Alle Artikel in: Roman

„Die Nachtigall“ von Kristin Hannah

In den USA hat der Roman längst eine Millionenauflage. Seit mehr als einem Jahr ist er dort in der Bestsellerliste vertreten. Weltweit wurde er in 31 Sprachen übersetzt. Auch die Filmrechte wurden bereits verkauft. Am Montag (19.09.) erscheint „Die Nachtigall“ nun auch bei uns. Für mich war das Grund genug, um mir die Schwestern Vianne und Isabelle, die im von den Nazis besetzten Frankreich für die eigenen Werte und ums Überleben kämpfen, genauer anzusehen. In der Liebe finden wir heraus, wer wir sein wollen; im Krieg finden wir heraus, wer wir sind. (Seite 12) Paare, die schwere Unglücke zu bewältigen haben. Schwestern, die dunkle Familiengeheimnisse aufdecken. Einsame Frauen, die, um einem vernachlässigten Kind zu helfen, ihr eigenes Leben von Grund auf ändern. Dies sind die Themen, mit denen die 1960 geborene Kristin Hannah zur beliebten Bestsellerautorin wurde, die mittlerweile mehr als 20 Frauen- und Liebesromanen veröffentlichte. Auch wenn sich die Schriftstellerin mit ihrem neuen Buch „Die Nachtigall“ erstmal an einen historischen Stoff wagt, bleibt Kristin Hannah den großen Gefühlen und Gesten treu. Dass sie dabei bisweilen die Grenze zum …

„Ehre“ von Elif Shafak

In der Facebook-Gruppe „ARD Buffet liest“ fragte Karla Paul vor kurzem nach Büchern, die dabei helfen, die jüngsten politischen Ereignisse und Entwicklungen in der Türkei zu verstehen. Dabei fiel mir ein, dass bereits seit Anfang des Jahres ein hierzu passendes Buch ungelesen in meinem Regal steht. Zwar ist „Ehre“ ein klassischer Mehrgenerationenroman, der die Geschichte und Politik der Türkei nur am Rande beleuchtet. Das beschriebene Schicksal einer kurdischen Familie beleuchtet jedoch die für uns meist so fremden Denkweisen und Rollenmodelle der islamischen Kultur. Die unter dem Pseudonym Elif Shafak schreibende türkische Schriftstellerin wurde 1971 in Frankreich geboren. Sie studierte internationale Beziehungen an der technischen Universität in Ankara, erhielt einen Master of Science in Gender Studies und promovierte in politische Wissenschaften mit der Arbeit An Analysis of Turkish Modernity Through Discourses of Masculinities. 1994 debütierte Elif Shafak mit einer türkischsprachigen Erzählung, der 1997 ihr erster Roman (ebenfalls in türkischer Sprache) folgte. Ihr 2006 auf englisch erschienener Roman The Bastard of Istanbul zog einen Strafgerichtsprozess in der Türkei nach sich, in dem Elif Shafak jedoch freigesprochen wurde. Dennoch steht Elif Shafak …

„In gewissen Kreisen“ von Elizabeth Harrower

Es gibt eine Menge Bücher, die gut unterhalten, fesselnd geschrieben und spannend zu lesen sind. Diese klappt man anschließend zu, denkt sich „Wow! Das war toll!“, stellt es zurück ins Regal und greift zum nächsten. Und dann gibt es Bücher, die einen regelrecht fordern, zeitweise unbequem werden und eigene Positionen sowie Konzepte neu überdenken lassen. Diese Bücher müssen „verdaut“ werden und machen es nahezu unmöglich, danach sofort zum nächsten zu greifen; manchmal verändert sich im Laufe dieses „Reifungsprozesses“ sogar unser Urteil über ein Buch noch einmal zur Gänze. „In gewissen Kreisen“ von Elizabeth Harrower ist so ein Buch. Erst mit ungefähr 2 Wochen Abstand, bin ich in der Lage, darüber eine Rezension zu verfassen. Worum geht es? Russel und Zoe Howard fehlt es an nichts. Sie wachsen behütet in einem wohlhabenden, intellektuell offenen Elternhaus auf, wo man ihnen beibringt, dass ihnen die ganze Welt offen steht. Mit den Waisen Stephen und Anna treffen sie zum ersten Mal auf ein gleichaltriges Geschwisterpaar, das weitaus weniger Glück im Leben hatte. Im Schatten der psychisch kranken Stiefmutter aufgewachsen schlagen …

