Buchliste, Frauenleserin
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Wir sollten alle viel mehr über Menstruation reden; immer mehr Bücher tun es bereits.

Im Mai habe ich mich, wenn auch nur sporadisch, an der #instafeminismus Challenge von Filmlöwin beteiligt. Ein Thema war Menstruation. In meinem Beitrag habe ich unter anderem auch erzählt, wie schlecht (bzw. nicht vorhanden) der Aufklärungsunterricht zum weiblichen Körper für mich war. Die Kommentare zeigten, dass ich mit dieser Erfahrung nicht allein bin. Es ist nicht nur schade, dass viele so wenig über das Thema Menstruation wissen, sondern auch dass es noch immer ein Tabuthema ist, über das offensichtlich nicht einmal Biologielehrer gerne sprechen.

Das Ergebnis ist, dass bestenfalls ein gefährliches Halbwissen besteht.

Das führt nicht nur zu lächerlichen Vorurteilen. Auch in Sachen Verhütung ist das Unwissen groß. Ich habe eine Bekannte, die jung ungewollt Mutter wurde, weil sie und ihr Partner den Termin des Eisprungs falsch berechneten. Mal ganz davon abgesehen, dass das sowieso keine sichere Verhütungsmethode ist, da Spermien einige Tage „überleben“, war den beiden nicht klar, dass der Eisprung nicht zwangsläufig 14 Tage nach der letzten Periode, ja nicht einmal in der Zyklusmitte liegen muss. Und dabei handelt es sich um zwei intelligente und gebildete Menschen. Trotzdem ist die Unwissenheit bei diesem Thema groß.

Und da kann man den beiden nicht einmal einen besonders großen Vorwurf machen. Noch immer ist das Thema Menstruation und alles was damit zutun hat, ein Tabu, über das man nicht redet. Jedenfalls nicht gern und wenn überhaupt dann nur sehr verschämt. Dabei ist es simple Biologie und für mehr als die Hälfte der Bevölkerung zumindest einige Jahrzehnte Alltag.

Der weibliche Zyklus wird genutzt, um Frauen in eine bestimmte Rolle zu drängen.

Sie als unberechenbar und zu emotional darzustellen, um für bestimmte Aufgaben in Frage zu kommen. Auch wenn menstruierende Personen heute während ihrer Monatsblutung nicht mehr als „unrein“ gelten, wird die Erklärung „Die hat wahrscheinlich nur ihre Tage.“ häufig genutzt, um Frauen als irrational abzutun und ihre unbequemen Aussagen und Verhaltensweisen Trost ignorieren zu können. In ihrem Essay „If men could menstruate“ beschreibt Gloria Steinem wie Menstruation zu einem „beneidenswerten Ereignis“ würde, über das offen und Stolz gesprochen wird, wenn es Männer an Stelle von Frauen wären, die menstruierten. Wie sich die Gesundheitsvorsorge und -forschung verändern würde. Steinems Essay hat Witz, der sich aus der zunächst scheinbaren Absurdität speist, die bei genauerer Überlegung so viel Wahrheit enthält.

 

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Ohne Schmerztabletten geht bei mir während meiner Menstruation nichts. Während meiner Schulzeit hab ich sogar regelmäßig den Unterricht deswegen verlassen. Der Frauenarzt meinte, mit der Pille werde es besser. Dem war aber nicht wirklich so. Mittlerweile kann ich damit umgehen. Krank melde ich mich deswegen nicht mehr. Auch weil man eh kein Verständnis dafür erwarten darf. In der letzten Woche wunderte sich mein Kollege, dass auf der Damentoilette regelmäßig die Mülleimer ausgetauscht werden. Ich hab ihm dann erklärt, dass in den Hygienebehältern ein Gel sei, damit es nicht riecht. Deswegen würde sie komplett ausgewechselt. Die Reaktion war sehr verhalten und leicht peinlich berührt. 🤷‍♀️ Aber es gehört eben einfach zur (weiblichen) Lebenswirklichkeit. Überhaupt finde ich es erschreckend, wie wenig die meisten – mich eingeschlossen – über den weiblichen Zyklus wissen. Der männliche Körper wurde bei uns in der Schule so ausführlich besprochen, dass für den „Rest“ keine Zeit mehr blieb. Ein Schelm ist, wer dem (männlichen) Lehrer Böses dabei unterstellt. 😇 Auch so ein Ding ist ja, dass Tampons und Co. als Luxusartikel gelten und höher besteuert werden. Ja, das Bluten muss man sich eben leisten können. Muss man nicht verstehen. Und frau erst recht nicht. #feminismusfetzt #instafeminismus @filmloewin

