte schnell in seinen Bann und man möchte unbedingt alle Hintergründe und Geheimnisse der vier Frauen aufdecken, die jedoch nur häppchenweise serviert werden. Hinzu kommt der außergewöhnliche Erzählstil und die faszinierende Sprache.

♥♥♥♥ Buchtipp

Alles, was geschieht, hat seinen Grund ♦Arantza Portabales (Michaela Meßner) ♦ btb Verlag ♦ ISBN: 978-3-442-71788-0 ♦ 288 Seiten ♦ Taschenbuch ♦ 10,- € ♦ Leseprobe: >>klick<<

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