Alle Artikel in: 3 Herzchen

Rezension #139: „Bluescreen“ von Dan Wells

Ich habe schon ewig kein Science-Fiction mehr gelesen. Zur Vorbereitung des Bloggertreffens von Piper auf der Frankfurter Buchmesse habe ich mir nun aber Bluescreen von Dan Wells vorgenommen. Trotz einiger inhaltlicher Ungereimtheiten hat es mich nicht mehr losgelassen. Worum geht es? Der Roman spielt im Jahr 2050 in Los Angeles. Implantate direkt im Kopf – so genannte „Djnnis“ – haben die Smartphones ersetzt und verbinden deren Träger 24 Stunden am Tag mit dem Internet. Auch Marisa und ihre Freundinnen verbringen nahezu die gesamte Zeit im Netz, wo sie Virtual Reality-Spiele spielen. Dann in der Stadt plötzlich eine neue Cyberdroge (Bluescreen) in der Stadt auf. Über einen Stick wird Bluescreen direkt auf die Djinnis der Konsumenten gespielt, wo es einen Systemabsturz bewirkt, der zur vorübergehenden Bewusstlosigkeit führt. Aber ganz so harmlos, wie es zunächst den Anschein macht, ist die Droge wohl doch nicht, denn während ihres Blackouts beginnen einige Konsumenten zu „schlafwandeln“ und bringen dabei sich selbst und andere in Gefahr. Was steckt dahinter und wie lässt es sich aufhalten? Als auch Marisas Freundin Anja betroffen ist, …

Klassentreffen in Hogwarts

Als Anfang des Jahres bekannt wurde, dass das Drehbuch zum Harry Potter-Theaterstück parallel zur Uraufführung in London veröffentlicht werden soll, war ich begeistert. Selbst die anfängliche Enttäuschung darüber, dass es sich nicht um einen “richtigen“ neuen Roman handelte, währte nur kurz. Ein neuer Harry Potter ist schließlich ein neuer Harry Potter! Ich habe das gute Stück also vorbestellt. In Englisch und als eBook, damit ich es zum Erscheinungstermin auch auch ganz sicher sofort erhalten würde. Sogar über ein paar Tage Leseurlaub dachte ich nach. Als es dann am 31.07. – Harry Potters Geburtstag – endlich so weit war, blieb ich extra bis nach Mitternacht wach, um das eBook als eine der ersten herunterladen zu können. Dieser Versuch scheiterte zwar, weil der Download erst ab 9:30 Uhr bereit stand, dennoch dürfte ich wohl zu den ersten gehört haben, die an diesem denkwürdigen Sonntag die Möglichkeit bekamen, den neuen Harr Potter zu lesen. „Harry Potter and the Cursed Child“ zu lesen, fühlte sich ein bisschen an, wie ein Klassentreffen zu besuchen. Man trifft alte, zum Teil halb …

Rezension #133: „Saisonarbeit. Volte #2“ von Heike Geißler

Als ich mich im Juli durch das Programm von Mikrotext las, durfte auch „Saisonarbeit“ von Heike Geißler nicht fehlen. Zwar handelt es sich hierbei nicht um einen eShort, die eigentliche Spezialität des Digitalverlags. Nachdem ich das eBook aber bei „Literary Hub“ auf der Liste „10 Books by Women We´d love to See in English“ entdeckte, war ich natürlich neugierig. Heike Geißler wurde 1977 in Sachsen geboren. Für ihren ersten Roman“ Rosa“ erhielt sie 2001 den Alfred-Döblin-Förderpreis. 2007 folgte der Text „Nichts was tragisch wäre“, bevor sie 2008 am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teilnahm. Neben der Heftreihe „Lücken kann man lesen“ ist „Saisonarbeit“ ihre vierte Veröffentlichung. Heike Geißler mit zwei Kinder und lebt als freie Schriftstellerin in Leipzig. Worum geht es? Um ihre Finanzen aufzubessern hilft die freier Schriftstellerin und Übersetzerin Heike Geißler in der Vorweihnachtszeit für sechs Wochen als Lageristin bei Amazon aus. „Saisonarbeit“ handelt von ihren Erlebnissen während dieser Zeit. Wie hat es mir gefallen? „Saisonarbeit“ ist nicht der „Inside Amazon“-Bericht, den ich eigentlich erwartet hatte. Darüber war ich zwar anfangs ein wenig enttäuscht; tatsächlich …

