Alle Artikel in: Biografie

„Flügel in Flammen“ von Dagny Juel

Es kommt sehr selten vor, dass ich mich an einen Lyrikband wage. Für „Flügel in Flammen“ habe ich jetzt aber eine ganz seltene Ausnahme gemacht. Allerdings muss ich zugeben, dass es hauptsächlich die Frau dahinter war, der der Übersetzer Lars Brandt im zweiten Teil des Buchs in einem Essay näher zu kommen versucht, die mich dazu bewog. In Deutschland ist die norwegische Schriftstellerin Dagny Juel weitestgehend unbekannt. Das erstaunt nicht nur deshalb, weil sie den Großteil ihres Werks in Deutschland verfasste, sondern auch weil sie eine sehr schillernde Persönlichkeit war, die großen Künstlern wie Edward Munch den Kopf verdrehte. Sie war zugleich die Muse und eine zentrale Person der Berliner Boheme. Um Dagny Juel ranken sich viele Legenden und Mythen. Dies mag auch mit ihrem Tod zu tun haben, denn Juel wurde 1901 mit nur 34 Jahren von einem Anhänger ihres Mannes, einem polnischen Dichter und Satanisten, ermordet. Mit Hilfe ihres Werks, dass im ersten Teil von „Flügel in Flammen“ erstmals komplett in deutscher Sprache veröffentlicht ist, begibt sich Lars Brandt dennoch auf die Suche …

Elisabeth Selbert – Mutter des Grundgesetzes

Während meines Besuchs der Ausstellung „Damenwahl“ im Historischen Museum in Frankfurt (Main) hatte ich auch Gelegenheit, Susanne Selbert kennenzulernen. Die SPD-Politikerin erzählte von ihrer berühmten Großmutter Elisabeth Selbert, die – zusammen mit drei weiteren Frauen – als „Mutter des Grundgesetzes“ gilt. Durch ihren Vortrag konnte ich einige spannende Details über Elisabeth Selberts Lebensweg erfahren. Den Titel „Mutter des Grundgesetzes“ bekam Elisabeth Selbert, weil sie eine der vier Frauen war, die zusammen mit 61 (!) Männern 1948 Mitglied des Parlamentarischen Rates war. Dieser erstellte des Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, das – wenn auch wiederholt aktualisiert – noch heute gilt. Besondere Anerkennung findet vor allem ihr Einsatz für die Aufnahme der Gleichberechtigung von Mann und Frau in den Grundrechteteil des Grundgesetzes. Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Artikel 3 des Grundgesetzes Ursprünglich sollte dieser Artikel lauten: „Männer und Frauen haben die gleichen staatsbürgerrechtlichen Rechte und Pflichten.“ Elisabeth Selbert ging diese Formulierung aber nicht weit genug. Zwar hätte sie den Frauen das (aktive und passive) Wahlrecht gesichert, sich aber nicht auf den Bereich des Familienrechts ausgewirkt. In zähen Verhandlungen …

„Großmama packt aus“ von Irene Dische

„Großmama packt aus“ ist eine tragische deutsch-jüdische Familiengeschichte des 20. Jahrhunderts, über die man sich herrlich amüsieren kann. Inhaltlich bietet der Roman nur wenig neues; gleichzeitig ist er aber doch erfrischend originell. In ihrem sehr persönlichen Roman gelingt es Irene Dische scheinbar unvereinbare Gegensätze auf sehr unterhaltsame Weise nicht einander zu verbinden. Über drei Frauengenerationen erzählt Irene Dische in „Großmama packt aus“ die eigene Familiengeschichte. Sie schildert die Ehe ihre Großmutter mit einem deutschen Juden und die daraus entstehenden Schwierigkeiten in Nazideutschland, die Flucht der jungen Familie in die USA und die anschließenden Anstrengungen, um dort Fuß zufassen. Dem Weg der Familie folgt sie schließlich weiter über die nachfolgenden beiden Frauengenerationen bis in die heutige Zeit. So entsteht im Kleinen gleichzeitig ein Porträt des 20. Jahrhunderts. Wie fand ich … … den Einstieg? Selten konnte mich ein Buch bereits mit dem allerersten Satz so sehr für sich einnehmen wie „Großmama packt aus“. Dass meine Enkeltochter so schwierig ist, hängt vor allem mit Carls geringer Spermadichte zusammen. 1. Satz aus „Großmama packt aus“ von Irene Dische …

