Biografie Frauenbloggerin

Wie die Erfinderin der Undercover-Reportage zu einem eigenen Krater auf der Venus kam

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Heute vor genau 99 Jahren starb Nellie Bly, die am 5. Mai 1864 als Elizabeth Jane Cochran in Pennsylvania geboren wurde. Sie gilt nicht nur als Pionierin des investigativen Journalismus. Sie war auch die erste Frau, die ohne männliche Begleitung die Welt umrundete. Außerdem war sie Unternehmerin und Kriegsberichterstatterin im Ersten Weltkrieg.

Zum Journalismus kam Nellie Bly durch puren Zufall. Eigentlich hätte sie Lehrerin werden sollen. Zu jener Zeit war das einer der wenigen Berufe, mit dem ledige Frauen selbst ihren Lebensunterhalt verdienen konnten. Als sie aber auf eine frauenfeindliche Kolumne im Pittsburgh Dispatch mit einem sehr bissigen Leserinnenbrief antwortet, bot ihr der Herausgeber der Zeitung eine Stelle als Reporterin an. Sie nahm an und erhielt das Pseudonym Nellie Bly. Das war 1884.

In den folgenden drei Jahren schrieb sie eine Reihe Reportagen für die Zeitung, bevor sie in die Redaktion für „Frauenthemen“ befördert wurde. Nellie Blys Durchbruch kam schließlich nach ihrem Wechsel zu New York World im Jahr 1887. In ihrer ersten Reportage für die Zeitung berichtete sie über die Zustände im „Asyl für nervenkranke Frauen“ auf Blackwell`s Island. Um über die Behandlung und die Lebensumstände der dort lebenden Frauen berichten zu können, ließ sie sich selbst für 10 Tage einweisen. So entstand ihre bekannte Reportage „Ten days in a Mad-House“, die 2012 vom Aviva Verlag unter dem Titel „Zehn Tage im Irrenhaus. Undercover in der Psychiatrie“ neu herausgegeben wurde.

Ein Jahr später schickte die New York World Nellie Bly mit dem Auftrag, Jules Vernes „In 80 Tagen um die Welt“ nachzuahmen, auf Weltreise. Von New York reiste über England, Jules Vernes Wohnort Amiens, Italien, Ceylon, Hongkong, China, Japan und San Francisco zurück nach New York. Die mehr als 32.800 km legte sie in nur 72 Tagen, 6 Stunden, 11 Minuten und 14 Sekunden legte Nellie Bly mehr als 32.800 km zurück. Das war damals Weltrekord! Und dabei war sie auch noch die erste Frau, die eine solche Reise unbegleitet von einem Mann unternahm. Ihr Reisebericht „Around the world in 72 days“ ist mit der unglücklichen zweiten Titelzeile „Die schnellste Frau des 19. Jahrhunderts“ ebenfalls im Aviva Verlag erschienen.

Als ihr Ehemann im Jahr 1904 starb, gab Nellie Bly das Schreiben vorübergehend auf, um dessen Unternehmen weiterzuleiten. Später kehrte sie zum Journalismus zurück. Dabei blieb sie ihren feministischen Themen und ihrer emanzipatorischen Grundhaltung treu und berichtete unter anderem von einer Tagung zum Frauenwahlrecht und der östlichen Kriegsfront des Ersten Weltkriegs.

Ihr zu Ehren gibt es nicht nur einen kleinen Freizeitpark in Brooklyn, NY. 1993 wurde auch ein Venuskrater nach ihr benannt.

Ihre Biografie von Nicola Attiado aus dem Oral Füssli Verlag steht – leider noch immer ungelesen – auf meiner Leseliste, seit sie 2019 erschienen ist. Und auch „10 Tage im Irrenhaus“ möchte ich noch unbedingt lesen.

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