Frauenleserin, Rezension
Schreibe einen Kommentar

„Der Sprung“ von Simone Lappert

Während der Frankfurter Buchmesse hat mich Simone Lappert schwer beeindruckt. Während des Diogenes Talks trug sie den Beginn ihres Debüts „Der Sprung“ vor. Auswendig. Und mit einer glaublich tollen Stimmmelodie. Ich war schockverliebt! Schon vor der Buchmesse war mir der Roman des öfteren begegnet und immer war die Stimmen durchweg positiv. Außerdem kam „Der Sprung“ unter die Finalisten für den Schweizer Buchpreis. Deswegen hat es mach der Messe auch nicht lange gedauert, bis ich mir den Roman auf den E-Reader lud. Das Bücherregal war zwar voll und der Stapel an Messeneuheiten noch nicht abgearbeitet, aber was muss, das muss. Kurz: Meine Erwartungen waren riesig!

Die Idee zum Roman kam Simone Lappert, als sie von einer Szene erfuhr, die auch den Beginn von „Der Sprung“ darstellt. Eine Frau steht am Rand eines mehrstöckigen Hauses und schaut in die Tiefe. Vor dem Haus haben sich neben Polizei und Rettungskräften auch ganze Menschenmassen versammelt. Sie halten ihre Smartphones in die Höhe und hoffen, den Sturz filmen zu können. Einige rufen „Spring doch!“. Andere legen sich vor der spannenden Kulisse in die Sonne und genießen den Nervenkitzel. Es herrscht allgemeine Volksfeststimmung. Der Kramerladen um die Ecke erlebt den besten Geschäftstag seit Jahren.

Was treibt Menschen dazu, sich so zu verhalten? Das vermeintliche Leid anderer als willkommene Abwechslung zu betrachten, als kostenloses Live-Entertainment?
Diesen Fragen geht Simone Lappert in „Der Sprung“ auf den Grund. Und so verfolgt sie mehrere ganz verschiedene Personen vom Tag davor über die Ausgangsszene bis zum Tag danach.

Mit einem feinen Blick auf die kleinen Dinge des Lebens entstehen ebenso liebenswürdige wie schrullige Charaktere, deren Sehnsucht und Melancholie beinahe erlebbar wird. Nach und nach erfährt man mehr über die einzelnen Figuren, ihre Hintergründe und Träume. (Einige sind mir sehr schnell ans Herz gewachsen.) Und schnell wird klar: sie alle stehen – ganz wie die Frau auf dem Dach – unmittelbar vor einem Sprung. Einem Sprung, der sie aus ihrem aktuellen Leben befördert. Zum Beispiel die Frau, die sich in ihrer Beziehung alleine fühlt und nach Paris durchbrennt. Oder die Schülerin, die ständig gehänselt wird, bis sie einer ihrer Peinigerinnen aus einer sehr misslichen Lage hilft. Sie alle gehen in der ein oder anderen Weise verändert aus diesem Tag mit der Frau auf dem Hausdach hervor; auch wenn sie – ganz wie im wahren Leben – nicht alle Gewinner*innen sind.

Die Art wie es Simone Lappert gelingt, die Figuren und ihre Geschichten mit einander zu verweben, ist sehr geschickt. Ich hatte meinen Spaß die kleine, unscheinbaren Momente zu entdecken, in denen sich die Wege einzelner Figuren für kurze, flüchtige Begegnungen kreuzen.

Leider waren mir einige der persönlichen Geschichten doch etwas zu konstruiert und nur wenig originell. Nicht nur bei dem Mann, der sich vorwirft am Tod seines ehemals besten Freunds schuld zu sein, der als Junge während eines gemeinsamen Abenteuers an einem allergischen Schock starb, musste ich innerlich doch sehr mit den Augen rollen.

Schade. „Der Sprung“ hatte wirklich großes Potenzial zu einem echten Jahreshighlight zu werden. So aber reichte es nur für ein

♥♥♥ lesenswert

Besser gefallen hat es Alex von „The Read Pack“.

Der Sprung • Simone Lappert • Diogenes Verlag • Hardcover/eBook • 336 Seiten (Print) • ISBN: 978-3-257-07074-3 (Hardcover) / 978-3-257-60983-7 (eBook) • 22,-€ (Hardcover) 18,99€ (eBook)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.