„Rebellinnen. Hannah Arendt, Rosa Luxemburg und Simone Weil“ von Simone Frieling

Anfang des kommenden Jahres gibt es gleich zwei Mal Anlass, sich an große deutsche Sozialrevolutionärinnen zu erinnern: eine davon ist Rosa Luxemburg, die am 15. Januar 1919 ermordet wurde. Die andere ist Simone Weil, die am 3. Februar 110 Jahre alt geworden wäre. Ihnen und Hannah Arendt widmet die Künstlerin und Schriftstellerin Simone Frieling ihr neues Buch. Hannah Arendt, Simone Weil und Rosa Luxemburg beschäftigten sich mit den großen politischen Fragen ihrer Zeit, in der so viele Weichen für unsere heutige Gesellschaft und Demokratie gelegt wurden. In drei aufschlussreichen Porträts verwebt die Künstlerin und Schriftstellerin Simone Frieling ihre Leben und Werke auf sehr geschickte Weise zu einem stimmigen Gesamtbild und verhilft so zu einem besseren Zugang zu diesen faszinierenden Frauen. Wie fand ich … … die Auswahl der porträtierten Frauen? Mit Rosa Luxemburg, Hannah Arendt und Simone Weil stellt Simone Frieling drei große Denkerinnen des 20. Jahrhunderts vor. Die kompromisslose Radikalität, mit der sie für ihre Überzeugungen einstanden, faszinieren und inspirieren auch fast 100 Jahre nach ihrem Wirken. Dass sie sich damit nicht (nur) der …

Frauen in der Automobilgeschichte

Der Motorsport ist eine heute eine fast rein männliche Domäne. Nur wenige Frauen wie etwa Jutta Kleinschmidt konnten sich erfolgreich am Steuer eines Autos einen Namen machen. Immerhin gehören autofahrende Frauen heute in den meisten Ländern im Alltag zur Normalität. In den Anfängen des Autos jedoch waren sie eine echte Seltenheit. Umso mehr erstaunte es mich daher, als ich entdeckte, dass ausgerechnet Frauen wichtige Meilensteine in der Automobilgeschichte setzten. Auf das Thema aufmerksam wurde ich durch eine Fernseh-Dokumentation, die ich im Sommer mit meinem Mann gesehen habe Heidi Hetzer – mit fast 80 Jahren in einem Oldtimer einmal um die Welt Darin ging es um Heidi Hetzer, die 2015 im Alter von 78 Jahren zu einer Reise um die Welt aufbrach. In einem Hudson Great Eight mit dem Baujahr 1930. Zwei Jahre brauchte sie für dieses Abenteuer. Mich faszinierte diese Frau und ihre Geschichte, die auf mich einen beeindruckend willensstarken, toughen und unabhängigen Eindruck machte. Eine Frau aus Stahl, die mit ihren fast 80 Jahren so manchen ihrer deutlich jüngeren, männlichen Begleiter alt aussehen ließ. …

„Mit Vivienne Westwood an der Nähmaschine. Revolution auf dem Laufsteg“ von Gernot Uhl

