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Nicht ohne mein Smartphone!

Vergangenen Freitag hatte einen unfreiwilligen Offline-Tag. Ich war morgens so in Eile, dass ich vergessen hatte, mein Smartphone einzupacken. Zuerst war ich tatsächlich einen Moment versucht, umzukehren und lieber den Zug zu verpassen und zu spät ins Büro zu kommen, als den ganzen Tag ohne Handy unterwegs zu sein. Dann aber dachte ich, es könne ja wohl nicht so schwer sein, mal einen Tag ohne das Teil auszukommen. Wirklich brauchen tue ich es ja schließlich eh nur höchst selten. Meine Erfahrungen an diesem Tag waren aber ernüchternd – und etwas erschreckend.

Meine bisherigen Digital Detox Maßnahmen und Erfahrungen

Schon seit ein paar Monaten betreibe ich ganz bewusst Digital Detox. Dazu reichten ein paar einfache Maßnahmen, die meinen Alltag jedoch deutlich entspannt und von unnötigem Stress befreit haben.

Ich habe zum Beispiel alle Apps auf meinem Smartphone so eingestellt, dass ich keine Mitteilungen mehr auf dem gesperrten Bildschirm angezeigt bekomme. Auch die Hinweistöne habe ich ausgeschaltet.

Seitdem kann ich mich deutlich besser konzentrieren. Denn ich konnte mir noch so sehr vornehmen, mich nicht von jedem Like auf Twitter, Instagram und Co. ablenken zu lassen. Früher oder später siegte doch immer die Neugier. Dieses Problem habe ich seitdem nicht mehr. Über Kommentare, Likes, neue Follower etc. erfahre ich erst, wenn ich die jeweilige App öffne. Und mal ganz ehrlich: wirklich verpasst, habe ich trotzdem noch nichts. Auch wenn das natürlich am Anfang meine Angst war.

Dank dieser Maßnahme habe ich außerdem meinen Drang verloren, unmittelbar nach dem Posten eines Beitrags auf einem Social Media-Kanal immer wieder zu checken, wie dieser nun ankam. Ich möchte nicht so weit gehen zu sagen, dass mich dieses Verhalten belastete. Es nun aber nicht mehr zu tun oder tun zu müssen, ist schon befreiend.

Das Ganze war natürlich ein (Lern-) Prozess; nicht nur für mich, sondern auch für mein Umwelt.

Auch WhatsApp-Nachrichten bekomme ich erst, wenn ich das Display meines Smartphones entsperre. Leute, die gewohnt sind, innerhalb von Minuten eine Reaktion zu erhalten, waren also mitunter etwas irritiert, dass ich manchmal Stunden brauchte, um ihre Nachricht überhaupt zu lesen. (Manch einer versteht es bis heute nicht, warum ich mein Handy freiwillig so eingestellt habe.) Hinzu kam dann noch, dass ich mir nicht selten die Freiheit nehme, auf Nachrichten nicht unmittelbar zu antworten – oder überhaupt zu antworten. Das mag jetzt etwas krass klingen, aber was bitte soll ich denn darauf antworten, wenn mir mein Mann beispielsweise mitteilt, dass er die Brötchen fürs Abendessen besorgt hat? Dass ich seine Nachricht gelesen habe, bekommt er schließlich sowieso angezeigt. Aber offenbar halten es viele für unhöflich, nicht zurückzuschreiben und sei es auch nur ein sinnbefreites Emoji oder ein „Daumen hoch“.

Und dann gibt es Nachrichten, die lese ich zwar, nehme mir dann aber ganz bewusst vor, erst zu antworten, wenn ich auch wirklich Zeit dafür habe. Manche Themen lassen sich nunmal nicht so nebenbei behandeln, wie es uns das Smartphone suggerieren möchte. Diesem unnötigen Stress setze ich mich nicht mehr aus und antworte dann eben später, z.B. in der Bahn auf dem Weg nach Hause.
Aber auch dieses Thema habe ich nun mit allen zur genüge diskutiert und ein Großteil – wenn auch nicht alle – akzeptieren es und nehmen es mir nicht mehr krumm.

