E-Reading
Kommentare 10

Getestet: mit der Papego-App kostenlos mobil weiterlesen

Pendler (wie ich) kennen das Problem: man hat am Wochenende auf der heimischen Couch ein spannendes neues Buch begonnen. Das möchte man nun natürlich am Montag auf dem Weg ins Büro weiterlesen. Aber zusammen mit dem Frühstücksjoghurt, der Banane und dem Thermobecher für den Tee wird die Handtasche reichlich voll. Außerdem ist es ziemlich schwer. Jetzt wäre es schön, als EBook weiterlesen zu können. Aber noch einmal Geld für das EBook ausgeben?! – Natürlich hätte man sich auch gleich dafür entscheiden können. Aber so ein EBook kann man dann leider nicht ins Regal stellen.

Eigentlich wäre die Lösung ganz einfach: ein Bundle aus Papierbuch und EBook. Leider spielt hier aber der deutsche Gesetzgeber nicht mit, der Druckerzeugnisse anders besteuert als digitale Texte. Die kostenlose Papego-App der Firma Briends um Erfolgsautor Dr. Karl-Ludwig von Wendt alias „Karl Olsberg“ bietet nun eine andere clevere Lösung an.

Wie funktioniert die Papego-App?

Mit der Papego-App kann man sich bis zu 25% eines Buchs auf das Smartphone oder Tablet laden. Voraussetzung dafür ist eine Internetverbindung und ein papego-fähiges Buch. Vor allem letzteres ist aktuell noch das größte Problem. Lediglich der Piper Verlag stattet zur Zeit einen Teil seiner Bücher mit dieser Möglichkeit des mobilen Weiterlesens aus.

Papego-Sticker

Der gelbe Sticker gekennzeichnet Papego-Bücher.

Zu erkennen sind die Bücher leicht am gelben Aufkleber auf dem Cover sowie einem Lesezeichen, das darauf hinweist. Ich habe den Papago-Sticker zum ersten Mal auf „Feuerstimmen“ von Christoph Hardebusch entdeckt.

Die Handhabung der Papago-App ist denkbar einfach. Sie kann kostenlos auf Android- und Apple-Handys und -Tablets installiert werden. Das kann man hier tun:

Zur Android-App Zur Apple-App

Alles andere ist dann kinderleicht: man braucht nur die letzte gelesene Buchseite zu scannen. Die Papego-App erklärt hierbei sehr gut, worauf es dabei ankommt:

IMG_1213

Screenshot 1: Anleitung zum Seite Scannen

Die App erkennt anhand des Textausschnitts das Buch und die betreffende Stelle und lädt den nächsten Textabschnitt herunter. Bei mir funktionierte dies gleich beim ersten Versuch tadellos. Der Textabschnitt landet dann nach kurzer Wartezeit inklusive Cover in der Papego-App.

IMG_1210

Screenshot 2: Bereitstellung des Textausschnitts

Durch einfaches Antippen öffnet sich der Text. Im Lesemodus der Papego-App lässt sich lediglich die Schriftgröße – immerhin stufenlos – einstellen. Wie ich es auch vom Tolino gewohnt bin, kann an die Einstellungen aufrufen, indem man auf den unteren Bildschirmrand tippt. Dann werden auch die „echten“ Seitenzahlen der Printausgabe angezeigt. So ist der Wechsel zurück zum Papier leicht.

IMG_1212

Screenshot 3: Einstellungen im Lesemodus

Auch das Blättern funktioniert, wie man es von den E-Readern kennt: durch Antippen des rechten Bildschirmrands blättern man nach vorne. Zum Zurückblättern tippt man auf den linken Bildschirmrand.

Wie gefiel mir die Papego-App?

Eines muss man ihr lassen: die Papego-App ist wirklich kinderleicht und weitestgehend intuitiv bedienbar. Da, wo sie es nicht ist, helfen leicht verständliche Erläuterungen. Auch blättert die App im Lesemodus schnell um und reagierte bei mir sehr flüssig und zuverlässig.

Allerdings ist es für mich ein echter Nachteil, dass sie eine Kamera braucht und so (noch?) auf keinem E-Reader benutzt werden kann. So ist man leider gezwungen, am wesentlich schlechteren Handy- bzw. Tablet-Display zu lesen. Es mag an meinen schlechten Augen liegen, aber mich strengt längeres Lesen am spiegelnden Tablet-Display wesentlich mehr an als auf einem E-Reader.

Ein vollwertiger EBook-Ersatz ist es für mich auch deshalb nicht, weil ich nicht das ganze Buch sondern nur einen Ausschnitt bekomme. Da ich (fast) ausschließlich im Zug lese, hatte ich während meines Tests stets Angst, dass der Textabschnitt endet, bevor ich wieder zu Hause bin. Deswegen hatte ich zur Sicherheit dann doch auch noch das Printbuch dabei. Der eigentliche Zweck der Papego-App war damit weg. Auch wenn die bereitgestellten Textabschnitte zugegebener Maßen wesentlich länger waren, als ich vermutet hätte, war ich doch vor allem dann, wenn ich auch noch in der Mittagspause las, froh, dieses „Backup“ dabei zu haben.

Fazit:

Die Papego-App ist ein cleverer Lösungsansatz für das deutsche EBook-Bundle-Problem. Sie ist einfach und intuitiv zu bedienen und damit sehr benutzerfreundlich. Nachteil ist jedoch, dass man nur einen Ausschnitt des Buchs bekommt und am Handy- oder Tablet-Display lesen muss. Auch gibt es aktuell noch nicht viele papego-fähige Bücher. Ob und wann sich das ändert, wird sicher auch davon abhängen, wie gut diese Möglichkeit angenommen wird.

