Alle Artikel in: 5 Herzchen

„Schloss aus Glas“ von Jeannette Walls

Ich glaube, mir ist eine Rezension noch nie so schwer gefallen wie für „Schloss aus Glas“. Mehrmals habe ich damit begonnen und immer wieder habe ich meine Texte gelöscht. Nie wollte es mir gelingen, die ganze Bandbreite an Emotionen und Gedanken, die der autobiografische Roman bei mir auslöste, voll zu erfassen. „Schloss aus Glas“ hat mich – genau wie die Verfilmung – tief bewegt. Mir kommen bei einem Buch nur sehr selten die Tränen; bei „Schloss aus Glas“ war dies der Fall. Dennoch ist es keine rührselige oder „traurige“ Geschichte. Nicht nur und defintiv nicht in erster Linie, denn Jeanette Walls Kindheit, die sie in dem Roman beschreibt, war sehr glücklich. Sie war geprägt von scheinbar grenzenloser Freiheit und Abenteuern. „Schloss aus Glas“ ist die Geschichte einer schwierigen Vater-Tochter-Beziehung. Jeannette Walls beschreibt, wie tief sie von ihrem Vater enttäuscht wurde und wie sie schließlich komplett mit ihm bricht. Aber sie beschreibt auch, wie liebevoll, geduldig und fantasievoll ihr Vater mit ihr umging und wie er immer für sie da war – auf seine Art. Und …

„Aya“ von Marguerite Abouet und Clement Oubrerie

„Ein Comic?!“ fragte mein Bruder leicht ungläubig, als er mich am letzten Wochenende mit „Aya“ auf dem Balkon sitzen saß. „Aber so, wie ich Dich kenne, trügt der Schein.“ Damit hatte er gleichzeitig Recht und Unrecht. Natürlich ist „Aya“ eine klassische Graphic Novel und gehört damit zu einem Genre, mit dem ich mich zuletzt vor etwa 15 Jahren beschäftigte, als ich „Barfuss durch Hiroshima“ (übrigens auch sehr empfehlenswert) las. Andererseits hat es aber nur wenig mit jenen Geschichten zu tun, die mir und den meisten anderen  beim Begriff „Comic“ sofort durch den Kopf schießen: „Superman“, „Batman“, „The Walking Dead“ oder „Lucky Luke“. „Aya“ sprüht nur so vor afrikanischer Lebensfreude und zeigt dem Westen, dass Afrika deutlich mehr zu bieten als Aidswaise, Hungersnöte, Seuchen und Bürgerkrieg. Worum geht es? Abidjan (Elfenbeinküste), Ende der 70er Jahre: Aya und ihre beiden Freundinnen Bintou und Adjoua sind 19 Jahre und stehen kurz vor dem Abitur. Doch während Bintou und Adjoua keine Party auslassen, um möglichst schnell einen geeigneten Ehemann zu finden, träumt Aya von einem Medizinstudium. Nur ihr Vater hat …

„Die Gestirne“ von Eleanor Catton

Eleanor Catton wurden 1985 in Kanda geboren und wuchs in Neuseeland auf. Sie studierte Englische Literatur und Kreatives Schreiben. Bereits für ihr Debüt „Anatomie des Erwachsens“ erhielt sie zahlreiche Literaturauszeichnungen. Mit „Die Gestirne“ legte sie nun ihren zweiten Roman vor, für den sie 2013 als jüngste Preisträgerin aller Zeiten mit dem renommierten Booker-Preis ausgezeichnet wurde. Melanie Walz hat das gut 1.000 Seiten starke Werk nun übersetzt. Sie wurde 1953 in Essen geboren. Walz übersetzte u.a. Texte von John Cooper-Powys, Antonia Byatt und Lawrence Norfolk. Für ihre Arbeit wurde sie mit zahlreichen Preisen, zuletzt 2015 mit dem Übersetzerpreis der Stadt München, ausgezeichnet. Nachdem die englische Originalausgabe „The Luminaries“ lange ungelesen auf meiner Wunschliste stand, durfte ich die deutsche Erstausgabe nun für eine Leserunde von Lovelybooks lesen. Worum geht es? Neuseeland, 1866. Der Schotte Walter Moody wandert nach einigen familiären Auseinandersetzungen nach Neuseeland aus, wo er als Goldgräber sein Glück versuchen möchte. Nach einer langen und gefährlichen Überfahrt gelangt er in das Hafenstädtchen Hokitika, wo er sich zunächst ein Zimmer im örtlichen Hotel nimmt. Im Rauchersalon trifft …