Auch meine E-Mails habe ich einer digitalen Kur unterzogen – und zwar auch die beruflichen.

Dabei war ich zwar nicht so krass wie eine Bekannte, die alle E-Mails, die nach 2 Wochen noch ungelesen sind, mit der Begründung löscht, sollte es wichtig gewesen sei, werde er oder sie sich zwischenzeitlich vermutlich ohnehin längst telefonisch gemeldet haben. Aber auch hier habe ich zumindest die Benachrichtigungen ausgeschaltet. Im Büro ist das E-Mail-Programm sowieso immer offen und in Gebrauch. Da brauch ich nicht noch für jede eingehende Nachricht ein zusätzliches Pop-up-Fenster, das mich eh nur aus dem aktuellen Gedankengang reißt und Stress verbreitet. Und privat sind die E-Mails sowieso nicht so dringend, dass ich binnen Stunden reagieren müsste. Auf dem Smartphone habe ich die Push-Funktion für die Mails daher ganz ausgeschaltet und rufe diese nun wieder ganz oldschool manuell ab. Klappt gut!

Da ist es fast schon selbstverständlich, dass auch meine Fitnessuhr ganz bewusst nicht dauerhaft mit dem Smartphone gekoppelt ist und daher auch nicht jedes Mal vibriert, wenn eine neue Mitteilung (E-Mail, Twitter, WhatsApp etc.) eingegangen. Das war von Anfang so, ohne dass ich es jemals bedauert hätte.

Mein unfreiwilliger Tag ohne Smartphone

Für einen Tag ohne Smartphone hielt mich also bestens vorbereitet. Eigentlich. Die Realität belehrte mich dann aber doch eines besseren, denn es dauerte keine Stunde, bis ich nervös wurde; wenn auch nur leicht. Schließlich hätte es ja doch sein können, dass vielleicht ausgerechnet heute etwas wichtiges geschah und man mich nicht erreichen konnte. Könnte doch sein, dass mein Mann irgendetwas von mir wollte und sich dann Sorgen machte, weil er mich nicht erreichen konnte. (Seine Nachrichten sind nämlich die einzigen, die nach wie vor auch im Sperrbildschirm erscheinen und in aller Regel zügig beantwortet werden.)
Diese Nervosität ließ erst dann nach, als ich im Büro – direkt als erstes nach dem täglichen Stand-up – eine E-Mail an die geschäftliche Mail-Adresse meines Mannes geschrieben und ihn über mein vergessenes Smartphone informiert hatte.
Trotzdem blieb ich den ganzen Tag über leicht unruhig. Es fehlte einfach etwas, auch wenn ich mir immer wieder sagte, dass man früher ja auch ohne Handy auskam und ich nur höchst selten dringende private Nachrichten und Anrufe erhielt.

Aber diese Erfahrung war auch sehr aufschlussreich und mit etwas Selbstbeobachtung konnte ich so einiges über mich erfahren:

Zum Beispiel dass ich mein Smartphone zum Abschalten nutze und immer dann die sozialen Netzwerke checke, wenn ich in einem Fall im Büro nicht weiterkomme oder einfach eine Denkpause brauche, um neue Ideen zu finden. Dass das nun nicht mehr ging, machte mich anfangs wirklich wahnsinnig. Dann aber habe ich andere Strategien entwickelt und bin stattdessen beispielsweise aufgestanden, um am geöffneten Fenster ein paar Mal tief ein- und auszuarbeiten oder mit einer Kollegin ein Büro weiter ein paar Worte wechseln.

Auch von unangenehmen Beschwerdeanrufen lenke ich mich gerne mit dem Smartphone, wie ich an diesem Tag lernen musste. Der Vorteil davon ist zwar, dass man sich die Beschwerde so nicht zu sehr zu Herzen nimmt. Aber wenn man nur noch mit halbem Ohr zuhört, verpasst man natürlich auch feinere Nuancen und kann daher nicht immer angemessen reagieren. Ein problematisches Telefonat kann so im schlimmsten Fall unnötig eskalieren.

