Alle Artikel in: Roman

„Lasst mich da raus“ von Maria Sonia Cristoff

Mit „Lasst mich da raus“ wurde Maria Sonia Cristoff für den LiBeratur Preis 2016 nominiert, für den man noch bis zum 31.05. abstimmen kann. Ich kann die Nominierung zwar durchaus nachvollziehen, denn das Buch enthält einige herrlich schräge Ideen und skurrile Figuren. Auf Grund der sprachlichen Sperrigkeit des Werks gehört es jedoch nicht zu meinen persönlichen Favoriten. Maria Sonia Cristoff wurde 1965 in Patagonien geboren. Sie studierte Literatur in Buenos Aires, wo sie auch heute noch lebt. Worum geht es? Mara hat ihr Leben als Konferenzdolmetscherin gehörig satt. Sie will nicht länger um die Welt jetten, in den ewig gleichen Hotels übernachten und Reden dolmetschen, bei denen sie bereits nach wenigen Worten weiß, wie sie weitergehen werden. Nachdem sie ihre Anstellung nach dem „berühmt-berüchtigten Gipfeltreffen“ los wird, beschließt Mara daher, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und ihr gesamtes Leben gehörig „gegen den Strich zu bürsten“. Ein Jahr lang möchte sie „im Austausch mit der Welt schweigend“ verbringen. Soll heißen, sie wünscht sich von ihrem Umfeld so wenig Interaktion und Einmischung in ihr Leben und ihren …

„Der Triumph der Geraldine Gull“ von Joan Clark

„Der Triumph der Geraldine Gull“ führt eine junge Malerin in den hohen Norden Kanadas an die Grenze zum ewigen Eis und gewährt spannende Einblicke in das Leben in einem indianischen Fischerdorf, die durch ihre erfrischend unromantische Darstellung überzeugen. Die Autorin Joan Clark wurde 1934 in Liverpool geboren und studierte Theaterwissenschaften. Sie arbeitete als Lehrerin und heiratete eine Ingenieur, den sie auf seinen Einsätzen in ganz Kanada begleitete. In ihren Romanen verarbeitete sie ihre Erfahrungen jener Jahre. Heute lebt Joan Clark in Neufundland. 2010 wurde sie mit dem Order of Canada ausgezeichnet. Worum geht es? Niska/Kanada, Juli 1978. Willa Coyle zieht für den Sommer in das indianische Fischerdörfchen Niska im hohen Norden Kanadas. An der Grenze zum ewigen Eis soll sie den Kindern des Dorfs Zeichenunterricht geben. Dabei wird sie schon schnell mit den Problemen des Dorfs und dem harten Leben der Indianer an diesem unwirtlichen Ort konfrontiert. Und dann ist da auch noch die anarchische Geraldine Gull, die Willa bei ihrer Ankunft in Niska zuerst eine Backpfeife verpasst und Willas Brille zerbricht, nur um sie …

„Americanah“ von Chimamanda Ngozi Adichie

Mit „Americanah“ von Chimamanda Ngozi Adichie habe ich im März endlich auch das erste Buch des ZEIT-Kanons des jungen Jahrhunderts gelesen. Als hätte ich bereits etwas geahnt, hatte ich mit als Ansporn für die wunderschöne Ausgabe der Büchergilde Gutenberg entschieden. Tatsächlich hatte ich diesen dann an manchen Stellen auch nötig, denn „Americanah“ verlangte mir einiges ab. Es ist unbequem und zehrte bisweilen an meinen Nerven. Dennoch ist Chimamanda Ngozi Adichie mit „Americanah“ ein ebenso wichtiges wie ehrliches Buch gelungen, das einen ungeschulten und authentischen Einblick gibt, was es im heutigen Amerika heißt, farbig und noch dazu eine Frau zu sein. Worum geht es? Obwohl in den USA erfolgreiche und angesehene Akademikerin kehrt Ifemelu in ihre Heimat Lagos und zu ihrer großen Liebe Obinze zurück, ohne zu wissen, ob diese tatsächlich eine zweite Chance bekommen wird. Vor mehr als 10 Jahren wanderte sie für ihr Studium aus und schaffte es, auch danach weiter Fuß zu fassen. Dennoch verließ sie ihr Heimweh nie ganz, denn in Amerika wurde sie sich auch zum ersten Mal  ihrer eigenen Hautfarbe bewusst. Immer wieder erfuhr Ifemelu, dass man ihr …