Für mich, die ich fast ausschließlich im Zug lese, war das Lesen mittel Papego-App leider nicht optimal. Wer jedoch überwiegend zu Hause und nur gelegentlich unterwegs liest, für den ist Papago genau das richtige.


Weitere Infos:

Besonders hilfreich, um einen ersten Eindruck der Papego-App zu bekommen, fand ich dieses YouTube-Video:

Zum Youtube-Video

Auf dem Blog „Papiergeflüster“ gibt es einen Bericht zur Papego-App aus Buchhändlersicht. Hier wird auch ausführlicher auf die Mehrwertsteuerproblematik eingegangen.

Zum Beitrag auf Papiergeflüster

Außerdem gibt es eine schöne Homepage der Entwicklerfirma Briends, auf der die App schön vorgestellt wird.

Zur Briends-Homepage

10 Kommentare

  1. Danke, dass du den Test gemacht und darüber berichtet hast!
    Ich habe in den letzten Tagen immer mal wieder bei Twitter von der App gelesen und werde sie mir nun auch mal ansehen. Dass man nur 25% des nachfolgenden Textes zu Verfügung gestellt bekommt, finde ich für den Anfang gar nicht schlecht. Natürlich verstehe ich deine Bedenken, dass es nicht reicht, wenn man länger unterwegs ist, ebenfalls gut. Man muss nur bedenken, dass es auch weniger sein könnte, da die App kostenlos ist.
    Vielleicht unterstützen bald mehr Verlage dieses Prinzip.

    Liebe Grüße,
    Lauretta

  2. Ich finde es auch immer schade, das ich das dicke Buch mitnehmen muss. Allerdings lese ich auf dem Handy auch nicht besonders gerne. So werde ich wohl dabei bleiben, entweder zu Hause zu lesen oder mir das Gewicht in die Taschen zu stopfen.
    Vielleicht gibt es ja mal eine Alternative.
    Liebe Grüße
    Andrea

  3. Vielen Dank für deinen Test-Bericht. Diese Lösung ist vielleicht nicht der Weisheit letzter Schluss, aber ein Schritt in die richtige Richtung. Ich werde jetzt mal auf den gelben Aufkleber achten.
    Liebe Grüße
    Ina

  4. Vielen Dank für den ausführlichen Testbericht! Erstmalig ist mir auf der Buchmesse ein Buch mit dem Papego-Sticker untergekommen – natürlich aus dem Piper Verlag.
    Bei mir ist es leider ähnlich wie bei Dir: Langes Lesen auf spiegelnden Oberflächen strengt meine Augen sehr an, wohingegen der matte Bildschirm eines eReaders wesentlich angenehmer ist. Wo es geht meide ich daher das Lesen von langen, zusammenhängenden Texten auf dem Tablet/Handy. Der Ansatz ist auf jeden Fall spannend und vielleicht entwickelt Papego irgendwann auch eine Lösung für Buch zu eReader.

    Liebe Grüße,
    Caro

  5. Vielen Dank für den Test! Eigentlich eine richtig nette Idee 🙂 Mit dem Handy kann ich zwar nicht lesen (bekomme Kopfweh), aber vielleicht funktioniert das Ganze ja auch auf Android E-Readern? Ich habe einen Icarus Illumina. Bisher lese ich begonnene Printbücher per Skoobe auf dem Reader weiter. Man muss etwas scrollen um die richtige Seite zu finden, ansonsten klappt das aber gut. Skoobe ist allerdings kostenpflichtig. Falls ich einmal ein Buch finden sollte, mit dem Papego funktioniert, werde ich das testen.

    LG Katharina

    • Kerstin Scheuer sagt

      Aktuell gibt es leider noch keinen eRrader auf dem Markt, der eine Kamera eingebaut hat. Die braucht man aber, damit die App richtig funktioniert. Aber vielleicht kommt das ja noch…

      • Ich dachte, dass man das Buch ja vielleicht mit dem Handy einscannen könnte und dann mit dem Reader lesen und die App dafür auf beiden Geräten installieren. Aber das wird dann wohl leider nicht gehen. Dann muss man vermutlich noch etwas abwarten.

        • Kerstin Scheuer sagt

          Das ist ja eine tolle Idee! Im Moment wird aber auch das vermutlich nicht gehen, denn man muss sich nicht anmelden, um die App nutzen zu können. Für so eine Funktion müsste man dann wieder ein Konto anlegen und Daten preisgeben. Aber der Gedanke ist trotzdem nicht schlecht.

  6. Als ich auf Twitter davon las, Papierbücher digital weiterlesen zu können, war ich interessiert. Aber dann kamen die schon von dir kritisierten Einschränkungen, dass ich keinen EBook-Reader dafür nutzen kann und es nur mit 25% geht. Ich finde eine Lösung per App auch generell nicht praktisch, nicht nur weil ich bei der Auswahl von iOS und Android mit meinem Smartphone außen vor bin und gucken müsste, ob sie auf dem alten iPad (und dann spare ich nicht am Gepäck bei dem Gewicht) oder dem noch älteren Android-Gerät (winziges Display) überhaupt läuft…

  7. Pingback: Rezension 125: „Feuerstimmen“ von Christoph Hardebusch – Kerstin Scheuer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.