Alle Artikel in: 4 Herzchen

„Ehre“ von Elif Shafak

In der Facebook-Gruppe „ARD Buffet liest“ fragte Karla Paul vor kurzem nach Büchern, die dabei helfen, die jüngsten politischen Ereignisse und Entwicklungen in der Türkei zu verstehen. Dabei fiel mir ein, dass bereits seit Anfang des Jahres ein hierzu passendes Buch ungelesen in meinem Regal steht. Zwar ist „Ehre“ ein klassischer Mehrgenerationenroman, der die Geschichte und Politik der Türkei nur am Rande beleuchtet. Das beschriebene Schicksal einer kurdischen Familie beleuchtet jedoch die für uns meist so fremden Denkweisen und Rollenmodelle der islamischen Kultur. Die unter dem Pseudonym Elif Shafak schreibende türkische Schriftstellerin wurde 1971 in Frankreich geboren. Sie studierte internationale Beziehungen an der technischen Universität in Ankara, erhielt einen Master of Science in Gender Studies und promovierte in politische Wissenschaften mit der Arbeit An Analysis of Turkish Modernity Through Discourses of Masculinities. 1994 debütierte Elif Shafak mit einer türkischsprachigen Erzählung, der 1997 ihr erster Roman (ebenfalls in türkischer Sprache) folgte. Ihr 2006 auf englisch erschienener Roman The Bastard of Istanbul zog einen Strafgerichtsprozess in der Türkei nach sich, in dem Elif Shafak jedoch freigesprochen wurde. Dennoch steht Elif Shafak …

„In gewissen Kreisen“ von Elizabeth Harrower

Es gibt eine Menge Bücher, die gut unterhalten, fesselnd geschrieben und spannend zu lesen sind. Diese klappt man anschließend zu, denkt sich „Wow! Das war toll!“, stellt es zurück ins Regal und greift zum nächsten. Und dann gibt es Bücher, die einen regelrecht fordern, zeitweise unbequem werden und eigene Positionen sowie Konzepte neu überdenken lassen. Diese Bücher müssen „verdaut“ werden und machen es nahezu unmöglich, danach sofort zum nächsten zu greifen; manchmal verändert sich im Laufe dieses „Reifungsprozesses“ sogar unser Urteil über ein Buch noch einmal zur Gänze. „In gewissen Kreisen“ von Elizabeth Harrower ist so ein Buch. Erst mit ungefähr 2 Wochen Abstand, bin ich in der Lage, darüber eine Rezension zu verfassen. Worum geht es? Russel und Zoe Howard fehlt es an nichts. Sie wachsen behütet in einem wohlhabenden, intellektuell offenen Elternhaus auf, wo man ihnen beibringt, dass ihnen die ganze Welt offen steht. Mit den Waisen Stephen und Anna treffen sie zum ersten Mal auf ein gleichaltriges Geschwisterpaar, das weitaus weniger Glück im Leben hatte. Im Schatten der psychisch kranken Stiefmutter aufgewachsen schlagen …

„Americanah“ von Chimamanda Ngozi Adichie

Mit „Americanah“ von Chimamanda Ngozi Adichie habe ich im März endlich auch das erste Buch des ZEIT-Kanons des jungen Jahrhunderts gelesen. Als hätte ich bereits etwas geahnt, hatte ich mit als Ansporn für die wunderschöne Ausgabe der Büchergilde Gutenberg entschieden. Tatsächlich hatte ich diesen dann an manchen Stellen auch nötig, denn „Americanah“ verlangte mir einiges ab. Es ist unbequem und zehrte bisweilen an meinen Nerven. Dennoch ist Chimamanda Ngozi Adichie mit „Americanah“ ein ebenso wichtiges wie ehrliches Buch gelungen, das einen ungeschulten und authentischen Einblick gibt, was es im heutigen Amerika heißt, farbig und noch dazu eine Frau zu sein. Worum geht es? Obwohl in den USA erfolgreiche und angesehene Akademikerin kehrt Ifemelu in ihre Heimat Lagos und zu ihrer großen Liebe Obinze zurück, ohne zu wissen, ob diese tatsächlich eine zweite Chance bekommen wird. Vor mehr als 10 Jahren wanderte sie für ihr Studium aus und schaffte es, auch danach weiter Fuß zu fassen. Dennoch verließ sie ihr Heimweh nie ganz, denn in Amerika wurde sie sich auch zum ersten Mal  ihrer eigenen Hautfarbe bewusst. Immer wieder erfuhr Ifemelu, dass man ihr …

