Autor: Kerstin Herbert

Bücher von Frauen, die man gelesen haben muss

Die meisten Bücher lese ich und vergesse sie mehr oder weniger schnell wieder. Als Unterhaltungs- und Vielleserin ist das wohl normal. Selbst Bücher, die ich gerne und mit Begeisterung las, verblassen irgendwann doch wieder. Aber von Zeit zu Zeit stoße ich auch auf ein Buch, das ich auch noch nach Jahren in bester Erinnerung habe. Einen Teil dieser Bücher habe ich hier zusammengetragen. Wie immer bei mir gehen Genre und Themen bunt durcheinander. Zwei Dinge ist allen Büchern aber gemeinsam: es sind echte Lieblingsbücher und sie sind alle von Frauen geschrieben. „Binewskis. Verfall einer radioaktiven Familie“ von Katherine Dunn „Binewskis – Verfall einer radioaktiven Familie“ ist ein Buch, wie ich es in dieser Form noch nie gelesen habe. Es verdient eine eigene Kategorie, denn es ist gleichzeitig Horror, Gesellschaftskritik und Familienroman – und auch gar nichts davon. Die Geschichte entwickelt einen solchen Sog, dass ich das Buch am liebsten am Stück durchgelesen hätte. Am Ende blieb ich atemlos, verwirrt, tief bewegt und nachdenklich zurück. zu meiner Rezension „Frankenstein. Der moderne Prometheus“ von Mary Shelley Bereits vor 200 Jahren …

„Flügel in Flammen“ von Dagny Juel

Es kommt sehr selten vor, dass ich mich an einen Lyrikband wage. Für „Flügel in Flammen“ habe ich jetzt aber eine ganz seltene Ausnahme gemacht. Allerdings muss ich zugeben, dass es hauptsächlich die Frau dahinter war, der der Übersetzer Lars Brandt im zweiten Teil des Buchs in einem Essay näher zu kommen versucht, die mich dazu bewog. In Deutschland ist die norwegische Schriftstellerin Dagny Juel weitestgehend unbekannt. Das erstaunt nicht nur deshalb, weil sie den Großteil ihres Werks in Deutschland verfasste, sondern auch weil sie eine sehr schillernde Persönlichkeit war, die großen Künstlern wie Edward Munch den Kopf verdrehte. Sie war zugleich die Muse und eine zentrale Person der Berliner Boheme. Um Dagny Juel ranken sich viele Legenden und Mythen. Dies mag auch mit ihrem Tod zu tun haben, denn Juel wurde 1901 mit nur 34 Jahren von einem Anhänger ihres Mannes, einem polnischen Dichter und Satanisten, ermordet. Mit Hilfe ihres Werks, dass im ersten Teil von „Flügel in Flammen“ erstmals komplett in deutscher Sprache veröffentlicht ist, begibt sich Lars Brandt dennoch auf die Suche …

Brauchen wir den Frauentag wirklich als gesetzlichen Feiertag?

Der heutige Weltfrauentag ist etwas besonders. Zum allerersten Mal ist er auch in einem deutschen Bundesland – nämlich Berlin – gesetzlicher Feiertag. Und das ausgerechnet in dem Jahr, in dem wir in Deutschland 100 Jahre Frauenwahlrecht feiern. Endlich am Ziel! Also herrscht künftig am 8. März allgemeine Partystimmung und es regnet rote Rosen für alle Frauen?! Schon gegen die Tradition, Frauen am 8. März eine Rose (alternativ auch eine Nelke) zu schenken, habe ich eine regelrechte Allergie entwickelt. Auf mich wirkt diese Geste überhaupt nicht respektvoll, wie sie wohl eigentlich gemeint ist,  sondern beschwichtigend, fast schon herablassend. Ich kann mir einfach helfen. Mir kommt dabei immer ein Kind in den Sinn, dem man einen Keks in die Hand drückt, damit sich „die Großen“ noch etwas weiter ungestört unterhalten können. Die Einführung eines gesetzlichen Feiertags potenziert diese Wirkung um ein Vielfaches. Dabei war das ursprüngliche Ziel des Frauentags ein ganz anderes. Es sollte ein Tag sein, an dem Frauen laut sind, auf die Straße gehen und für ihre Rechte kämpfen. Ein Frauenkampftag. Als solcher wurde er …