Rezension #132: „The Catcher in the Rye“ von J.D. Salinger

Ich erinnere mich noch gut an das Bücherregal meiner Mutter, als ich noch ein Kind war. (Eigentlich war es mehr ein Bücherschrank, denn es bzw. er hatte Türen.) Dahinter fand sich ein wunderbar ungeordnetes Sammelsurium, das diesen typischen Geruch alter Bücher verströmte. Ich habe gerne davor gestanden, die Bücher bestaunt und eine Weile geschmökert. Nur bei einem Buch meinte meine Mutter stets: „Das ist nichts für Dich.“ Dieses Buch hatte die grobe Zeichnung eines jungen behelmten Soldaten auf dem Cover. (Jedenfalls hielt ich es damals für einen Soldaten.) Der Titel lautete „Der Fänger im Roggen“. Ich kam nie dazu auch nur wenigstens den Klappentext zu lesen, weil es mir meine Mutter stets sofort aus der Hand nahm. Aber in meiner Fantasie hatte ich dank der Zeichnung eine ziemliche genaue Vorstellung, worum es darin ging: um die Schrecken des Krieges natürlich. „Der Fänger“ war ein erbarmungsloser Feind, vor dem der junge behelmte Soldat durch ein Roggenfeld floh. Meine Mutter hatte Recht, dachte ich mir, Kriegsbücher sind wirklich nichts für mich. Mit den Jahren habe ich es dann …

Rezension #129: „Lasst mich da raus“ von Maria Sonia Cristoff

Mit „Lasst mich da raus“ wurde Maria Sonia Cristoff für den LiBeratur Preis 2016 nominiert, für den man noch bis zum 31.05. abstimmen kann. Ich kann die Nominierung zwar durchaus nachvollziehen, denn das Buch enthält einige herrlich schräge Ideen und skurrile Figuren. Auf Grund der sprachlichen Sperrigkeit des Werks gehört es jedoch nicht zu meinen persönlichen Favoriten. Maria Sonia Cristoff wurde 1965 in Patagonien geboren. Sie studierte Literatur in Buenos Aires, wo sie auch heute noch lebt. Worum geht es? Mara hat ihr Leben als Konferenzdolmetscherin gehörig satt. Sie will nicht länger um die Welt jetten, in den ewig gleichen Hotels übernachten und Reden dolmetschen, bei denen sie bereits nach wenigen Worten weiß, wie sie weitergehen werden. Nachdem sie ihre Anstellung nach dem „berühmt-berüchtigten Gipfeltreffen“ los wird, beschließt Mara daher, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und ihr gesamtes Leben gehörig „gegen den Strich zu bürsten“. Ein Jahr lang möchte sie „im Austausch mit der Welt schweigend“ verbringen. Soll heißen, sie wünscht sich von ihrem Umfeld so wenig Interaktion und Einmischung in ihr Leben und ihren …

