Alle Artikel in: 3 Herzchen

„Dämmerung über Birma. Mein Leben als Shan-Prinzessin“ von Inge Sargent

Dieser Rezension möchte ich eine Warnung vorweg schicken: Auf den Besitz dieser Autobiografie stehen 17 Jahre Gefängnis! Nicht bei uns. Gottseidank! Aber in Myanmar, dem ehemaligen Birma, in dem diese Autobiografie spielt. Es ist die wahre Geschichte einer jungen Österreicherin, die sich in den herrschenden Shan-Prinzen von Birma verliebt und mit ihm in dessen Heimat ein vollkommen neues Leben beginnt. Frei von jedem zu erwartenden Cinderella-Kitsch erzählt Inge Sargent ein Stück birmesische Geschichte. Worum geht es? Anfang der 50er Jahre verliebt sich die junge Österreicherin Inge Sargent, während ihres Studiums in den USA, in den angehenden birmesischen Bergbauingenieur Sao Kya Seng. Das Paar heiratet und zieht 1953 nach Birma. Erst dort erfährt Inga, dass ihr Ehemann Prinz eins birmesischen Bergstaats und Oberhaupt der Shan ist. Vollkommen unvorbereitet ist sie plötzlich Teil der fürstlichen Familie mit Repräsentationspflichten in einem Land, dessen Kultur und Gebräuche ihr gänzlich fremd sind. Aber so richtig schwierig wird es für Inge erst, als ihr Mann während eines Militärputschs 1962 verschleppt wird, und sie mir ihren beiden Töchtern in einer politisch höchst …

„Letzte Runde“ von Stefanie Schleemilch

Stefanie Schleemilch wurde 1986 in Tettnang am Bodensee geboren. Sie studierte Politikwissenschaften und Philosophie in Tübingen, wo sie auch heute noch lebt. Ihr Debütroman „Letzte Runde“ ist im Oktober 2015 im Duotincta Verlag erschienen. Ich habe das Buch zusammen mit den beiden anderen Veröffentlichungen des Verlags auf der Frankfurter Buchmesse bekommen. Verleger Jürgen Volk legte es mir besonders ans Herz. Er zeigte sich vor allem vom Einstieg in die Story begeistert und weckte damit meine Neugier. Worum geht es? Laszlo floh in jungen Jahren aus dem sozialistischen Ungarn in die Schweiz. Nun steht sein Tod unmittelbar bevor. Dies weiß er deshalb so genau, weil er ihn selbst geplant hat. Bevor er sich jedoch auf den Weg nach Zürich in die Sterbeklinik macht, gibt es noch ein paar Dinge zu regeln. Dies betrifft nicht nur die Auflösung des eigenen Haushalts; Laszlo möchte auch seine Geschichte erzählen und die Manuskripte seines verstorbenen Freundes Dominik weitergeben. Aber wieso wählt er dafür ausgerechnet Constantin, einen für ihn eigentlich vollkommen fremden aus? Und was geht einem Menschen so kurz vor seinem Tod …

„Baba Dunjas letzte Liebe“ von Alina Bronsky

Alina Bronsky wurde 1978 im Jekaterinenburg in Russland geboren. Seit den 90er Jahren lebt sie in Deutschland. Bereits ihr Debütroman „Scherbenpark“ wurde zum Bestseller und ist mittlerweile verfilmt. Für ihren aktuellen vierten Roman „Baba Dunjas letzte Liebe“ wurde sie für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert. Sie lebt mit ihren vier Kindern und ihrem Mann in Berlin. Ihre Bücher veröffentlicht sie unter einem Pseudonym. Worum geht es? Im Alter von über 80 Jahren kehrt Baba Dunja in ihr Heimatdorf Tschernowo zurück. Mitten in der radioaktiv verseuchten Todeszone führt sie ein einfaches und autarkes Leben. Das Wasser kommt aus dem Brunnen, der Telefonanschluss funktioniert nur sporadisch und das Essen stammt weitestgehend aus dem eigenen Garten. Bald folgen andere ihrem Beispiel. Es entsteht eine starke und enge Dorfgemeinschaft. Diese gerät jedoch kurzzeitig ins Wanken, als ein Vater mit seiner jungen Tochter nach Tschernowo zieht. Wie fand ich… …den Einstieg? Es dauerte einige Seiten, bis ich tatsächlich ganz in der Geschichte ankam. „Baba Dunjas letzte Liebe“ beginnt ohne lange Einführungen mit einem typischen Tagesbeginn in Tschernowo. Ausführlich wird dargestellt, …

