Hörbuch, Krimi, Verfilmung
Kommentare 2

„Der Name der Rose“: lesen oder fernsehen (oder hören)?

Der Name der Rose von Umberto Eco ist eines jener Must-Reads, um die eigentlich kein Bücherwurm herumkommt. Aber obwohl (oder vielleicht auch gerade weil) mir die Verfilmung von Bernd Eichinger mit Sean Connery und Christian Slater in den Hauptrollen extrem gut gefällt, habe ich das Buch trotz mehrerer Versuch bislang immer wieder abgebrochen. Nun habe ich es statt des Buchs einmal mit dem Hörbuch versucht.

Es gibt nur wenige Filme, die ich mir immer wieder ansehen kann, ohne dass sie ihren besonderen Reiz verlieren. Der Name der Rose ist so ein Film.

Ich mag dessen düstere Atmosphäre und das genaue Bild des Mittelalters, das darin entwickelt wird. Auch dass große Teile des Films im nahen Kloster Eberbach gedreht wurden, ist irgendwie cool. Zudem fesselt mich die verworrene, mystisch angehauchte Kriminalhandlung und die teils recht skurrilen Charaktere jedes Mal aufs Neue. Und natürlich ist auch der Umstand, dass eine sagenhafte Bibliothek und ein ganz besonderes Buch eine zentrale Rolle spielen, ganz nach meinem Geschmack.

Umberto Ecos Der Name der Rose spielt 1327 in einem italienischen Benediktinerkloster. Der englische Franziskanermönch William von Baskerville (im Film gespielt von Sean Connery) soll dort als Sonderbotschafter des Kaisers ein hochpolitisches Treffen zwischen den der Ketzerei bezichtigten Minoriten und den Abgesandten des Papstes organisieren. In den sieben Tagen, die er mit seinem Gehilfen Adson von Melk (im Film gespielt von Christian Slater) in Italien verbringt, ereignen sich grauenhaften Tode in der Abtei. Ein Bruder stürzt des Nachts aus dem Fenster. Ein andere ertrinkt in einem Topf Schweineblut. Der dritte wird tot im Waschzuber gefunden. Unter den verstörten Mönchen entstehen die wildesten Gerüchte. Hinter vorgehaltener Hand wird von Dämonen und der beginnenden Apokalypse gesprochen, denn die Fundorte der Leiche erinnern tatsächlich an die Offenbarung des Johannes. William von Baskerville glaubt jedoch an eine sehr viel irdischere Lösung und beginnt zu Recherchieren. Seine Ermittlungen führen ihn in die beinahe schon legendäre Klosterbibliothek, deren Zutritt ihm der Abt untersagte. Aber warum?

Selbstverständlich habe ich es auch mit der Buchvorlage versucht.

Leider erst, nachdem ich den Film schon des Öfteren gesehen hatte, was schon einmal grundsätzlich eine eher schlechte Ausgangslage ist. Die starken Bilder des Films überlagerten meine eigene Fantasie. Ich hatte mit dem Buch aber noch ein anderes schwerwiegenderes Problem: an vielen Stellen unterhalten sich die Mönche auf Lateinisch, zitieren lateinische Texte oder lesen diese vor. Da leider kein Latein verstehe, war ich jedes Mal gezwungen, die Übersetzung im mitgelieferten Anhang nachzuschlagen. In den meisten Fällen stellten sich die Passagen eher als unwichtig für die Gesamthandlung heraus, manchmal jedoch enthielten sie wichtige Informationen. Auch die heute ungebräuchlichen Orts-und Zeitangaben wie beispielsweise Dormitorium für den Schlafsaal sowie die unterschiedlichen Funktionen und Ämter der Mönche in der Abtei, die ich ebenfalls häufig nachschlagen musste, erschwerten mir die Lektüre. Insgesamt empfand ich das Lesen so als recht mühsam.

der-name-der-rose-buchAnstrengend fand ich das Buch auch wegen der vielen gelehrten Dispute, die darin geführt werden. Zwar lernt man so eine ganze Menge über die unterschiedlichen Geisteshaltungen und die Kontroversen zwischen Kaiser und Papst im Mittelalter; der Erzähler schweift dabei jedoch häufig stark von der eigentlichen Handlung ab.
Trotz mehrerer Versuche habe ich das Buch daher stets bereits nach einigen wenigen Kapiteln abgebrochen.