„Lasst mich da raus“ von Maria Sonia Cristoff

Mit „Lasst mich da raus“ wurde Maria Sonia Cristoff für den LiBeratur Preis 2016 nominiert, für den man noch bis zum 31.05. abstimmen kann. Ich kann die Nominierung zwar durchaus nachvollziehen, denn das Buch enthält einige herrlich schräge Ideen und skurrile Figuren. Auf Grund der sprachlichen Sperrigkeit des Werks gehört es jedoch nicht zu meinen persönlichen Favoriten. Maria Sonia Cristoff wurde 1965 in Patagonien geboren. Sie studierte Literatur in Buenos Aires, wo sie auch heute noch lebt. Worum geht es? Mara hat ihr Leben als Konferenzdolmetscherin gehörig satt. Sie will nicht länger um die Welt jetten, in den ewig gleichen Hotels übernachten und Reden dolmetschen, bei denen sie bereits nach wenigen Worten weiß, wie sie weitergehen werden. Nachdem sie ihre Anstellung nach dem „berühmt-berüchtigten Gipfeltreffen“ los wird, beschließt Mara daher, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und ihr gesamtes Leben gehörig „gegen den Strich zu bürsten“. Ein Jahr lang möchte sie „im Austausch mit der Welt schweigend“ verbringen. Soll heißen, sie wünscht sich von ihrem Umfeld so wenig Interaktion und Einmischung in ihr Leben und ihren …

„Der Triumph der Geraldine Gull“ von Joan Clark

„Der Triumph der Geraldine Gull“ führt eine junge Malerin in den hohen Norden Kanadas an die Grenze zum ewigen Eis und gewährt spannende Einblicke in das Leben in einem indianischen Fischerdorf, die durch ihre erfrischend unromantische Darstellung überzeugen. Die Autorin Joan Clark wurde 1934 in Liverpool geboren und studierte Theaterwissenschaften. Sie arbeitete als Lehrerin und heiratete eine Ingenieur, den sie auf seinen Einsätzen in ganz Kanada begleitete. In ihren Romanen verarbeitete sie ihre Erfahrungen jener Jahre. Heute lebt Joan Clark in Neufundland. 2010 wurde sie mit dem Order of Canada ausgezeichnet. Worum geht es? Niska/Kanada, Juli 1978. Willa Coyle zieht für den Sommer in das indianische Fischerdörfchen Niska im hohen Norden Kanadas. An der Grenze zum ewigen Eis soll sie den Kindern des Dorfs Zeichenunterricht geben. Dabei wird sie schon schnell mit den Problemen des Dorfs und dem harten Leben der Indianer an diesem unwirtlichen Ort konfrontiert. Und dann ist da auch noch die anarchische Geraldine Gull, die Willa bei ihrer Ankunft in Niska zuerst eine Backpfeife verpasst und Willas Brille zerbricht, nur um sie …