Rezension #128: „Der Triumph der Geraldine Gull“ von Joan Clark

„Der Triumph der Geraldine Gull“ führt eine junge Malerin in den hohen Norden Kanadas an die Grenze zum ewigen Eis und gewährt spannende Einblicke in das Leben in einem indianischen Fischerdorf, die durch ihre erfrischend unromantische Darstellung überzeugen. Die Autorin Joan Clark wurde 1934 in Liverpool geboren und studierte Theaterwissenschaften. Sie arbeitete als Lehrerin und heiratete eine Ingenieur, den sie auf seinen Einsätzen in ganz Kanada begleitete. In ihren Romanen verarbeitete sie ihre Erfahrungen jener Jahre. Heute lebt Joan Clark in Neufundland. 2010 wurde sie mit dem Order of Canada ausgezeichnet. Worum geht es? Niska/Kanada, Juli 1978. Willa Coyle zieht für den Sommer in das indianische Fischerdörfchen Niska im hohen Norden Kanadas. An der Grenze zum ewigen Eis soll sie den Kindern des Dorfs Zeichenunterricht geben. Dabei wird sie schon schnell mit den Problemen des Dorfs und dem harten Leben der Indianer an diesem unwirtlichen Ort konfrontiert. Und dann ist da auch noch die anarchische Geraldine Gull, die Willa bei ihrer Ankunft in Niska zuerst eine Backpfeife verpasst und Willas Brille zerbricht, nur um sie …

Rezension 125: „Feuerstimmen“ von Christoph Hardebusch

Bereits mit seinem Debütroman „Die Trolle“, der 2007 mit dem Phantastik Preis ausgezeichnet und in zahlreiche andere Sprachen übersetzt wurde, schrieb sich Christoph Hardebusch in die erste Liga der deutschen Fantasy-Autoren. Es folgten 10 weitere Bücher und diverse Beiträge zu Anthropologien. Sein neustes Projekt „Feuerstimmen“, das er in Kooperation mit der A Capella-Metall-Gruppe „Van Canto“ schrieb, ist mein erster Roman von Christoph Hardebusch. Mich überraschten vor allem die zahlreichen weiblichen Charaktere, die sich jenseits des tradierten Rollenmusters bewegen. Worum geht es? Hass und Mordlust breitet sich in der Welt aus, denn der fünfte Drache mit seinen schwarzen Mächten ist wieder erwacht und trachtet danach seinen Plan, die Welt zu zerstören, zu vollenden. Von dem vollen Ausmaß der Bedrohung ahnt die junge Königin Elena jedoch nichts, als ihr Inselreich verlässt, um nach Hilfe zu suchen. Diese findet sich ausgerechnet beim Barden Aidan, der noch nichts von seiner ganz besonderen Gabe weiß und daher mit seinem eigenen Schicksal hadert. Wird es ihnen noch rechtzeitig gelingen, den fünften Drachen zu besiegen? Wie fand ich… …den Einstieg? Christoph Hardebusch wirft seine Leser …

Rezension #124: „Dämmerung über Birma. Mein Leben als Shan-Prinzessin“ von Inge Sargent

Dieser Rezension möchte ich eine Warnung vorweg schicken: Auf den Besitz dieser Autobiografie stehen 17 Jahre Gefängnis! Nicht bei uns. Gottseidank! Aber in Myanmar, dem ehemaligen Birma, in dem diese Autobiografie spielt. Es ist die wahre Geschichte einer jungen Österreicherin, die sich in den herrschenden Shan-Prinzen von Birma verliebt und mit ihm in dessen Heimat ein vollkommen neues Leben beginnt. Frei von jedem zu erwartenden Cinderella-Kitsch erzählt Inge Sargent ein Stück birmesische Geschichte. Worum geht es? Anfang der 50er Jahre verliebt sich die junge Österreicherin Inge Sargent, während ihres Studiums in den USA, in den angehenden birmesischen Bergbauingenieur Sao Kya Seng. Das Paar heiratet und zieht 1953 nach Birma. Erst dort erfährt Inga, dass ihr Ehemann Prinz eins birmesischen Bergstaats und Oberhaupt der Shan ist. Vollkommen unvorbereitet ist sie plötzlich Teil der fürstlichen Familie mit Repräsentationspflichten in einem Land, dessen Kultur und Gebräuche ihr gänzlich fremd sind. Aber so richtig schwierig wird es für Inge erst, als ihr Mann während eines Militärputschs 1962 verschleppt wird, und sie mir ihren beiden Töchtern in einer politisch höchst …