Nun habe ich mir das Hörbuch vorgenommen,

das ich auf dem Audible-Account meines Freundes, den ich mit benutze, gefunden habe. Und siehe da: ich habe Der Name der Rose tatsächlich beendet. Dass ich diesmal tatsächlich durchgehalten habe, liegt hauptsächlich daran, dass die mir so verhassten lateinischen Passagen im Hörbuch irgendwann einfach ausgeblendet und stattdessen die deutschen Übersetzungen darüber gelegt werden. Auch die Tageszeiten, nach denen das Buch anstelle von Kapiteln eingeteilt ist, werden im Hörbuch mit einer kurzen Erläuterung zur ungefähren Uhrzeit versehen, z.B. „Zweiter Tag – Vesper (gegen 16:30 Uhr)“. Dies hat mir einiges deutlich vereinfacht.
Was sich aber natürlich auch im Hörbuch nicht geändert hat, sind die vielen religiösen Diskussionen und Gelehrtenstreits, die in Der Name der Rose geführt werden. Auch der Hang des Erzählers vom eigentlichen Thema abzuschweifen, ist selbstverständlich geblieben. Viele Stellen musste ich mehrmals hören, um wirklich alles zu erfassen. Dies lag teilweise an den komplexen Gedankengängen und Argumentationswegen. Nicht selten habe ich mich aber auch dabei erwischt, wie ich nicht mehr richtig zuhörte, wenn der Erzähler wieder einmal zu sehr abschweifte, und so den Moment verpasst, wo er zur eigentlichen Handlung zurückkehrte. Mühsam war also auch das Hören.

der-name-der-rose-hoerbuch Dennoch bin ich froh, das (Hör-) Buch zum Film nun endlich auch zu kennen. Wie so oft ist es wesentlich detailreiches als der Film, wo die reine Kriminalgeschichte im Mittelpunkt steht. Zwar stehen die Mordermittlungen von William und Adson auch im Buch im Zentrum der Handlung. Hier erhält die Geschichte aber noch eine weitere Ebene, in der es um die Auseinandersetzung zwischen Vernunft und Verstand (verkörpert durch Bruder William von Baskerville) und dem Dämonenglauben und der Irrationalität (verkörpert durch zahlreiche Mönche der Abtei) geht. Diese Ebene wird in der Verfilmung nur schwach transportiert, verleiht der gesamten Geschichte aber eine ganz neue Dimension.
Auch das Ende weist deutliche Unterschiede zwischen Film und Buch auf. Das Buch ist hier noch sehr viel düsterer als der Film, was mir gefiel.

Insgesamt

bin ich froh, dank des guten Hörbuchs nun endlich auch die Buchvorlage zu Der Name der Rose zu kennen. Die Verfilmung, um deren Schwachstellen ich nun weiß, werde ich beim nächsten Mal wohl mit anderen Augen sehen. Dennoch wird es wohl keines meiner Lieblings-(hör-)Bücher werden. Dazu war es mir schlichtweg zu mühsam und anstrengend.

2 Kommentare

  1. Pingback: [Die Sonntagsleserin] Oktober 2016 | Phantásienreisen

  2. Liebe Kerstin,

    da kann ich doch nur zustimmen, wenn ich auch das Buch immer noch nicht vollständig gelesen habe. Immer wieder habe ich abgebrochen, es hat mich schlichtweg gelangweilt 😉 – Aber der Film war einfach genial! Und auch das Hörbuch habe ich ganz gern gehört, wobei mein Favorit immer noch der Film ist 🙂

    Ganz liebe Grüße
    Elke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.