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Von SuB-Leichen und falschem Geiz

So sehr ich meine Bücher auch liebe; manchmal erschrecke ich beim Blick in mein Regal. Aber nicht etwa weil es unordentlich wäre oder mir der Lesestoff auszugehen droht. Gott bewahre! Ganz im Gegenteil ist es vielmehr so, dass es mich an manchen Tagen deprimiert, wie unfassbar lange manche Bücher schon ungelesen dort herum stehen. Und das obwohl ich sie eigentlich unbedingt lesen wollte und noch immer will.

Ein besonders dramatisches Beispiel ist die „The First Law“-Trilogie von Joe Abercrombie, die nun schon seit sage und schreibe 5 (in Worten: fünf!) Jahren ungelesen in meinem Regal versauert. Davor stand es beinahe genauso lang auf meiner Wunschliste. Aber wie konnte das nur passieren?

Noch immer habe ich die feste Absicht, die Bücher auch zu lesen. Irgendwann. Erst recht nachdem mir T.S. Orgel im Interview verrieten, dass sie gerne einmal mit Joe Abercrombie etwas trinken gehen würden. Am fehlenden Interesse oder geänderten Lesevorlieben liegt es also nicht. Trotzdem habe ich das Lesevorhaben immer wieder verschoben und andere Bücher vorgezogen.

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Die beiden größten Nachteile der Trilogie-Ausgabe in meinem Regal sind wohl, dass ich sie zum einen im englischen Original gekauft habe und es zum anderen Taschenbücher und keine eBooks sind.

Hier hat mich tatsächlich der Geiz zu einer dramatischen Fehlentscheidung getrieben. Zwar habe ich die Reihe günstig im Rahmen einer Rabattaktion erworben; die galt aber eben nur für die englischen Taschenbücher. Die drei Bücher haben mich zusammen nur so viel gekostet wie im Normalfall ein einziges Taschenbuch. „Bei so einer Ersparnis nehme ich doch gerne ein paar Unannehmlichkeiten in Kauf.“, dachte ich mir ziemlich leichtfertig und schlug zu.

Allein die Realität belehrte mich eines besseren. Noch immer stehen die drei Taschenbücher vollkommen jungfräulich in meinem Regal, weil das Lesen eines englischen Buchs auf Papier einfach so unglaublich unpraktisch ist.  Wären es eBooks könnte ich Worte und Ausdrücke, die ich nicht kenne, im integrierten Wörterbuch des eReaders nachschlagen. Bei einem Taschenbuch muss ich mit einem zweiten Buch bzw. dem Handy oder Tablet hantieren. Jaja, ich weiß: das hätte mir auch vorher schon klar sein können und war es ja auch. Da ich zwischenzeitlich aber zu 95% unterwegs lese, schreckt mich dieser Gedanke nun doch wesentlich mehr ab als erwartet.

Hinzu kommt, dass die Bücher mit mehr als 500 Seiten in Band 1 & 2 und sogar fast 700 Seiten in Band 3 einen ziemlichen hohe Umfang haben. Auch hier ist es nicht förderlich, dass ich mich für die englischen Originale entschieden habe, bei denen ich natürlich noch einmal wesentlich langsamer vorankommen werde als in der deutschen Übersetzung.

Zu allem Überfluss rechne ich die Lesezeit, die ich mit der Trilogie voraussichtlich verbringen werde, auch noch ständig in deutschsprachige Bücher um, von denen ich ja auch noch genug ungelesen herumstehen habe.

Und so macht mir nun auch noch falscher Ehrgeiz (nämlich möglichst viele Bücher pro Monat zu lesen) einen Strich durch die ursprünglich so schöne Rechnung.

Bislang habe ich leider noch keine rechte Lösung für diese Misere gefunden, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Und bis es soweit ist, bleiben diese drei SuB-Leichen einfach als eine Art persönliches Mahnmal gegen falschen (Ehr-)Geiz ungelesen in meinem Regal stehen.

Aber das Bücherregal ist ja nur ein Teil des „Problems“.

Das volle Ausmaß erkennt man bei mir erst, wenn man auch meinen digitalen SuB – ja, den habe ich natürlich auch – betrachtet. Hier gilt dann leider doch allzu oft „aus den Augen, aus dem Sinn“. Gleichzeitig ist die Gefahr des nahezu unkontrollierten Wachsens bei mir wesentlich größer, weil ich so viel leichter Zugang zu eBooks habe – rund um die Uhr und ohne das Haus zu verlassen. Außerdem nehmen sie ja auch keinen Platz in Anspruch. Wenn ich dann in einem Newsletter ein auch nur entfernt interessantes eBook entdecke, das gerade im Preis reduziert ist, gewinnt regelmäßig meine innere Schnäppchenjägerin. Aber was spare ich denn wirklich, wenn ich eBooks zwar reduziert kaufe, aber dann nicht lese?!
Der vernünftige Teil von mir weiß sowohl um meine diversen SuB-Leichen als auch um meinen falschen Geiz. Aber mit rationalen Argumenten kann ich mir selbst in Bezug auf Bücher nur schwer beikommen.

Bitte sagt mir nun zur Beruhigung meines schlechten Gewissens, dass es zumindest einigen von Euch ähnlich geht:

Welches Buch ist Eure älteste SuB-Leiche und wie alt ist sie?
Fallt auch Ihr immer wieder falschem Geiz zum Opfer?