„Slum. Eine Geschichte von Leben, Tod und Hoffnung“ von Katherine Boo

Von diesem Sachbuch der Pulitzerpreisträgerin Katherine Boo habe ich mir viel versprochen. Ich erwartete nicht nur ein Porträt über „Annawadi“, einen Slum in Mumbai, sondern auch eine kritische Darstellung, inwiefern der reiche Westen die dortigen Lebensverhältnisse beeinflusst. Vorgefunden habe ich einen unterhaltsam und flüssig zu  lesenden Text mit Romancharakter. Katherine Boo zeichnet zwar vielschichtige Porträts der Bewohner Annawadis; die  bisweilen ironische Erzählweise und der locker, humorvolle Sprachstil wollten für mich aber nicht so recht zum Thema des Buchs passen. So entstand leider der Eindruck, dass das Leben im Slum zwar mühsam, anstrengend und ärmlich aber doch irgendwie ganz lustig ist. Schade! Aus dem Stoff hätte man definitiv mehr machen können. Worum geht es? Der Mumbaier Slum „Annawadi“ liegt eingepfercht zwischen dem internationalen Flughafen und ein paar teueren westlichen Luxushotels. Der Kontrast beider Welten könnte nicht größer sein, denn die Slum-Bewohner kämpfen täglich ums nackte Überleben, um genügend Nahrung und ein Dach über dem Kopf und träumen von einem besseren Leben. Aber Korruption, Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Religionen und das Kastensystem erschweren ihnen den Weg auf dem Dreck der Straße. Pulitzerpreisträgerin Katherine …

„Flüchtige Seelen“ von Madeleine Thien

Wieder einmal habe ich mich bei der Wahl meiner Lektüre auf Litprom verlassen und den Gewinnerroman des LiBeratur Preises 2015 gelesen, ohne mich im Vorfeld genauer darüber zu informieren. Mit „Flüchtige Seele“ von Madeleine Thien habe ich einen anspruchsvollen und traurigen Roman über das oft lebenslängliche Leiden von Flüchtlingen gefunden. Leider war dieses hochaktuelle Thema in einer sehr emotionslosen Sprache erzählt, die mich nicht berühren konnte.   Worum geht es? Als Janies Vorgesetzter und Mentor Hiroji von einem Tag auf den anderen spurlos verschwindet, macht sich Janie selbst auf die Suche nach ihm. Die Spur führt ausgerechnet nach Kambodscha, wo Hirojis Bruder vor vielen Jahren verscholl, nachdem er dort als Mitarbeiter für das Rote Kreuz tätig war. So wird Janie, die selbst als junges Mädchen vor der Roten Khmer aus Kambodscha floh, von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt. Warum habe ich es gelesen? Madeleine Thien wurde für „Flüchtige Seelen“ in diesem Jahr mit dem LiBeratur Preis ausgezeichnet. Mir war sie bis dahin völlig unbekannt. Da sie sich aber gegen starke Konkurenz durchsetzen konnte, wurde ich neugierig …