„Madame Hemingway“ von Paula McLain

Nachdem mir die Mischung aus Biografie und Roman in „Lady Africa“ so gut gefiel, habe ich nun auch Paula McLains älteren Roman „Madame Hemingway“ gelesen. Darin erzählt Hemingways erste Ehefrau über ihr Leben mit dem damals noch jungen und unbekannten Schriftsteller. Der Roman wurde erstmals 2011 in Deutschland veröffentlicht und ist damit mein erstes Buch für die #GoldenBacklist-Challenge. Worum geht es? Als Hadley den einige Jahre jüngeren Ernest Hemingway kennenlernt und heiratet, ist dieser noch unbekannt in der Literaturszene. Um den Durchbruch zu schaffen, zieht das Paar in den 20er Jahren nach Paris. Tatsächlich stellen sich erste Erfolge ein. Aber das private Glück der beiden, das mit der Geburt des ersten Kindes zunächst so perfekt erscheint, zeigt schon bald Risse. Wie fand ich… … den Einstieg? Neben dem sehr schönen Cover auf dem Schutzumschlag fiel mir als erstes das tolle Vorsatzblatt auf, das einen Stadtplan von Paris zeigt. Solche Details sind der Grund, warum auch ein eBook-Fan wie ich ab und zu zum Hardcover greift. Inhaltlich nimmt Paula McLain im Prolog ein Teil des Endes vorweg, …

„Astrid Lindgren – Ihr Leben“ von Jens Andersen

Wie so viele bin auch ich mit den Geschichten von Astrid Lindgren großgeworden. Vor allem „Pippi Langstrumpf“ und „Michel“ liebte ich sehr. Mein Vater nannte mich in Anlehnung an „Ronja“ gerne seine „kleine Räubertochter“. Manchmal glaube ich, dass diese Wahl meiner Kinderzimmerlektüre nicht ganz unschuldige daran war, dass mir heute bisweilen  eine „große Klappe“ nachgesagt wird – „im positiven Sinne“ natürlich. 😉 Lindgrens Figuren kenn ich also sehr gut. Über ihre Schöpferin wusste ich bis vor kurzem jedoch so gut wie gar nichts. Auf der Frankfurter Buchmesse wurde ich schließlich durch eine Veranstaltung auf diese neue Lindgren-Biografie aufmerksam. Bereits die kurzen Ausschnitte, die ich dort hörte, waren sehr interessant und machten mich neugierig auf das gesamte Buch. Worum geht es in dem Buch? Bei Jens Andersens „Astrid Lindgren – Ihr Leben“ handelt es sich um eine klassische Biografie. Angefangen von ihrer Kindheit auf dem schwedischen Land über ihre Ausbildung und ihre frühe, ungewollte erste Schwangerschaft bis hin zu ihren schriftstellerischen Erfolgen, ihrer Arbeit als Lektorin und ihrem Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und Kinderrechte gibt dieses …