Gernot Uhls Biografienblog „Eulengezwitscher“ ist schon seit langem ein von mir gerne und oft besuchter Blog. Wir teilen die Liebe zu außergewöhnlichen Lebensläufe. Daher war ich sofort begeistert, als ich erfuhr, dass mit der „Bibliothek der Wagemutigen“ ein paar von Gernot Uhls Texten nun als E-Book erscheinen. In seiner E-Book-Reihe erzählt Gernot Uhl von Menschen, die Geschichte machten, indem sie ihren inneren Überzeugungen folgten und so nicht selten auch einmal unbequem oder unverstanden waren. Mich faszinieren solche Lebensgeschichten, weil sie dazu inspirieren, weniger auf andere zu schauen. Vor allem außergewöhnliche weibliche Lebensentwürfe finde ich spannend. Daher habe mich als erste E-Book von Gernot Uhls „Bibliothek des Wagemutigen“ die Biografie über Vivienne Westwood vorgenommen. „Mit Vivienne Westwood an der Nähmaschine“ ist eine spannend und flüssig zu lesende Biografie über die Erfinderin des Punk-Looks. Obwohl das E-Book in einem für Biografien typischen eher nüchternen Sachbuchton geschrieben ist, überzeugten mich vor allem Gernot Uhls Beschreibungen der von Vivienne Westwood entworfenen Outfits. Diese sind so präzise und detailliert wiedergegeben, dass ich ein deutliches Bild davon vor Augen hatte, obwohl …

„Die Spionin“ von Paulo Coelho

Paulo Coelho ist ein Autor, von dem ich bis vor kurzem noch nichts gelesen hatte, obwohl ich es mir immer wieder vorgenommen habe. Mit seinem kürzlich erschienenen Roman Die Spionin über das Leben von Mata Hari hat er nun genau meine Lesevorliebe getroffen. Und dank Vorablesen und dem Diogenes Verlag durfte ich das Buch sogar bereits vor dem offiziellen Erscheinungstermin lesen. So begleitete es mich in der letzten Woche nach Hong Kong. Warum ich Die Spionin dann in einem Rutsch durchgelesen habe und so angetan davon bin, verrate ich Euch in diesem Beitrag. Worum geht es? Paulo Coelho verleiht in Die Spionin Mata Hari eine eigene Stimme. In einem (fiktiven) Brief, den sie kurz vor ihrer Hinrichtung aus dem Gefängnis an ihren Anwalt schreibt, lässt er Mata Hari ihr Leben noch einmal revuepassieren: ihre unglückliche Ehe in Niederländisch-Ostindien, ihre Erfolge als exotische Tänzerin und wie es in den Wirren des Ersten Weltkriegs zur Anklage wegen Spionage und als Doppelagentin kam. Wie fand ich … … den Einstieg? In einem Prolog stellt Paulo Coelho dem eigentlichen …

„Dämmerung über Birma. Mein Leben als Shan-Prinzessin“ von Inge Sargent

Dieser Rezension möchte ich eine Warnung vorweg schicken: Auf den Besitz dieser Autobiografie stehen 17 Jahre Gefängnis! Nicht bei uns. Gottseidank! Aber in Myanmar, dem ehemaligen Birma, in dem diese Autobiografie spielt. Es ist die wahre Geschichte einer jungen Österreicherin, die sich in den herrschenden Shan-Prinzen von Birma verliebt und mit ihm in dessen Heimat ein vollkommen neues Leben beginnt. Frei von jedem zu erwartenden Cinderella-Kitsch erzählt Inge Sargent ein Stück birmesische Geschichte. Worum geht es? Anfang der 50er Jahre verliebt sich die junge Österreicherin Inge Sargent, während ihres Studiums in den USA, in den angehenden birmesischen Bergbauingenieur Sao Kya Seng. Das Paar heiratet und zieht 1953 nach Birma. Erst dort erfährt Inga, dass ihr Ehemann Prinz eins birmesischen Bergstaats und Oberhaupt der Shan ist. Vollkommen unvorbereitet ist sie plötzlich Teil der fürstlichen Familie mit Repräsentationspflichten in einem Land, dessen Kultur und Gebräuche ihr gänzlich fremd sind. Aber so richtig schwierig wird es für Inge erst, als ihr Mann während eines Militärputschs 1962 verschleppt wird, und sie mir ihren beiden Töchtern in einer politisch höchst …