„Lady Africa“ von Paula McLain

In ihrem neuen Roman erzählt Paula McLain die Geschichte von Beryl Markham, einer Flugpionierin, die als erste Frau den Atlantik überquerte. Da ich eine Vorliebe für biografische Romane über mutige, außergewöhnliche, starke Frauen habe, war ich sofort begeistert, als ich in der Vorschau auf das aktuelle Herbstprogramm des Aufbau Verlags „Lady Africa“ fand. Ich wurde nicht enttäuscht: Meine Begeisterung war tatsächlich so groß, dass ich mir nur wenige Tage, nachdem ich dieses Buch beendet hatte, auch „Madame Hemingway“ von Paula McLain zulegte. Worum geht es? Die junge Beryl wächst Anfang des 20. Jahrhunderts bei ihrem Vater, einem britischen Lord, im afrikanischen Busch auf. Ohne ihre Mutter, welche die Tochter früh verlässt, fehlt es Beryl an weiblichen Vorbildern. Sie wird zu einem wahren Wildfang und teilt mit ihrem Vater die Liebe zu Rasserennpferden. Aber es fällt ihr schwer, ihren Platz in der steifen, aristokratischen Gesellschaft zu finden, die von ihr das Tragen von Seidenkleidern, Sonnenhüten und weißen Handschuhen verlangt. Erst als sie Karen „Tania“ Blixen – die Autorin von „Jenseits von Afrika“ – und dessen Geliebten …

„Das Schneemädchen“ von Eowyn Ivey

Selten wurden für Schnee und Eis schönere Wort gefunden, als es Eowyn Ivey tut. „Das Schneemädchen“ zeigt die Schönheit der unberührten Wildnis Alaskas. Es ist ein modernes Märchen für Erwachsene, das die Leserherzen durch einen zarten Hauch Magie dahinschmelzen lässt. Bewertung: ♥♥♥♥♥ Lieblingsbuch! Worum geht es? Alaska, 1920. Obwohl Mabel und Jake nicht mehr die jüngsten sind, sind sie vor Kurzem in die abgelegene Wildnis Alaskas gezogen. Sie haben nie Kinder bekommen und trauern insgeheim beide noch immer auf ihre jeweilige Art um die Todgeburt ihrer Tochter. Als sie an einem schneereichen Winterabend eine Schneemädchen bauen und kurz darauf im Wald auf ein Mädchen treffen, glaubt Mabel darin die russische Märchenfigur Snegurotschka zu erkennen, von der ihr ihr Vater einst vorlas. Aber wer ist das Mädchen wirklich und was macht es alleine im winterlichen Wald? Warum habe ich es gelesen? Das Buch wurde mir für die Leserlieblingsbuchchallenge vorgeschlagen. Tatsächlich auf meine Leseliste wanderte es aber erst, nachdem ich die Rezension von Jan las. Wie war mein erster Eindruck? Bereits das Cover, über das ich mir – vor allem …

„Binewskis – Verfall einer radioaktiven Familie“ von Katherine Dunn

Kurz „Binewskis – Verfall einer radioaktiven Familie“ ist ein Buch, wie ich es in dieser Form noch nie gelesen habe. Obwohl ich es vor einigen Tagen beendet habe, klingt es noch immer nach. Es verdient eine eigene Kategorie, denn es ist gleichzeitig Horror, Gesellschaftskritik und Familienroman – und auch gar nichts davon. Die Geschichte entwickelt in ihrer Mischung aus Ekel, Geschwisterliebe und Rivaltät einen solchen Sog, dass ich das Buch am liebsten am Stück durchgelesen hätte. Am Ende blieb ich atemlos, verwirrt, tief bewegt und nachdenklich zurück. Bewertung: ♥♥♥♥♥ „Lieblingsbuch“ Hardcoverbuch kaufen* eBook kaufen* Ausführlich

„Wasser für die Elefanten“ von Sarah Gruen

Bewertung: ♥♥♥♥♥♥ Inhalt: Jacob Jankowski ist über 90 Jahre alt und lebt in einem Altenheim. Als der Zirkus in die Stadt kommt und seine Zelte genau gegenüber des Altenheims aufschlägt, erinnert er sich an seine eigenen Jahre beim Eisenbahnzirkus zur Zeit der ersten Weltwirtschaftskrise und der Prohibition: Kurz vor seinem Abschluss des Vetärinär-Studiums kommen Jacobs Eltern bei einem Autounfall ums Leben. Da diese hochverschuldet waren, erbt Jacob nichts: weder das elterliche Haus noch die Tierarztpraxis seines Vaters. Das weitere Studium kommt ihm daher sinnlos vor. Mitten in den Abschlussprüfung steht Jacob daher einfach auf, verlässt den Prüfungssaal, verlässt die Eliteuni und springt auf den ersten fahrenden Zug auf, der ihm begegnet. Es ist ein Wanderzirkus. Jacob heuert bei diesem an und steigt schnell vom einfach Arbeiter zum Tierarzt des Zirkusses auf. Als er sich in eine der Artistinnen verliebt, die ausgerecht mit seinem Chef verheiratet ist, nimmt das Unglück seinen Lauf.