Alle Artikel in: 3 Herzchen

„Putzfrau bei den Beatles“ von Birgit Rabisch

Wie bereits in ihren beiden vorangegangenen Romanen schildert Birgit Rabisch auch in Putzfrau bei den Beatles den Konflikt zwischen der 68er Generation und deren Nachkommen. Und diesmal geschieht dies auf besonders unterhaltsame Weise. Aber vielleicht bin ich da auch ein wenig voreingenommen. Denn für etwas, bei dem es um die Beatles geht, bin ich immer zu haben. In diesem Fall dreht es sich aber nicht um die Fab Four aus Liverpool, sondern um eine Senioren-WG. Früher traten die Rentner als Beatles Coverband auf. Noch heute spricht man sich untereinander mit den Bühnennamen – George, Paul, John und Ringo – an. Da lag es nahe, die WG Yellow Submarine zu nennen. Für den Haushalt ist Jana zuständig, die sich neben ihrer Putzstelle als Schriftstellerin versucht. An die Spleens ihrer Arbeitgeber hat sie sich längst gewöhnt. Erst als der zwölfjährige Leander plötzlich vor der Tür steht und behauptet, Pauls Enkel zu sein, ist es mit dem Frieden der Senioren vorbei. Okay, Titel und Cover sprachen mich nicht wirklich an. Wäre das – wie bei vielen anderen Büchern, …

Klassentreffen in Hogwarts

Als Anfang des Jahres bekannt wurde, dass das Drehbuch zum Harry Potter-Theaterstück parallel zur Uraufführung in London veröffentlicht werden soll, war ich begeistert. Selbst die anfängliche Enttäuschung darüber, dass es sich nicht um einen “richtigen“ neuen Roman handelte, währte nur kurz. Ein neuer Harry Potter ist schließlich ein neuer Harry Potter! Ich habe das gute Stück also vorbestellt. In Englisch und als eBook, damit ich es zum Erscheinungstermin auch auch ganz sicher sofort erhalten würde. Sogar über ein paar Tage Leseurlaub dachte ich nach. Als es dann am 31.07. – Harry Potters Geburtstag – endlich so weit war, blieb ich extra bis nach Mitternacht wach, um das eBook als eine der ersten herunterladen zu können. Dieser Versuch scheiterte zwar, weil der Download erst ab 9:30 Uhr bereit stand, dennoch dürfte ich wohl zu den ersten gehört haben, die an diesem denkwürdigen Sonntag die Möglichkeit bekamen, den neuen Harr Potter zu lesen. „Harry Potter and the Cursed Child“ zu lesen, fühlte sich ein bisschen an, wie ein Klassentreffen zu besuchen. Man trifft alte, zum Teil halb …

„Saisonarbeit. Volte #2“ von Heike Geißler

Als ich mich im Juli durch das Programm von Mikrotext las, durfte auch „Saisonarbeit“ von Heike Geißler nicht fehlen. Zwar handelt es sich hierbei nicht um einen eShort, die eigentliche Spezialität des Digitalverlags. Nachdem ich das eBook aber bei „Literary Hub“ auf der Liste „10 Books by Women We´d love to See in English“ entdeckte, war ich natürlich neugierig. Heike Geißler wurde 1977 in Sachsen geboren. Für ihren ersten Roman“ Rosa“ erhielt sie 2001 den Alfred-Döblin-Förderpreis. 2007 folgte der Text „Nichts was tragisch wäre“, bevor sie 2008 am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teilnahm. Neben der Heftreihe „Lücken kann man lesen“ ist „Saisonarbeit“ ihre vierte Veröffentlichung. Heike Geißler mit zwei Kinder und lebt als freie Schriftstellerin in Leipzig. Worum geht es? Um ihre Finanzen aufzubessern hilft die freier Schriftstellerin und Übersetzerin Heike Geißler in der Vorweihnachtszeit für sechs Wochen als Lageristin bei Amazon aus. „Saisonarbeit“ handelt von ihren Erlebnissen während dieser Zeit. Wie hat es mir gefallen? „Saisonarbeit“ ist nicht der „Inside Amazon“-Bericht, den ich eigentlich erwartet hatte. Darüber war ich zwar anfangs ein wenig enttäuscht; tatsächlich …

