Autor: Kerstin Herbert

Elisabeth Selbert – Mutter des Grundgesetzes

Während meines Besuchs der Ausstellung „Damenwahl“ im Historischen Museum in Frankfurt (Main) hatte ich auch Gelegenheit, Susanne Selbert kennenzulernen. Die SPD-Politikerin erzählte von ihrer berühmten Großmutter Elisabeth Selbert, die – zusammen mit drei weiteren Frauen – als „Mutter des Grundgesetzes“ gilt. Durch ihren Vortrag konnte ich einige spannende Details über Elisabeth Selberts Lebensweg erfahren. Den Titel „Mutter des Grundgesetzes“ bekam Elisabeth Selbert, weil sie eine der vier Frauen war, die zusammen mit 61 (!) Männern 1948 Mitglied des Parlamentarischen Rates war. Dieser erstellte des Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, das – wenn auch wiederholt aktualisiert – noch heute gilt. Besondere Anerkennung findet vor allem ihr Einsatz für die Aufnahme der Gleichberechtigung von Mann und Frau in den Grundrechteteil des Grundgesetzes. Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Artikel 3 des Grundgesetzes Ursprünglich sollte dieser Artikel lauten: „Männer und Frauen haben die gleichen staatsbürgerrechtlichen Rechte und Pflichten.“ Elisabeth Selbert ging diese Formulierung aber nicht weit genug. Zwar hätte sie den Frauen das (aktive und passive) Wahlrecht gesichert, sich aber nicht auf den Bereich des Familienrechts ausgewirkt. In zähen Verhandlungen …

4 Bücher aus den Frühjahr Vorschauen, auf die ich mich freue

Schon vor Weihnachten sind hier die ersten Verlagsvorschauen für das Frühjahr 2019 eingetrudelt. Jetzt hatte ich endlich die Muse, um mich genauer damit zu beschäftigen. Dabei bin ich auf vier interessante Bücher gestoßen, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Vom Gesprächsbuch über den Thriller bis hin zum Lyrikband ist alles abgedeckt. „Der Gott am Ende der Straße“, Louise Erdrich Der Gott am Ende der Straße Autorin: Louise Erdrich Übersetzer/in Gesine Schröder gebunden mit Schutzumschlag 360 Seiten Aufbau Verlag ISBN: 978-3-351-03756-7 Preis: 22,00 € Erscheinungsdatum: 15.03.2019 Louise Erdrich ist eine der bekanntesten amerikanischen Gegenwartsautorinnen. Sie wurde u.a. mit dem National Book Award, dem National Critics Circle Award und dem PEN/ Saul Bellow Award ausgezeichnet. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bisher trotzdem noch nichts von ihr gelesen habe. Und das obwohl Alex von „The Read Pack“ schon von Erdrich Roman „Das Haus des Windes“ so begeistert war, dass ich diesen eigentlich schon lesen wollte. (Ihre Rezension findet Ihr >>hier<<.) Am 15.03.2019 erscheint nun ihr neues Roman „Der Gott am Ende der Straße“. Der Aufbau Verlag, bei dem …

Leserückblick 2018

Nachdem ich mit „Nenn mich einfach Superheld“ von Alina Bronsky mein letztes Buch des Jahres beendet hatte, konnte auch ich mich an einen Jahresrückblick setzen. Denn natürlich kann man nicht zur Blogparade zum Jahresende aufrufen, ohne selbst ein Beitrag dazu zu liefern. Mit meiner Blogparade wollte ich dazu anregen, das Lesejahr einmal aus einem anderen Blickwinkel Revue passieren zu lassen und primär Bücher von Autorinnen in den Mittelpunkt zu stellen. Dazu formulierte ich fünf Fragen, die ich im Folgenden nun auch für mich beantworten werde. Wie hoch ist deine Frauenquote? Wie viele Bücher hast du in diesem Jahr gelesen? Wie viele davon wurden von Autorinnen geschrieben? In 2018 habe ich 43 Bücher gelesen und 12 Hörbücher gehört. Insgesamt waren es also 55 (Hör-)Bücher. Davon waren 30 von Autorinnen. Das macht eine Frauenquote von 55%. Betrachtet man nur die Hörbücher, fällt die Quote deutlicher aus. Hier waren 10 Stück von Autorinnen, was einer Frauenquote von 83% entspricht. Mit dieser Frauenquote bin ich ganz zufrieden. Mein Ziel ist und war es nie, ausschließlich Bücher von Autorinnen zu …

