4 Herzchen, Biografie, Rezension, starke Frauen
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Rezension #144: „Mit Vivienne Westwood an der Nähmaschine. Revolution auf dem Laufsteg“ von Gernot Uhl

Gernot Uhls Biografienblog „Eulengezwitscher“ ist schon seit langem ein von mir gerne und oft besuchter Blog. Wir teilen die Liebe zu außergewöhnlichen Lebensläufe. Daher war ich sofort begeistert, als ich erfuhr, dass mit der „Bibliothek der Wagemutigen“ ein paar von Gernot Uhls Texten nun als E-Book erscheinen. In seiner E-Book-Reihe erzählt Gernot Uhl von Menschen, die Geschichte machten, indem sie ihren inneren Überzeugungen folgten und so nicht selten auch einmal unbequem oder unverstanden waren. Mich faszinieren solche Lebensgeschichten, weil sie dazu inspirieren, weniger auf andere zu schauen. Vor allem außergewöhnliche weibliche Lebensentwürfe finde ich spannend. Daher habe mich als erste E-Book von Gernot Uhls „Bibliothek des Wagemutigen“ die Biografie über Vivienne Westwood vorgenommen.

Gernot Uhl ♦ Mit Vivienne Westwood an der Nähmaschine. Revolution auf dem Laufsteg ♦ hockebooks: e-book first ♦ ePub ♦ 67 Seiten ♦ EAN: 9783957512192 ♦ 2,99 €

„Mit Vivienne Westwood an der Nähmaschine“ ist eine spannend und flüssig zu lesende Biografie über die Erfinderin des Punk-Looks. Obwohl das E-Book in einem für Biografien typischen eher nüchternen Sachbuchton geschrieben ist, überzeugten mich vor allem Gernot Uhls Beschreibungen der von Vivienne Westwood entworfenen Outfits. Diese sind so präzise und detailliert wiedergegeben, dass ich ein deutliches Bild davon vor Augen hatte, obwohl ich zuvor vermutlich keine von Westwoods Kreationen erkannt hätte.

Schön fand ich auch, dass Gernot Uhl in „Mit Vivienne Westwood an der Nähmaschine“ in einer Art Prolog ihren eigentlichen Durchbruch vorweg nimmt, um anschließend den Weg dorthin nachzuzeichnen. Gerade bei bekannten Persönlichkeiten, deren größte Momente die Leserin bzw. der Leser ohnehin bereits kennt, bevor sie oder er das E-Book liest, halte ich das nicht nur für erlaubt. Es ist auch eine einfache und wirkungsvolle Methode, um der Leserin bzw. dem Leser in Gedächtnis zu rufen, wofür dieser Mensch berühmt wurde und was der Autor so reizvoll an dieser Persönlichkeit findet. Anschließend können Leserin bzw. Leser und Autor dann gemeinsam auf die Suche danach machen, was diesen Menschen bis zu diesem Moment prägte und sie oder ihn zu dem machte, wofür sie oder er später stand. So entsteht auch bei an sich bereits bekannten Lebensläufen noch eine Art Spannungsbogen, der die Lektüre interessanter macht. Dieses Konzept ist Gernot Uhl in seiner Biografie über Vivienne Westwood bestens gelungen.

So zeigt Gernot Uhl seinen Leserinnen und Lesern im Folgenden die Personen, Ereignisse und Stilrichtungen aus Mode, Musik und bildender Kunst, die Vivienne Westwoods Stil und ihr Leben am meisten prägten. Diese

biografische Spurensuche

verläuft nicht immer streng chronologisch, was bei Gernot Uhls Konzept durchaus gewollt ist. Immer wieder werden Ereignisse vorgenommen oder in die Vergangenheit zurückgesprungen, um ein Lebensthema möglichst umfassend darzustellen, bevor ein weiterer Aspekt hinzugefügt wird. So vervollständigt sich das Bild von Vivienne Westwoods Leben allmählich aus verschiedenen Perspektiven. Ich fand diesen Ansatz sehr reizvoll und interessanter zu lesen als eine klassische Biografie, in der nur Jahreszahlen aneinandergereiht werden. Trotzdem war es nicht immer einfach, den genauen zeitlichen Bezug im Augen zu halten. Da war es hilfreich, dass sich das E-Book durch die geringe Seitenzahl an einem Nachmittag lesen ließ und keine Gedächtnislücken durch längere Lesepausen entstanden.

Auch der starke Frauen-Faktor konnte mich überzeugen.

Nach einer kurzen, durch die Eltern erzwungenen Ehe verabschiedet sich Vivienne Westwood schon früh von den bürgerlichen Idealen und führt ein unangepasstes Leben, indem es nicht selten wild und chaotisch zugeht. Die beiden großen Lieben ihres Lebens sind jüngere Männer. Einer davon ist sogar ihr Student, als die beiden sich kennen lernen. Vivienne Westwood schreckt das nicht ab. Ihr Umfeld aber nimmt Anstoß daran. Auch als Designerin liebt Vivienne Westwood die Provokation und bedruckt beispielsweise T-Shirts mit pornografischen Motiven. Auch sie selbst kleidet sich gerne freizügig, vor allem wenn sie in ihrem eigenen Laden steht. Die Mutterrolle hingegen liegt ihr so gar nicht. Ihre beiden Kinder gibt sie immer wieder auch für längere Zeiten bei den Großeltern ab. Auch diese weniger vorteilhaften Aspekte in Vivienne Westwoods Leben verschweigt Gernot Uhl nicht.

Anklicken und E-Book-Trailer ansehen.

Alles in allem

habe ich „Mit Vivienne Westwood an der Nähmaschine“ sehr gerne gelesen. Es war eine spannende Entdeckungsreise in die Welt der Mode und des Punks, bei der ich viel gelernt habe. Nicht nur über Vivienne Westwood sondern auch über die frühen Wurzeln des Punks. Gernot Uhls „Bibliothek der Wagemutigen“ werde ich auf jeden Fall im Auge behalten. Mit Sicherheit war das nicht die letzte seiner Biografie-E-Books, das ich gelesen habe.

Bewertung: ♥♥♥♥ E-Buchtipp!


In Gernot Uhls „Bibliothek der Wagemutigen“ sind bereits erschienen:

  • Mit Vivienne Westwood an der Nähmaschine Leseprobe
  • Mit Albert Schweizer im Dschungel Leseprobe
  • Mit Maria Montessori im Kinderhaus Leseprobe
  • Mit Reinhold Messner hoch hinaus Leseprobe
  • Mit Axel Springer in Berlin  Leseprobe

Demnächst erscheinen:

  • Mit Michael Ende am Schreibtisch
  • Mit Pablo Picasso an der Leinwand

Alle E-Books gibt es im ePub-Format und für den Kindle.

Mit Vivienne Westwood an der Nähmaschine

Mit Vivienne Westwood an der Nähmaschine
80.25

Einstieg

9/10

    Sprache

    7/10

      Aufbau

      7/10

        starke Frauen-Faktor

        9/10

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