„Mutige Frauen: Flintenweiber, Königinnen, Kurtisanen“ von Peter Braun

Als Kind habe ich „Pippi Langstrumpf“ geliebt. Als Jugendliche wollte ich eine Zeit lang Schriftstellerin werden, weil es mich ärgerte, wie wenige starke weibliche Figuren, es in der Jugendliteratur seinerzeit gab. Und auch heute noch lese ich sehr gerne von außergewöhnlichen, starken Frauen, die sich für eine Sache, an die sie glauben, auch allen bestehenden Konventionen zum Trotz einsetzen. Mit „Mutige Frauen: Flintenweiber, Königinnen und Kurtisanen“ von Peter Braun bin ich nun auf eine inspirierende Sammlung weiblicher Kurzbiografien gestoßen, die Lust auf mehr machten. Worum geht es? Beim Blick in die Geschichtsbücher entsteht schnell der Eindruck, dass unsere Welt in der Vergangenheit ausschließlich von Männern dominiert wurde. Frauen kommen meist gar nicht vor; und wenn doch, dann bestenfalls in einem Nebensatz. Das Bild von der braven, zurückhaltenden, häuslichen Ehefrau und Mutter bestimmte über Jahrhunderte den Platz der Frauen in der Gesellschaft. Wer jedoch etwas genauer hinschaut, stellt fest: es gab sie schon immer – kluge, starke, selbstbewusste und mutige Frauen, die sich über die bestehenden Konventionen und Widerstände hinwegsetzten, um ihren Lebenstraum zu verwirklichen. Zehn beeindruckende Lebensläufe solcher außergewöhnlicher Frauen …

„Die Königin der Schatten“ von Erika Johansen

Endlich gibt es den im Ausland bereits gefeierten Fantasy-Mehrteiler „The Queen of Tearling“ von Erika Johansen auch auf deutsch. Ich hatte die große Ehre, ihn bereits vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin lesen zu dürfen. Der Roman ist vor allem eines, nämlich spannend. Leider entdeckte ich jedoch auch einige Schwächen. Worum geht es? Tearling ist ein armes Land, das hauptsächlich von der Landwirtschaft lebt. Vor 20 Jahren schloss es einen grausamen Pakt mit dem mächtigen Nachbarland Mortmesne, um dessen blutige Invasion zu beenden. Seitdem bestimmen Korruption und Intrigen das Leben am Hof zu Tearling. Dann aber besteigt Kronprinzessin Kelsea Glynn den Thron und räumt nicht nur am Hof auf, sondern beendet auch die Ungerechtigkeit in ihrem Land. Damit verdient sie sich zwar die Sympathie und Gunst des einfachen Volkes, schafft sich jedoch sowohl im Tearling als auch in Mortmesne einflussreiche Feinde. Wird sie lange genug leben, um ihren Traum von einem besseren und gerechteren Tearling verwirklichen zu können? Warum habe ich es gelesen? Ich habe eine Schwäche für fantastische Abenteuer; und „Die Königin der Schatten klang ganz …

„Der Architekt des Sultans“ von Elif Shafak

Mit „Der Architekt des Sultans“ legt Elif Shafak eine beeindruckend ideen- und detailreiche literarische Chronik über die Blütezeit Istanbuls vor. Es ist ein atmosphärisch dichtes Buch über die Liebe zur Architektur und den außergewöhnlichen Schöpfergeist des einstigen Hofarchitekten Sinan. Geschickt und einfallsreich verknüpft Shafak geschichtliche Fakten mit literarischer Fiktion zu einem ebenso lehrreichen wie unterhaltsamen Roman. Trotz kleiner Mängel im Spannungsaufbau und gewisser Längen schaffte es Shafak, mich zu bewegen. Und ist es nicht genau das, was gute Literatur letztendlich ausmacht? Bewertung: ♥♥♥♥♥ lesenswert Worum geht es? Istanbul. 1540. Nach dem Tod seiner Mutter flieht Jahan vor seinem brutalen Stiefvater auf einem Frachtschiff und gelangt nach Istanbul, wo er als Elefantenführer in den Dienst des Sultans eintritt. Seine aufgeweckte Art und Intelligenz lassen ihn schnell zum Schüler des Hofarchitekten Sinan aufsteigen. Außerdem lernt er Prinzessin Mihrimah kennen, seine einige große und unerreichbare Liebe. In seiner kindlichen Naivität gerät er in zahlreiche Intrigen, Verstrickungen, Hinterhalte, Gefahren und sogar Kriege. Warum habe ich es gelesen? Während meines letzten beruflichen Aufenthalts in Istanbul wurde ich auf die türkische Autorin …