„Lasst mich da raus“ von Maria Sonia Cristoff

Mit „Lasst mich da raus“ wurde Maria Sonia Cristoff für den LiBeratur Preis 2016 nominiert, für den man noch bis zum 31.05. abstimmen kann. Ich kann die Nominierung zwar durchaus nachvollziehen, denn das Buch enthält einige herrlich schräge Ideen und skurrile Figuren. Auf Grund der sprachlichen Sperrigkeit des Werks gehört es jedoch nicht zu meinen persönlichen Favoriten. Maria Sonia Cristoff wurde 1965 in Patagonien geboren. Sie studierte Literatur in Buenos Aires, wo sie auch heute noch lebt. Worum geht es? Mara hat ihr Leben als Konferenzdolmetscherin gehörig satt. Sie will nicht länger um die Welt jetten, in den ewig gleichen Hotels übernachten und Reden dolmetschen, bei denen sie bereits nach wenigen Worten weiß, wie sie weitergehen werden. Nachdem sie ihre Anstellung nach dem „berühmt-berüchtigten Gipfeltreffen“ los wird, beschließt Mara daher, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und ihr gesamtes Leben gehörig „gegen den Strich zu bürsten“. Ein Jahr lang möchte sie „im Austausch mit der Welt schweigend“ verbringen. Soll heißen, sie wünscht sich von ihrem Umfeld so wenig Interaktion und Einmischung in ihr Leben und ihren …

„Der Triumph der Geraldine Gull“ von Joan Clark

„Der Triumph der Geraldine Gull“ führt eine junge Malerin in den hohen Norden Kanadas an die Grenze zum ewigen Eis und gewährt spannende Einblicke in das Leben in einem indianischen Fischerdorf, die durch ihre erfrischend unromantische Darstellung überzeugen. Die Autorin Joan Clark wurde 1934 in Liverpool geboren und studierte Theaterwissenschaften. Sie arbeitete als Lehrerin und heiratete eine Ingenieur, den sie auf seinen Einsätzen in ganz Kanada begleitete. In ihren Romanen verarbeitete sie ihre Erfahrungen jener Jahre. Heute lebt Joan Clark in Neufundland. 2010 wurde sie mit dem Order of Canada ausgezeichnet. Worum geht es? Niska/Kanada, Juli 1978. Willa Coyle zieht für den Sommer in das indianische Fischerdörfchen Niska im hohen Norden Kanadas. An der Grenze zum ewigen Eis soll sie den Kindern des Dorfs Zeichenunterricht geben. Dabei wird sie schon schnell mit den Problemen des Dorfs und dem harten Leben der Indianer an diesem unwirtlichen Ort konfrontiert. Und dann ist da auch noch die anarchische Geraldine Gull, die Willa bei ihrer Ankunft in Niska zuerst eine Backpfeife verpasst und Willas Brille zerbricht, nur um sie …