„Großmama packt aus“ von Irene Dische

„Großmama packt aus“ ist eine tragische deutsch-jüdische Familiengeschichte des 20. Jahrhunderts, über die man sich herrlich amüsieren kann. Inhaltlich bietet der Roman nur wenig neues; gleichzeitig ist er aber doch erfrischend originell. In ihrem sehr persönlichen Roman gelingt es Irene Dische scheinbar unvereinbare Gegensätze auf sehr unterhaltsame Weise nicht einander zu verbinden. Über drei Frauengenerationen erzählt Irene Dische in „Großmama packt aus“ die eigene Familiengeschichte. Sie schildert die Ehe ihre Großmutter mit einem deutschen Juden und die daraus entstehenden Schwierigkeiten in Nazideutschland, die Flucht der jungen Familie in die USA und die anschließenden Anstrengungen, um dort Fuß zufassen. Dem Weg der Familie folgt sie schließlich weiter über die nachfolgenden beiden Frauengenerationen bis in die heutige Zeit. So entsteht im Kleinen gleichzeitig ein Porträt des 20. Jahrhunderts. Wie fand ich … … den Einstieg? Selten konnte mich ein Buch bereits mit dem allerersten Satz so sehr für sich einnehmen wie „Großmama packt aus“. Dass meine Enkeltochter so schwierig ist, hängt vor allem mit Carls geringer Spermadichte zusammen. 1. Satz aus „Großmama packt aus“ von Irene Dische …

„Rebellinnen. Hannah Arendt, Rosa Luxemburg und Simone Weil“ von Simone Frieling

Anfang des kommenden Jahres gibt es gleich zwei Mal Anlass, sich an große deutsche Sozialrevolutionärinnen zu erinnern: eine davon ist Rosa Luxemburg, die am 15. Januar 1919 ermordet wurde. Die andere ist Simone Weil, die am 3. Februar 110 Jahre alt geworden wäre. Ihnen und Hannah Arendt widmet die Künstlerin und Schriftstellerin Simone Frieling ihr neues Buch. Hannah Arendt, Simone Weil und Rosa Luxemburg beschäftigten sich mit den großen politischen Fragen ihrer Zeit, in der so viele Weichen für unsere heutige Gesellschaft und Demokratie gelegt wurden. In drei aufschlussreichen Porträts verwebt die Künstlerin und Schriftstellerin Simone Frieling ihre Leben und Werke auf sehr geschickte Weise zu einem stimmigen Gesamtbild und verhilft so zu einem besseren Zugang zu diesen faszinierenden Frauen. Wie fand ich … … die Auswahl der porträtierten Frauen? Mit Rosa Luxemburg, Hannah Arendt und Simone Weil stellt Simone Frieling drei große Denkerinnen des 20. Jahrhunderts vor. Die kompromisslose Radikalität, mit der sie für ihre Überzeugungen einstanden, faszinieren und inspirieren auch fast 100 Jahre nach ihrem Wirken. Dass sie sich damit nicht (nur) der …