Schließlich nutze ich das Handy – wie mir am Freitag klar wurde – auch wahnsinnig gerne, um Wartezeiten zu überbrücken. Egal ob am Bahnsteig, an der Ampel oder an der Supermarktkasse – kaum habe ich auch nur ein kleines bisschen Leerlauf, packe ich das Handy aus. Dabei könnte man diese Zeit auch für ein paar entspannende Achtsamkeitsübungen nutzen oder die Wartezeit einmal bewusst aushalten und als kleine Erholung im Alltag verstehen und genießen.

Der Nachmittag lief dann also dank meiner Selbstbeobachtung eigentlich ganz gut. Ich hatte fast schon vergessen, dass ich handylos war, als ich eine halbe Stunde vor Feierabend meine Zugverbindung checkte und feststellen musste, dass ein Zug ausfällt und auch die späteren Verbindungen nicht sicher waren. Normalerweise hätte ich nun meinen Mann angerufen und ihn gebeten, mich irgendwo auf der Strecke abzuholen. Aber ich weiß weder seine private noch seine geschäftliche Nummer auswendig. (Wozu auch?! Steht schließlich im Handy.) Am Ende ging dann doch noch alles gut, denn ich konnte ihn per E-Mail erreichen und wir kamen pünktlich nach Hause. Trotzdem hat er mir an diesem Tag grinsend eine seiner Visitenkarten überreicht, die nun in meinem Papierkalender steckt. Nur für den Fall… Aber auch das war eine wertvolle Erfahrung:

Es geht auch ganz ohne Handy.

Meine Vorsätze

Mir hat dieser Tag gezeigt, dass ich noch immer erschreckend abhängig von meinem Smartphone bin. Ich habe mir daher vorgenommen, den Konsum noch etwas weiter herunterzufahren.

Künftig wird das Smartphone daher tagsüber in der Handtasche bleiben und nicht direkt nach dem Ablegen der Jacke im Büro offen auf den Schreibtisch wandern. Auch zu Hause möchte ich einen bewussteren Umgang mit dem Internet pflegen.

Das Handy ist dazu komplett aus dem Bad verbannt worden, wo es bislang zumindest beim sonntäglichen Wannenbad über Unterhaltung in Form von Hörbuch oder Musik sorgte. Auch während des Essens lege ich es beiseite. Und ins Schlafzimmer folgt es mir sowieso schon seit Jahren nur noch, wenn der Mann noch unterwegs ist, und auch er schaltete es nachts in den Flugmodus.

Außerdem versuche ich werktags nach 22 Uhr nicht mehr an Displays zu arbeiten – egal ob Handy, iPad oder Laptop. Stattdessen kuschele ich mit den Katzen – und / oder dem Mann 😉 Das entspannt. Ich habe festgestellt, dass ich dann später im Bett viel schneller und besser abschalten kann und einschlafe.

Meine „Digital-Kur“-Maßnahmen und -Vorsätze im Überblick:

  • Mitteilungen von Apps wie Twitter, Instagram und Co. deaktivieren
  • E-Mail-Benachrichtigungen ausschalten und Push-Mitteilungen deaktivieren
  • WhatsApp so einstellen, dass neue Nachrichten nicht mehr im Sperrbildschirm angezeigt werden; Ton ebenfalls deaktivieren
  • Fitness-Uhr / Smartwatch und Handy nicht dauerhaft koppeln
  • Smartphone im Büro in der Handtasche lassen (und nicht offen auf den Schreibtisch legen)
  • Ersatzstrategien für den unbewussten Blick aufs Handy suchen:Wann schaue ich aufs Handy? Was könnte ich stattdessen tun?
  • Offline-Zeiten und -Orte schaffen – gegebenenfalls auch in Absprache mit dem Partner

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