„Dämmerung über Birma. Mein Leben als Shan-Prinzessin“ von Inge Sargent

Dieser Rezension möchte ich eine Warnung vorweg schicken: Auf den Besitz dieser Autobiografie stehen 17 Jahre Gefängnis! Nicht bei uns. Gottseidank! Aber in Myanmar, dem ehemaligen Birma, in dem diese Autobiografie spielt. Es ist die wahre Geschichte einer jungen Österreicherin, die sich in den herrschenden Shan-Prinzen von Birma verliebt und mit ihm in dessen Heimat ein vollkommen neues Leben beginnt. Frei von jedem zu erwartenden Cinderella-Kitsch erzählt Inge Sargent ein Stück birmesische Geschichte. Worum geht es? Anfang der 50er Jahre verliebt sich die junge Österreicherin Inge Sargent, während ihres Studiums in den USA, in den angehenden birmesischen Bergbauingenieur Sao Kya Seng. Das Paar heiratet und zieht 1953 nach Birma. Erst dort erfährt Inga, dass ihr Ehemann Prinz eins birmesischen Bergstaats und Oberhaupt der Shan ist. Vollkommen unvorbereitet ist sie plötzlich Teil der fürstlichen Familie mit Repräsentationspflichten in einem Land, dessen Kultur und Gebräuche ihr gänzlich fremd sind. Aber so richtig schwierig wird es für Inge erst, als ihr Mann während eines Militärputschs 1962 verschleppt wird, und sie mir ihren beiden Töchtern in einer politisch höchst …

„Letzte Runde“ von Stefanie Schleemilch

Stefanie Schleemilch wurde 1986 in Tettnang am Bodensee geboren. Sie studierte Politikwissenschaften und Philosophie in Tübingen, wo sie auch heute noch lebt. Ihr Debütroman „Letzte Runde“ ist im Oktober 2015 im Duotincta Verlag erschienen. Ich habe das Buch zusammen mit den beiden anderen Veröffentlichungen des Verlags auf der Frankfurter Buchmesse bekommen. Verleger Jürgen Volk legte es mir besonders ans Herz. Er zeigte sich vor allem vom Einstieg in die Story begeistert und weckte damit meine Neugier. Worum geht es? Laszlo floh in jungen Jahren aus dem sozialistischen Ungarn in die Schweiz. Nun steht sein Tod unmittelbar bevor. Dies weiß er deshalb so genau, weil er ihn selbst geplant hat. Bevor er sich jedoch auf den Weg nach Zürich in die Sterbeklinik macht, gibt es noch ein paar Dinge zu regeln. Dies betrifft nicht nur die Auflösung des eigenen Haushalts; Laszlo möchte auch seine Geschichte erzählen und die Manuskripte seines verstorbenen Freundes Dominik weitergeben. Aber wieso wählt er dafür ausgerechnet Constantin, einen für ihn eigentlich vollkommen fremden aus? Und was geht einem Menschen so kurz vor seinem Tod …

„Baba Dunjas letzte Liebe“ von Alina Bronsky

Alina Bronsky wurde 1978 im Jekaterinenburg in Russland geboren. Seit den 90er Jahren lebt sie in Deutschland. Bereits ihr Debütroman „Scherbenpark“ wurde zum Bestseller und ist mittlerweile verfilmt. Für ihren aktuellen vierten Roman „Baba Dunjas letzte Liebe“ wurde sie für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert. Sie lebt mit ihren vier Kindern und ihrem Mann in Berlin. Ihre Bücher veröffentlicht sie unter einem Pseudonym. Worum geht es? Im Alter von über 80 Jahren kehrt Baba Dunja in ihr Heimatdorf Tschernowo zurück. Mitten in der radioaktiv verseuchten Todeszone führt sie ein einfaches und autarkes Leben. Das Wasser kommt aus dem Brunnen, der Telefonanschluss funktioniert nur sporadisch und das Essen stammt weitestgehend aus dem eigenen Garten. Bald folgen andere ihrem Beispiel. Es entsteht eine starke und enge Dorfgemeinschaft. Diese gerät jedoch kurzzeitig ins Wanken, als ein Vater mit seiner jungen Tochter nach Tschernowo zieht. Wie fand ich… …den Einstieg? Es dauerte einige Seiten, bis ich tatsächlich ganz in der Geschichte ankam. „Baba Dunjas letzte Liebe“ beginnt ohne lange Einführungen mit einem typischen Tagesbeginn in Tschernowo. Ausführlich wird dargestellt, …