Ich bin gespannt auf Eure Erfahrungen.

7 Kommentare

  1. Liebe Kerstin,
    du sprichst mir aus der Seele. Auch mich erschreckt mein SuB manchmal sehr, besonders wenn dort Herzensbücher ungelesen stehen bleiben.
    Auf meinem Rede zähle ich die ungelesenen gar nicht mehr zum SuB dazu. Die eBook Shoppingsucht habe ich aber mittlerweile besser im Griff. Ich überlege nun 3x, ob ich es wirklich haben will und lasse mir 2 Tage zeit, darüber nachzudenken 🙂

    Liebe Grüße, Vanessa

  2. Annegret sagt

    Liebe Kerstin,
    ich bin weitaus schrecklicher als Du. Ich habe stapelweise ungelesener Bücher und kann es mir trotzdem nicht verkneifen, hier und da ein neues (gebrauchtes) Buch zu kaufen. Was noch viel schrecklicher ist, ist, daß ich gleichzeitig an mehreren Büchern lese. Ist das noch zu überbieten?

    Viele Grüße, Annegret

  3. Hallo Kerstin,

    ich kenne und verstehe deine Probleme, denn diese habe ich auch.

    Ich weiß, dass du du zwar wirklich gut beschäftigt bist mit dem einen oder Anderen Buch aber du kannst sehr gerne auf meinem Blog an einem Gewinnspiel teilnehmen. Ich verlose monatlich 1 Buch, was ihr euch selbst wünschen dürft ^^ 🙂

  4. Liebe Kerstin,
    die 5 Jahre können mich nicht schocken. Ich habe drei Bücher eines Autors im Regal, die schon so lange (noch in der Folie!) im Regal warten, dass dieser Umstand von meinen lieben Kindern als Running Gag missbraucht wird. Aber es schieben sich ständig Bücher davor. Und nun sag: Ist das meine Schuld, dass sich immer wieder andere Titel vordrängeln? 😉
    Liebe Grüße
    Ina

  5. Liebe Kerstin,
    wer kennt das nicht. Hier stehen manche Bücher auch schon Jahre im Regal und der eBook-SUB, ach lass uns erst gar nicht daran denken ;-). Aber ich sage mir immer wieder zur Beruhigung, ich werde sie alle irgendwann noch lesen und schließlich bin ich nicht allein (wie man sieht/liest hihi). Und mal ganz ehrlich, was gibt es denn schöneres als einen ausgiebigen Besuch in einer schönen Buchhandlung?
    Liebe Grüße von einer Leidensgenossin!
    Heike

  6. coala sagt

    Auch mir sprichst du aus der Seele und ich fühle mich dir und allen Kommentatorinnen hier unglaublich verbunden, da ich mit den gleichen Problemen kämpfe. Manchmal fühle ich mich vom Überangebot an interessanten Büchern schlicht erschlagen und doch will ich sie alle lesen! Und besitzen! Und und und…
    Ich habe zwar mein Lesetempo schon erstaunlich gesteigert und lese wirklich viel so übers Jahr, habe aber trotzdem das Gefühl, dass ich nicht hinterher komme und jeder gefühlt andere tolle Bücher liest als ich. Es ist ein Teufelskreis. 😀 Aber nur keinen Druck aufbauen lassen und einfach fleißig weiter lesen…

  7. Ich erinnere mich ganz dunkel, dass ich vor zwei oder drei Jahren im Blog von einem Schuhkauf berichtete, auf den auf dem Rückweg vom Schuhgeschäft ein Spontankauf von zwei MEs folgte, die mich ja sooooooooowas von angesprungen hatten. Die liegen seither hier also nun so im Regal rum.
    Das dürften auch so ziemlich die letzten gedruckten Exemplare gewesen sein, die ich hier selbst angeschleppt habe (also die abgesehen von ein paar Rezi-Exemplaren „real“ eingezogen sind), weil eigentlich lese ich inzwischen längst viel lieber digital.

    Mein alter Blätter-Kindle ist jetzt sechs Jahre alt und schon mit dem Reader habe ich angefangen, auch mal bei interessent klingenden Kostenlos-Aktionen zuzuschlagen: Die eBook-Anzahl in meiner Cloud dürfte fünfstellig sein, die Anzahl der ungelesenen eBooks dabei immer noch vierstellig. Kürzlich habe ich bemerkt, dass ich da bei mir so auch diverse eBooks lagern habe, die offiziell längst nicht mehr zu haben sind. 😀 Ich könnte irgendwann noch ’nen Blog aufbauen, auf dem ich dann diese „Geisterbücher“ vorstelle, würden wohl auch jetzt schon für genügend Inhalte reichen.
    Ich hab letztens aber noch eines der Gratis-eBooks von vor 4 1/2 Jahren gelesen: Das war gut und da dachte ich mir nur, dass es sich ja doch gelohnt hat, da zuzugreifen. Und ich rede mir auch immer sehr erfolgreich ein, irgendwann tatsächlich alle bisherigen und zukünftigen von mir bezogenen Bücher tatsächlich zu lesen geschafft zu haben. Auch wenn ich, realistisch betrachtet, dazu wohl 227 Jahre alt werden müsste. Mindestens.

    LG,
    Tanja

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