„Nach Hause“ von Rahel Meister

Rahel Meister ist eine Hälfte von Cluewriting.de. Dort veröffentlicht sie zusammen mit Sarah einmal in der Woche eine Kurzgeschichte, bei der bestimmte Wort („Clues“) an einem vorgegebenen Setting vertextet werden müssen. Die Ergebnisse sind manchmal aberwitzig, manchmal gruselig und manchmal schlicht albern. Aber lesenswert sind sie eigentlich immer. Deshalb bin ich auch regelmäßig Gast auf ihrer Seite. Als ich im Oktober erfuhr, dass Rahel eine Halloween-Story im Droemer-Knaur Verlag veröffentlich hatte, stand daher sofort fest, dass ich das eBook lesen musste. Worum geht es? Die Brüder Devin und Finn wurden in den Infektionskriegen zu Vollwaisen. Sie schafften es jedoch nicht nur die Zombie-Apokalypse irgendwie zu überleben, sondern erreichten sogar eine der „sicheren Zonen“. Aber die Sehnsucht nach den Eltern ist so groß, dass sie beschließen, ihr ehemaliges Elternhaus ein letztes Mal zu besuchen. Dieses Vorhaben ist jedoch riskant. Bald schon stranden sie mit ihrem Auto mitten im Wald, wo sie zunächst von einem Zombie angegriffen werden und Finn schließlich in eine Bärenfalle tritt. Zum Glück treffen die Brüder auf Michael, einen ehemaligen Arzt, der als …

„Rosaleens Fest“ von Anne Enright

Anne Enright wurde 1962 in Dublin geboren. Sie studierte Philosophie und Kreatives Schreiben und arbeitet als Schriftstellerin und Literaturkritikerin. Für ihren Roman „Das Familientreffen“ wurde sie 2007 mit dem Booker Award, dem wichtigsten englischsprachigen Literaturpreis, ausgezeichnet. Auch ihr sechster Roman „Rosaleens Fest“, für den sie den Irish Novel oft the Year Prize erhielt, stand auf der Longlist des Booker Preis. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Bray, County Wicklow. Worum geht es? Rosaleen ist Mitte Siebzig und lebt, nachdem die vier Kinder längst erwachsen sind, in einem nun viel zu großen Haus. Das Verhältnis zu ihren zwei Söhnen und zwei Töchtern ist schwierig, denn Rosaleen erwartet zwar sehr viel vom eigenen Nachwuchs, ist jedoch nicht bereit auch etwas zu geben. Drei ihrer Kinder haben sich daher bereits früh von ihr abgewandt, schaffen es jedoch auch im Erwachsenenalter und trotz großer räumlicher Distanz nicht, sich den Erwartungen und dem manipulativen Einfluss der Mutter gänzlich zu entziehen. Als Rosaleen beschließt, ihr Haus zu verkaufen, um ihren Hausstand zu verkleinern, soll dort zuvor ein …

„Nachts“ von Mercedes Lauenstein

Mit „Nachts“ legt Mercedes Lauenstein ein ungewöhnliches, leises und doch berührendes Debüt vor. Ihre klare, nachdenkliche Sprache schafft es, Philosophisches so unanstrengend zu verpacken, dass ich es auch nach einem 10 Stunden-Arbeitstag noch gut lesen konnte. Die Art des Spannungsaufbaus, den Mercedes Lauenstein in „Nachts“ wählt, ist so ungewöhnlich wie ihre Charaktere. Besonders angetan hatte es mir aber vor allem das Ende, das mich schließlich ganz für „Nachts“ einnahm. Worum geht es? Eine junge Frau streift regelmäßig durch die dunkle Stadt auf der Suche nach den letzten Wohnungen, in denen noch Licht brennt. Sie klingelt an fremden Haus- und Wohnungstüren, um zu erfragen, warum die Personen nachts wach sind. So erhält sie zum Teil sehr intime Einblicke in fremde Leben. Dabei scheint es jedoch etwas ganz anderes zu sein, dass sie eigentlich sucht. Warum habe ich es gelesen? Hauptsächlich war es das Cover, das mich auf das Buch aufmerksam werden ließ. So schlicht es auch zunächst erscheint; so gelungen ist doch die Gesamtkomposition. Das tiefe Blau erinnert an das Dunkel der Nacht und verbreitet eine …