Frauenleserin Rezension

„Lagune“ von Nnedi Okorafor

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Wow! Was man aus dem schon ziemlich abgedroschenen SciFi-Klassiker „Besuch von fremden Sternen“ mit etwas Kreativität doch nicht so alles machen. Nämlich zur Abwechslung mal keinen intergalaktischen Krieg und auch keine Bedrohung der Menschheit einschließlich heldenhafter Rettung der Erde – sondern einen fast schon poetischen Roman über soziale Ungerechtigkeit und religiösen Eifer voller afrikanischer Mythologie.

Geht nicht?

Geht doch! Nnedi Okorafor macht es in „Lagune“ eindrucksvoll vor.

Natürlich haben die fremden Wesen auch hier eine Botschaft an den Präsidenten. Und natürlich sind sie gekommen, um die Erde zu besiedeln. Aber dies – und das ist schon sehr selten in diesem Genre – scheint nicht in böser Absicht zu geschehen.

Klappentext zu „Lagune“ von Nnedi Okorafor

von Nigeria zu den Sternen…

Die Frage nach dem Besuchsgrund steht jedoch auch gar nicht so sehr im Vordergrund. „Lagune“ beschäftigt sich eher mit den unterschiedlichen Reaktionen der nigerianischen Bevölkerung. Und die ist nicht nur größtenteils getrieben vom üblichen Streben nach Macht und Geld. Auch der Glaube an Hexen und unterschiedliche Gottheiten spielt eine große Rolle. Und natürlich Angst; die Angst vor allem Fremden und (zunächst) Unbegreiflichem.

Durch den starken Bezug zur afrikanischen Mythologie und dem Hexenglauben bekommt der Roman eine leicht mystische Wirkung. Diese wird durch Nnedi Okorafors poetische Sprache verstärkt. Sie verzaubert die Geschichte zusätzlich durch die teils ungewöhnlichen Erzählperspektiven, in denen sie auch schonmal einem Fisch eine Stimme verleiht.

In „Lagune“ treffen viele unterschiedliche und teils scheinbar unvereinbare Dinge aufeinander. Und doch ergibt sich insgesamt ein absolut stimmiges Bild. Schon allein meine Faszination für diesen Kunstgriff machte es einigermaßen schwer, das Buch zur Seite zu legen. Hinzu kommen die Action und Spannung der Story selbst.

…und wieder zurück

Nicht nur in den Handlung der Romanfiguren wird immer wieder auf die verschiedensten Arten gezeigt, was eine große Vorstellungskraft bewirken kann – zum guten wie zum schlecht. Nnedi Okorafor demonstriert es ganz direkt an ihren Leserinnen, denn eine – wenn nicht sogar die – Schlüsselszene wird überhaupt beschrieben. Ein paar kleine, hier und da eingestreute Andeutungen reichen aus, um das Kopfkino einzuschalten. Und da es sich hierbei um den im wahrsten Sinne des Wortes fantastischen Moment des Buchs handelt, lässt es trotz aller Fantasy- und SciFi-Elemente realistisch wirken.

Am Ende gibt die Geschichte so nicht all ihre Geheimnisse preis. Aber gerade dass das ein oder andere unklar bleibt, lässt Raum für die eigene (ja, da ist sie schon wieder) Vorstellungskraft.

♥♥♥ lesenswert (mit Tendenz zum Buchtipp)

Lagune • Nnedi Okorafor • Cross Cult • Paperback • 411 Seiten • ISBN: 978-3-86425-873-2 • 18,- €

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