„Americanah“ von Chimamanda Ngozi Adichie

Mit „Americanah“ von Chimamanda Ngozi Adichie habe ich im März endlich auch das erste Buch des ZEIT-Kanons des jungen Jahrhunderts gelesen. Als hätte ich bereits etwas geahnt, hatte ich mit als Ansporn für die wunderschöne Ausgabe der Büchergilde Gutenberg entschieden. Tatsächlich hatte ich diesen dann an manchen Stellen auch nötig, denn „Americanah“ verlangte mir einiges ab. Es ist unbequem und zehrte bisweilen an meinen Nerven. Dennoch ist Chimamanda Ngozi Adichie mit „Americanah“ ein ebenso wichtiges wie ehrliches Buch gelungen, das einen ungeschulten und authentischen Einblick gibt, was es im heutigen Amerika heißt, farbig und noch dazu eine Frau zu sein. Worum geht es? Obwohl in den USA erfolgreiche und angesehene Akademikerin kehrt Ifemelu in ihre Heimat Lagos und zu ihrer großen Liebe Obinze zurück, ohne zu wissen, ob diese tatsächlich eine zweite Chance bekommen wird. Vor mehr als 10 Jahren wanderte sie für ihr Studium aus und schaffte es, auch danach weiter Fuß zu fassen. Dennoch verließ sie ihr Heimweh nie ganz, denn in Amerika wurde sie sich auch zum ersten Mal  ihrer eigenen Hautfarbe bewusst. Immer wieder erfuhr Ifemelu, dass man ihr …

„Dämmerung über Birma. Mein Leben als Shan-Prinzessin“ von Inge Sargent

Dieser Rezension möchte ich eine Warnung vorweg schicken: Auf den Besitz dieser Autobiografie stehen 17 Jahre Gefängnis! Nicht bei uns. Gottseidank! Aber in Myanmar, dem ehemaligen Birma, in dem diese Autobiografie spielt. Es ist die wahre Geschichte einer jungen Österreicherin, die sich in den herrschenden Shan-Prinzen von Birma verliebt und mit ihm in dessen Heimat ein vollkommen neues Leben beginnt. Frei von jedem zu erwartenden Cinderella-Kitsch erzählt Inge Sargent ein Stück birmesische Geschichte. Worum geht es? Anfang der 50er Jahre verliebt sich die junge Österreicherin Inge Sargent, während ihres Studiums in den USA, in den angehenden birmesischen Bergbauingenieur Sao Kya Seng. Das Paar heiratet und zieht 1953 nach Birma. Erst dort erfährt Inga, dass ihr Ehemann Prinz eins birmesischen Bergstaats und Oberhaupt der Shan ist. Vollkommen unvorbereitet ist sie plötzlich Teil der fürstlichen Familie mit Repräsentationspflichten in einem Land, dessen Kultur und Gebräuche ihr gänzlich fremd sind. Aber so richtig schwierig wird es für Inge erst, als ihr Mann während eines Militärputschs 1962 verschleppt wird, und sie mir ihren beiden Töchtern in einer politisch höchst …

„Madame Hemingway“ von Paula McLain

Nachdem mir die Mischung aus Biografie und Roman in „Lady Africa“ so gut gefiel, habe ich nun auch Paula McLains älteren Roman „Madame Hemingway“ gelesen. Darin erzählt Hemingways erste Ehefrau über ihr Leben mit dem damals noch jungen und unbekannten Schriftsteller. Der Roman wurde erstmals 2011 in Deutschland veröffentlicht und ist damit mein erstes Buch für die #GoldenBacklist-Challenge. Worum geht es? Als Hadley den einige Jahre jüngeren Ernest Hemingway kennenlernt und heiratet, ist dieser noch unbekannt in der Literaturszene. Um den Durchbruch zu schaffen, zieht das Paar in den 20er Jahren nach Paris. Tatsächlich stellen sich erste Erfolge ein. Aber das private Glück der beiden, das mit der Geburt des ersten Kindes zunächst so perfekt erscheint, zeigt schon bald Risse. Wie fand ich… … den Einstieg? Neben dem sehr schönen Cover auf dem Schutzumschlag fiel mir als erstes das tolle Vorsatzblatt auf, das einen Stadtplan von Paris zeigt. Solche Details sind der Grund, warum auch ein eBook-Fan wie ich ab und zu zum Hardcover greift. Inhaltlich nimmt Paula McLain im Prolog ein Teil des Endes vorweg, …