Blogparade zum Jahresende

Die Zeit der Jahresrückblicke hat wieder begonnen. Für mich ist das eine gute Gelegenheit, um Euch über die Bücher von Autorinnen auszufragen, die ihr in diesem Jahr gelesen habt. Deswegen rufe ich zur 1. Frauenleserin Blogparade zum Jahresende auf. Erst vor ein paar Tagen bin ich auf einen Beitrag des NDR gestoßen, in dem es um die Sichtbarkeit von Autorinnen geht. Nina George hat zusammen mit anderen Frauen zusammen eine Studien durchgeführt. Einen Monat lang haben sie 69 Medien (Radio, Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften) ausgewertet. Das Ergebnis war sehr ernüchternd: gerade einmal ein Drittel aller Rezensionen war über Bücher von Autorinnen. Und das liegt keineswegs daran, dass es schlicht mehr Bücher von Autoren gibt. Gerade im Belletristik-Bereich ist das Verhältnis eigentlich sehr ausgeglichen. Trotzdem werden Autorinnen seltener besprochen. Da wundert es eigentlich kaum noch, dass Autorinnen seltener mit Literaturpreisen ausgezeichnet werden, wenn ihre Bücher so wenig Beachtung finden. Das hat mich neugierig gemacht, wie es eigentlich in der Buchblogosphäre so aussieht. Gerade der Jahreswechsel bietet sich ja ideal an, um eine kleine, persönliche Buchbilanz zu …

„Damenwahl“ im Historischen Museum im Frankfurt (Main)

In diesem Monat gibt es Grund zum Feiern: Das Frauenwahlrecht in Deutschland wird 100 Jahre! Bis dahin war es ein langer Weg. Im Historischen Museum in Frankfurt (Main) kann man ihn derzeit nachgehen. Mit dem Arbeitskreis „Sozialdemokratische Frauen Hessen Süd“ hatte ich vor zwei Wochen die Gelegenheit, von der Kuratorin Dorothee Linnemann durch die Sonderausstellung „Damenwahl“ geführt zu werden. Ich gebe zu, dass ich nicht viel Zeit in Museen verbringe. Allerhöchstens im Urlaub kann ich mich zu einem Besuch überwinden. Und auch das nur an einem regnerischen Tag, an dem man sonst ohnehin nicht viel unternehmen kann. Als ich aber von der Sonderausstellung „Damenwahl“ erfuhr, war ich sofort begeistert. Nur selten widmen sich Museen der weiblichen Perspektive auf die Geschichte. Und tatsächlich fand ich den Besuch der Sonderausstellung sehr inspirierenden. In fünf Bereichen wird die / der Besucher_in präsentiert das Historische Museum Frankfurt den Weg zum Frauenwahlrecht in Deutschland. Angefangen vom Kaiserreich bis hin zur Geburtsstunde unseres heutigen Grundgesetzes zeigt es die wichtigsten Stationen und deren bedeutendsten Mitstreiterinnen. Jedem Bereich sind drei Frauen mit je einem Ausspruch …

„Frankenstein. Der moderne Prometheus“ von Mary Shelley

Bereits vor 200 Jahren erschien „Frankenstein. Der moderne Prometheus“ von Mary Shelley. Ein Buch, dass vollkommen zu Recht zu den Klassikern der Literatur zählt. Bis heute ist das Monster Inspiration für zahlreiche Comicserien und Filme, aber auch beliebtes Halloweenkostüm. Dabei hat das Werk so viel mehr zu bieten als nur Gruselfaktor. Es ist eines der ersten Science Fiction-Bücher und spricht Themen an, die auch heute noch erschreckend aktuell sind. Schon die Entstehungsgeschichte von „Frankenstein. Der moderne Prometheus“ ist außergewöhnlich. Mary Shelley war nämlich gerade einmal 18 Jahre alt, als sie die Grundidee des Romans entwarf. Den Sommer 1816 verbrachte sie mit ihrem späteren Ehemann Percy Bysshe Shelley und einigen weiteren Reisebegleitern – darunter Lord Byron – am Genfer See. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Paar gesellschaftlich geächtet, denn Percy Shelley war noch verheiratet und Mary bereits mit 16 Jahren von ihm von ihm schwanger. Es war ein verregneter Sommer, den sich Reisegesellschaft damit vertrieb, sich gegenseitig Gruselgeschichten vorzulesen. Irgendwann kamen sie dann auf die Idee, jeder solle eine eigene Geschichte erfinden. Mary ersann eine Geschichte, …