„Dämmerung über Birma. Mein Leben als Shan-Prinzessin“ von Inge Sargent

Dieser Rezension möchte ich eine Warnung vorweg schicken: Auf den Besitz dieser Autobiografie stehen 17 Jahre Gefängnis! Nicht bei uns. Gottseidank! Aber in Myanmar, dem ehemaligen Birma, in dem diese Autobiografie spielt. Es ist die wahre Geschichte einer jungen Österreicherin, die sich in den herrschenden Shan-Prinzen von Birma verliebt und mit ihm in dessen Heimat ein vollkommen neues Leben beginnt. Frei von jedem zu erwartenden Cinderella-Kitsch erzählt Inge Sargent ein Stück birmesische Geschichte. Worum geht es? Anfang der 50er Jahre verliebt sich die junge Österreicherin Inge Sargent, während ihres Studiums in den USA, in den angehenden birmesischen Bergbauingenieur Sao Kya Seng. Das Paar heiratet und zieht 1953 nach Birma. Erst dort erfährt Inga, dass ihr Ehemann Prinz eins birmesischen Bergstaats und Oberhaupt der Shan ist. Vollkommen unvorbereitet ist sie plötzlich Teil der fürstlichen Familie mit Repräsentationspflichten in einem Land, dessen Kultur und Gebräuche ihr gänzlich fremd sind. Aber so richtig schwierig wird es für Inge erst, als ihr Mann während eines Militärputschs 1962 verschleppt wird, und sie mir ihren beiden Töchtern in einer politisch höchst …

„Madame Hemingway“ von Paula McLain

Nachdem mir die Mischung aus Biografie und Roman in „Lady Africa“ so gut gefiel, habe ich nun auch Paula McLains älteren Roman „Madame Hemingway“ gelesen. Darin erzählt Hemingways erste Ehefrau über ihr Leben mit dem damals noch jungen und unbekannten Schriftsteller. Der Roman wurde erstmals 2011 in Deutschland veröffentlicht und ist damit mein erstes Buch für die #GoldenBacklist-Challenge. Worum geht es? Als Hadley den einige Jahre jüngeren Ernest Hemingway kennenlernt und heiratet, ist dieser noch unbekannt in der Literaturszene. Um den Durchbruch zu schaffen, zieht das Paar in den 20er Jahren nach Paris. Tatsächlich stellen sich erste Erfolge ein. Aber das private Glück der beiden, das mit der Geburt des ersten Kindes zunächst so perfekt erscheint, zeigt schon bald Risse. Wie fand ich… … den Einstieg? Neben dem sehr schönen Cover auf dem Schutzumschlag fiel mir als erstes das tolle Vorsatzblatt auf, das einen Stadtplan von Paris zeigt. Solche Details sind der Grund, warum auch ein eBook-Fan wie ich ab und zu zum Hardcover greift. Inhaltlich nimmt Paula McLain im Prolog ein Teil des Endes vorweg, …