Ein Beitrag geteilt von Kerstin Herbert (@frauenleserin) am

Zum Glück sind in den letzten Jahren ein paar sehr interessante Bücher erschienen, die unverkrampft und modern illustriert wichtige Aufklärungsarbeit leisten. Auch wenn ich selbst noch keines gelesen habe, habe ich mittlerweile zumindest ein paar interessante Titel gesammelt, in die ich irgendwann einmal einen Blick werfen möchte.

„Viva la Vagina!“ aus dem S. Fischer Verlag steht wohl am längsten auf dieser Liste. Die beiden Autorinnen sind Ärztinnen, was mir schon einmal ein gutes Gefühl gibt. Zudem lässt schon das Inhaltsverzeichnis mit Kapitelüberschriften wie beispielsweise „PMS – potentielles Mordsyndrom“ vermuten, dass das Buch keine dröge Lektüre ist.

Ebenfalls von einer Frauenärztin stammt „Unverschämt: Alles über den fabelhaften weiblichen Körper“, das erst im März diesen Jahres erschienen ist. Auch hier wird unverkrampft Aufklärungsarbeit geleistet. Laut dem Rowohlt Verlag erfährt man darin, dass „unsere Hormone wie Hollywoodstars sind, die Brust ein Multitalent ist sowie alles über das It-Girl der Erotik: die Klitoris.“

In „Das Tage Buch“ werden nicht nur der weibliche Körper erklärt und Verhüttung- sowie Hygieneartikel vorgestellt. Es geht auch auf die Situation menstruierender Personen in anderen Kulturen und in der Vergangenheit ein. Die Autorin ist Journalistin und schreibt auf Spiegel Online eine Serie über die „neue Weiblichkeit“. Auch ihr Buch ist in einem lockeren Stil, der gleichermaßen humorvoll und informativ ist, geschrieben – so sagen es zumindest die Rezensionen, die ich dazu gefunden habe (z.B. auf der verlinkten Internetseite des Verlags).

Besonders schön gemacht finde ich „Ebbe & Blut“. Als eines der wenigen, die ich finden konnte, thematisiert es auch Schwangerschaftsabbrüche. Außerdem mag die Collagen, die das Buch (und das Thema) auflockern. Der Beschreibung des Verlags sowie einiger Rezensionen zu Folge liest es sich „wie ein Gespräch unter Freundinnen“, was eventuelle Berührungsängste abbauen dürfte.

Auch „Rot ist doch schön“ geht das Thema weniger wissenschaftlich aber nicht weniger informativ an. Das Buch ist in Tagebuch-Form gestaltet und beschäftigt sich neben den Fakten auch mit dem Gründen für die Tabuisierung des Themas. Und das alles auch noch hübsch illustriert.

Eine gänzlich anderen Ansatz hat „Das Rushing Woman Syndrom“. Es ist kein Buch über Menstruation im eigentlichen Sinn, sondern beschäftigt sich damit, welchen Einfluss Stress auf das Seelenleben und den Körper von Frauen haben. Und das sehr allumfassend. Der Einfluss auf Leber, Niere, Verdauung, Nervensystem und eben auch Eierstöcke und Sexualhormone werden erörtert und Lösungsansätze vorgestellt. Auch wenn sie sich dem Thema Menstruation nur auf knapp 40 von 270 Seiten widmet, gibt es Denkanstöße und zeigt, wie wichtig eine ganzheitliche Betrachtungsweise.

Wir sollten alle viel mehr über Menstruation reden. Diese Bücher tun es bereits.

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