„Der Report der Magd“ von Margaret Atwood

Margaret Atwood im Allgemeinen und „Der Report der Magd“ im Speziellen erleben zur Zeit einen richtigen Hype. 2017 wurde der Roman, der bereits 1987 erstmals in Deutschland erschien, erfolgreich als Fernsehen-Serie verfilmt. Im gleichen Jahr erhielt Atwood zudem den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Ich habe einen recht ambivalenten Eindruck von „Der Report der Magd“. „In ihrem 1985 (dt. 1987) erschienenen dystopischen Roman „Der Report der Magd“ beschreibt sie in der Tradition George Orwells eine totalitäre Ge­sellschaft, in der Frauen als Gebärmaschinen benutzt und unterdrückt werden.“ – aus der Pressemeldung „Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Margaret Atwood“ Margaret Atwood widmet sich in „Der Report der Magd“ gleich mehreren frauenpolitischen Themen. Sie zeigt zum einen, wie Religion missbraucht wird, um ein totalitäres Patriarchat zu installieren und ideologisch zu untermauern. Dass es im Falle von „Der Report der Magd“ hierzu zur Abwechslung einmal die Bibel und nicht der Islam benutzt wird, macht diesen Aspekt des Romans umso interessanter und aussagekräftiger. Hierdurch macht Atwood klar, dass grundsätzlich jede Religion frauenfeindliche Tendenzen besitzt, die dazu verwendet werden können, um die Unterdrückung …

„Der gute Sohn“ von Jeong Yu-Jeong

Wenn eine Autorin als „Südkoreas Antwort auf Stephen King“ angekündigt wird, weckt das natürlich sofort mein Interesse. Gleichzeitig liegt die Messlatte damit aber sehr hoch. Unter meine Neugier auf Jeong Yu-Jeongs neustes Buch mischte sich daher auch ein wenig Skepsis. Auf den ersten Seiten wurden meine Bedenken dann auch noch prompt bestätigt. Fast schon quälend kleinteilig beschreibt Yu-Jeong die Ausgangsszene. Die aber ist so rätselhaft, dass ich mich gerne hierauf einließ.  Der Roman beginnt damit, dass Ich-Erzähler Yu-Jin mit einem Filmriss aufwacht. Zu seinem Entsetzen ist er vollkommen blutverschmiert, aber es kommt noch viel schlimmer: Im Wohnzimmer findet er seine Mutter mit aufgeschnittener Kehle in einer riesigen Blutlache liegen. Im Folgenden schickt Yu-Jeong ihre Leser*innen auf Spurensuche. Schnell entwickelt sich eine beängstigende Eigendynamik. Was man dabei über Yu-Jin erfährt, ist wesentlich mehr und noch sehr viel grausiger als die Ereignisse des vorherigen Abends.  Yu-Jeong lässt ihre Leser*innen in die tiefen Abgründe der menschlichen Seele blicken. Einen besonderen Nervenkitzel erhält „Der gute Sohn“ dadurch, dass er nicht einfach nur grausige Dinge und Handlungen beschreibt. Yu-Jeong zeigt …