„Die Gestirne“ von Eleanor Catton

Eleanor Catton wurden 1985 in Kanda geboren und wuchs in Neuseeland auf. Sie studierte Englische Literatur und Kreatives Schreiben. Bereits für ihr Debüt „Anatomie des Erwachsens“ erhielt sie zahlreiche Literaturauszeichnungen. Mit „Die Gestirne“ legte sie nun ihren zweiten Roman vor, für den sie 2013 als jüngste Preisträgerin aller Zeiten mit dem renommierten Booker-Preis ausgezeichnet wurde. Melanie Walz hat das gut 1.000 Seiten starke Werk nun übersetzt. Sie wurde 1953 in Essen geboren. Walz übersetzte u.a. Texte von John Cooper-Powys, Antonia Byatt und Lawrence Norfolk. Für ihre Arbeit wurde sie mit zahlreichen Preisen, zuletzt 2015 mit dem Übersetzerpreis der Stadt München, ausgezeichnet. Nachdem die englische Originalausgabe „The Luminaries“ lange ungelesen auf meiner Wunschliste stand, durfte ich die deutsche Erstausgabe nun für eine Leserunde von Lovelybooks lesen. Worum geht es? Neuseeland, 1866. Der Schotte Walter Moody wandert nach einigen familiären Auseinandersetzungen nach Neuseeland aus, wo er als Goldgräber sein Glück versuchen möchte. Nach einer langen und gefährlichen Überfahrt gelangt er in das Hafenstädtchen Hokitika, wo er sich zunächst ein Zimmer im örtlichen Hotel nimmt. Im Rauchersalon trifft …

„Nach Hause“ von Rahel Meister

Rahel Meister ist eine Hälfte von Cluewriting.de. Dort veröffentlicht sie zusammen mit Sarah einmal in der Woche eine Kurzgeschichte, bei der bestimmte Wort („Clues“) an einem vorgegebenen Setting vertextet werden müssen. Die Ergebnisse sind manchmal aberwitzig, manchmal gruselig und manchmal schlicht albern. Aber lesenswert sind sie eigentlich immer. Deshalb bin ich auch regelmäßig Gast auf ihrer Seite. Als ich im Oktober erfuhr, dass Rahel eine Halloween-Story im Droemer-Knaur Verlag veröffentlich hatte, stand daher sofort fest, dass ich das eBook lesen musste. Worum geht es? Die Brüder Devin und Finn wurden in den Infektionskriegen zu Vollwaisen. Sie schafften es jedoch nicht nur die Zombie-Apokalypse irgendwie zu überleben, sondern erreichten sogar eine der „sicheren Zonen“. Aber die Sehnsucht nach den Eltern ist so groß, dass sie beschließen, ihr ehemaliges Elternhaus ein letztes Mal zu besuchen. Dieses Vorhaben ist jedoch riskant. Bald schon stranden sie mit ihrem Auto mitten im Wald, wo sie zunächst von einem Zombie angegriffen werden und Finn schließlich in eine Bärenfalle tritt. Zum Glück treffen die Brüder auf Michael, einen ehemaligen Arzt, der als …

„Letzte Runde“ von Stefanie Schleemilch

Stefanie Schleemilch wurde 1986 in Tettnang am Bodensee geboren. Sie studierte Politikwissenschaften und Philosophie in Tübingen, wo sie auch heute noch lebt. Ihr Debütroman „Letzte Runde“ ist im Oktober 2015 im Duotincta Verlag erschienen. Ich habe das Buch zusammen mit den beiden anderen Veröffentlichungen des Verlags auf der Frankfurter Buchmesse bekommen. Verleger Jürgen Volk legte es mir besonders ans Herz. Er zeigte sich vor allem vom Einstieg in die Story begeistert und weckte damit meine Neugier. Worum geht es? Laszlo floh in jungen Jahren aus dem sozialistischen Ungarn in die Schweiz. Nun steht sein Tod unmittelbar bevor. Dies weiß er deshalb so genau, weil er ihn selbst geplant hat. Bevor er sich jedoch auf den Weg nach Zürich in die Sterbeklinik macht, gibt es noch ein paar Dinge zu regeln. Dies betrifft nicht nur die Auflösung des eigenen Haushalts; Laszlo möchte auch seine Geschichte erzählen und die Manuskripte seines verstorbenen Freundes Dominik weitergeben. Aber wieso wählt er dafür ausgerechnet Constantin, einen für ihn eigentlich vollkommen fremden aus? Und was geht einem Menschen so kurz vor seinem Tod …