Der Abschluss

1. Frauenleserin Blogparade zum Jahresende Als ich zur 1. Frauenleserin Blogparade zum Jahresende aufrief, hatte ich Angst, dass niemand teilnehmen würde. Immerhin war der Blog erst vor Kurzem wieder online gegangen. Und das auch noch mit einem neuen Konzept. Umso mehr hat es mich dann umgehauen, dass fast 30 Blogs daran teilnahmen. (Ja, seid ihr denn wahnsinnig?!) Das ist auch der Grund, weshalb dieser Abschluss-Beitrag dann doch etwas auf sich warten ließ. Ursprünglich hatte ich vor, auf jeden Beitrag kurz einzugehen. Aber das hat sich leider als nur schwer umsetzbar herausgestellt. Ich hoffe daher, ihr seht es mir nach, dass ich hier nur auf einige Beiträge eingehen werde. Ich habe jede*n besucht und einen Kommentar hinterlassen (wo dies möglich war). Am Ende findet ihr eine vollständige Link-Liste mit allen teilnehmenden Blogs. Spielt das Geschlecht wirklich eine Rolle? Gleichermaßen überrascht und gefreut hat mich, dass sich sogar eine kleine Diskussion darüber entwickelte, ob das Geschlecht der schreibenden Person bei der Auswahl der Lektüre tatsächlich eine Rolle spielt. DasTenna bezweifelt dies sehr. Wichtigstes Kriterium für die Bücherwahl …

Elisabeth Selbert – Mutter des Grundgesetzes

Während meines Besuchs der Ausstellung „Damenwahl“ im Historischen Museum in Frankfurt (Main) hatte ich auch Gelegenheit, Susanne Selbert kennenzulernen. Die SPD-Politikerin erzählte von ihrer berühmten Großmutter Elisabeth Selbert, die – zusammen mit drei weiteren Frauen – als „Mutter des Grundgesetzes“ gilt. Durch ihren Vortrag konnte ich einige spannende Details über Elisabeth Selberts Lebensweg erfahren. Den Titel „Mutter des Grundgesetzes“ bekam Elisabeth Selbert, weil sie eine der vier Frauen war, die zusammen mit 61 (!) Männern 1948 Mitglied des Parlamentarischen Rates war. Dieser erstellte des Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, das – wenn auch wiederholt aktualisiert – noch heute gilt. Besondere Anerkennung findet vor allem ihr Einsatz für die Aufnahme der Gleichberechtigung von Mann und Frau in den Grundrechteteil des Grundgesetzes. Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Artikel 3 des Grundgesetzes Ursprünglich sollte dieser Artikel lauten: „Männer und Frauen haben die gleichen staatsbürgerrechtlichen Rechte und Pflichten.“ Elisabeth Selbert ging diese Formulierung aber nicht weit genug. Zwar hätte sie den Frauen das (aktive und passive) Wahlrecht gesichert, sich aber nicht auf den Bereich des Familienrechts ausgewirkt. In zähen Verhandlungen …

4 Bücher aus den Frühjahr Vorschauen, auf die ich mich freue

Schon vor Weihnachten sind hier die ersten Verlagsvorschauen für das Frühjahr 2019 eingetrudelt. Jetzt hatte ich endlich die Muse, um mich genauer damit zu beschäftigen. Dabei bin ich auf vier interessante Bücher gestoßen, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Vom Gesprächsbuch über den Thriller bis hin zum Lyrikband ist alles abgedeckt. „Der Gott am Ende der Straße“, Louise Erdrich Der Gott am Ende der Straße Autorin: Louise Erdrich Übersetzer/in Gesine Schröder gebunden mit Schutzumschlag 360 Seiten Aufbau Verlag ISBN: 978-3-351-03756-7 Preis: 22,00 € Erscheinungsdatum: 15.03.2019 Louise Erdrich ist eine der bekanntesten amerikanischen Gegenwartsautorinnen. Sie wurde u.a. mit dem National Book Award, dem National Critics Circle Award und dem PEN/ Saul Bellow Award ausgezeichnet. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bisher trotzdem noch nichts von ihr gelesen habe. Und das obwohl Alex von „The Read Pack“ schon von Erdrich Roman „Das Haus des Windes“ so begeistert war, dass ich diesen eigentlich schon lesen wollte. (Ihre Rezension findet Ihr >>hier<<.) Am 15.03.2019 erscheint nun ihr neues Roman „Der Gott am Ende der Straße“. Der Aufbau Verlag, bei dem …